
Wie schnell aus Spaß plötzlich Ernst werden kann, das bekam Marc Paul in dieser Woche am eigenen Leib zu spüren. Im lockeren Plausch mit seinem ehemaligen Trainer Sascha Walbröhl klagte dieser ihm sein Leid aufgrund der angespannten Personalsituation beim Bezirksligisten DSC Düsseldorf. Paul erwiderte lediglich: „Dann melde mich doch an.“
Ein kurzer Satz mit Folgen für den 30-jährigen. Denn Walbröhl nahm den ursprünglich im Scherz zugespielten Ball seines einstigen Schützlings sofort auf. Und schon war die Basis für ein spektakuläres Comeback gelegt. „Die Anmeldung haben wir bereits erledigt. Wenn jetzt nichts mehr schiefläuft, stehe ich schon am Sonntag zur Verfügung. Was der Trainer dann mit mir vor hat, werden wir sehen“, sagt Paul.
Der technisch versierte Offensivspieler pflegt eine besondere Beziehung zum „Club“, mit dem er in der Saison 2016/2017 den Aufstieg in die Oberliga feiern durfte, ehe er sich Anfang 2018 vorübergehend verabschiedete. Auch in seiner zweiten Amtszeit in Düsseltal war Paul eine prägende Figur. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga im Sommer 2022 war der torgefährliche Spielmacher in der Kreisliga A eine der herausragenden Figuren und maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass der DSC 99 zwei Jahre später in die Bezirksliga zurückkehrte.
Lediglich private Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass Paul im Laufe der vergangenen Saison seine Zelte ein weiteres Mal abbrach. Der Kontakt zu seinen alten Kollegen riss aber nie ab. „Youssef Driouch gehört zu meinen besten Freunden. Wir sprechen täglich. Und mit Sascha Walbröhl stehe ich auch regelmäßig in Kontakt. Ich habe beiden immer gesagt, dass sie sich melden dürfen, wenn Hilfe gebraucht wird“, betont Paul.
Sein alter und neuer Trainer ist dankbar für die spontane Hilfsbereitschaft. „Ich habe zu Marc immer ein gutes und ehrliches Verhältnis gepflegt. Das zahlt sich nun aus. Mit ihm habe ich nun eine gute Option mehr“, sagt der Coach, der zuletzt sogar selbst wieder auf dem Spielberichtsbogen gestanden hatte.
Pauls neuerliches Engagement ist zunächst bis zur Winterpause befristet. „Das sind noch sieben Spiele. Da helfe ich gerne aus. Danach sind dann hoffentlich auch einige der Langzeitverletzten wieder dabei, so dass die Not nicht mehr so groß ist“, erklärt der Rückkehrer, der ohnehin vorhatte, sich zur Rückrunde im Bochumer Raum einen neuen Verein zu suchen.
Im Auswärtsspiel beim TV Kalkum-Wittlaer könnte am Sonntag erstmals Pauls Stunde schlagen. Zu was der begnadete Kicker nach rund einjähriger Pause dann im Stande zu leisten sein wird, ist die spannende Frage.Rein fußballerisch braucht man sich um den Instinktfußballer, der auch nachts im Halbschlaf auf dem Platz Dinge umsetzen würde, die andere nie lernen, keine Sorgen zu machen. Eher dürfte da die Fitness ein limitierender Faktor sein. Doch auch hier glaubt Paul noch auf der Höhe zu sein. „Ich habe mich im Fitnessstudio und mit Läufen ein wenig in Form gehalten. Ich bin wahrscheinlich sogar fitter als vor einem Jahr. Für 60 bis 70 Minuten sollte der Tank also noch reichen“, sagt der Mann, der mithelfen will, seinen auf Rang elf abgestürzten Herzensverein wieder in die richtige Spur zu führen.
