
Unmittelbar vor dem Anpfiff der Oberliga-Partie zwischen Ratingen 04/19 und dem SV Biemenhorst am Freitag erinnerte Stadionsprecher Achim Pohlmann die 277 Zuschauer daran, dass Damian Apfeld am Vortag seinen 40. Geburtstag begangen hatte – es gab ein sattes Ständchen von der Tribüne, der Ratinger Trainer stand von der Bank auf und bedankte sich mit einem Winken und einer leichten Verbeugung.
Und nach dem 3:0 (1:0)-Heimsieg des Spitzenreiters über den Tabellenvorletzten ließ DJ Mirco Köstring über die Stadionlautsprecher noch „Happy Birthday“ laufen, auf der anschließenden Pressekonferenz gab es ein weiteres Ständchen für Apfeld. Der sagte dann auch im Beisein seines achtjährigen Sohnes, der am selben Tag Geburtstag hat: „So habe ich meinen Geburtstag auch noch nicht oft erlebt – mit drei Punkten und einem Ständchen im Stadion für mich und meinen Sohn. Vielen, vielen Dank.“ Und dann bekam der 04/19-Chefcoach von „Edelfan“ Torsten Kimura auch noch den Vorbericht unserer Redaktion zum Spiel, in dem die Geburtstage thematisiert worden waren, in einem Rahmen mit RSV-Logos überreicht.
Im selben Artikel hatte Apfeld betont, dass in Ratingen gerade etwas entstehe im Zusammenspiel zwischen Team und Fans. Er nahm das Spiel gegen Biemenhorst nun zum Anlass, darauf noch einmal einzugehen und schon eine kleine Kampfansage an den nächsten Gegner im Stadion am Sonntag, 26. April (15 Uhr) vorauszuschicken: „Hier wächst etwas zusammen. Die Unterstützung heute war enorm, noch einmal stärker als in den Heimspielen davor. Unser nächstes ist gegen den KFC Uerdingen, und in der Oberliga hat Uerdingen mit den vielen Fans eigentlich immer ein Heimspiel. Aber so, wie ich das heute hier erlebt habe, wird es das diesmal nicht.“ Der Applaus im VIP-Raum war ihm sicher.
Bemerkenswert an der Unterstützung war nicht einmal die Lautstärke, sondern ihre Konsequenz. Selbst als die Ratinger nach dem frühen 1:0 durch Sven Kreyer (3. Minute) lange nicht nachlegten und die Partie ein wenig dahinzuplätschern begann, feuerten die Fans das Team durchgehend an. „Wir hatten das Spiel in der ersten Halbzeit sehr, sehr gut im Griff und viele Abschlüsse, aber bei denen das Problem, dass sie neben oder über das Tor gingen und nichts aufs Tor. Das hat es schwierig gemacht“, bemängelte Apfeld zurecht.
So hatte Biemenhorst zweimal die Chance auf den Ausgleich: Erst lenkte 04/19-Keeper Marvin Gomoluch den Abschluss von Max Peerenboom noch an den Pfosten (54.), dann rettete das Gestänge auch Slone Matondo vor einem Eigentor per Kopf (75.). „Das waren zwei richtig dicke Dinger, da hätten wir dann dumm aus der Wäsche geguckt, wenn dadurch das Spiel kippt“, merkte Apfeld an. „Es wäre vielleicht etwas glücklich gewesen, aber das nimmt man dann auch gerne mit“, sagte Marc Gebler.
Der Biemenhorster Trainer ärgerte sich nicht nur über die beiden verpassten Gelegenheiten auf einen Treffer, sondern vor allem über die Entstehung des zweiten Ratinger Tores. Da hatte es einen Zweikampf im Mittelfeld gegeben, bei dem 04/19 zwar klar den Ball spielte, aber auch Avramis Angelos erwischte. Der ging zu Boden, aber die Gastgeber spielten den Ball nicht ins Aus, sondern weiter, Rinor Rexha bediente Guiliano Zimmerling, der das 2:0 machte (77.). „Das finde ich ein bisschen schade, und es tut mir leid, dass ich das so sagen muss, aber für mich war das eine unsportliche Aktion“, äußerte Gebler und ergänzte über Rexha: „Der guckt sogar noch raus, kriegt aber von draußen die Ansage: ,Spiel weiter’ und macht das dann auch. Das hat uns das Genick gebrochen.“
Apfeld nahm die Kritik seines Kollegen am zweiten Tor des Abends schweigend zur Kenntnis, er sagte zur Szene lediglich: „Wir haben zum Glück das 2:0 gemacht, meiner Meinung nach viel, viel zu spät.“ Denn auch in Halbzeit zwei hatten die Ratinger viele Chancen nicht konsequent zu Ende gebracht, beispielhaft war die Aktion in der 65. Minute, als Zimmerling im Strafraum nach einem Haken den Ball mit dem linken Fuß ins lange Eck hätte legen können, es aber umständlich mit dem rechten Außenrist versuchte, weshalb es ganz profan Abstoß gab.
Da der Mittelfeldmann nach der strittigen Szene mit dem 2:0 noch präziser arbeitete, konnte 04/19 das Auslassen guter Möglichkeiten noch verschmerzen, es folgte noch „das Traumtor von Emre Demircan“ (Apfeld) zum Endstand. Danach wurde viel gesungen, nicht nur für den Ratinger Trainer, sondern auch für das Team, das auch am 28. Spieltag als Spitzenreiter zum FC Büderich fahren wird (Sonntag, 15.30 Uhr).
Das Aufstiegsrennen zur Regionalliga bewertete Gebler mit Blick auf 04/19 und den VfB 03 Hilden so: „Ich gehe davon aus, dass die beiden, die momentan oben stehen, das unter sich ausmachen werden. Möge der Bessere es schaffen.“ Apfeld schloss: „Das war jetzt unser vierter Sieg in Folge, und die drei Punkte nach meinem 40. und dem achten Geburtstag meines Sohnes nehmen wir gerne mit.“ Noch einmal Gesang im VIP-Raum: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“. Noch sieben Spiele sind zu gehen.