
Der SV Kressbronn steht in der Landesliga, Staffel 4, vor einer extrem anspruchsvollen Rückrunde. Tabellenplatz 16, acht Punkte aus 16 Spielen und ein großer Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen prägen das Bild. Trainer Jürgen Kopfsguter spricht offen über Lehrgeld, Verletzungen und die realistische Hoffnung, über harte Arbeit noch einmal Anschluss zu finden.
Bereits am 12. Januar 2026 startete der SV Kressbronn in die Vorbereitung. Das Programm ist umfangreich: sechs Vorbereitungsspiele sind geplant, unter anderem gegen den FC Wolfurt aus Österreich, den TSV Berg, den FC Dostluk Friedrichshafen, den TSV Eschach, den VfB Friedrichshafen und den SC Marktdorf. Das erste Punktspiel der Rückrunde findet am 28. Februar 2026 beim FC Blaubeuren statt.
Ein zentrales Thema der Vorbereitung ist die Infrastruktur. „Wichtig wird sein, die Einheiten auf den Kunstrasenplätzen bei den sechs Vorbereitungsspielen und noch drei Trainingseinheiten auf angemieteten Plätzen für die fußballerische Entwicklung zu nutzen. Unsere Rasenplätze werden wohl nur eingeschränkt bespielbar sein“, erklärt Kopfsguter.
Mit Blick auf die Hinrunde findet der Trainer deutliche Worte. „Die Tabelle lügt nicht“, sagt Kopfsguter. Der SV Kressbronn habe „in den meisten Spielen über weite Strecken gut mithalten können, jedoch viel zu selten über die gesamte Spielzeit“. Die Ursachen sieht er klar benannt: „Wir haben Lehrgeld gezahlt, was insbesondere körperliche Grundfitness, Nutzen von Tormöglichkeiten, Aufmerksamkeit bis zum Schluss und Fehlerquote anbelangt.“ Trotz der geringen Ausbeute bewertet er einen Aspekt positiv: „Die Mannschaft hat sich ordentlich entwickelt und den Abstand zum Landesliganiveau verkürzt.“
„Wir sind mit realistischen Erwartungen in die Runde gegangen“, sagt Kopfsguter. Dennoch habe man „schon mehr Punkte gewünscht und wahrscheinlich auch erwartet“. Gleichzeitig stellt er klar: „Der Blick nach hinten nützt nichts.“ Entscheidend ist wohl die Lehren aus der Vorrunde mitzunehmen.
Einen Punkt hebt der Trainer ausdrücklich hervor. „Die Mannschaft hat die höheren Trainingsumfänge und Intensität gut angenommen“, betont er. Das habe ihn gefreut, sei aber auch eine Grundvoraussetzung gewesen, die man grunsätzlich erwarten darf.
Die Liste der Probleme ist lang und detailliert. Elias Wiesener verletzte sich im Pokalfinale der Vorsaison und stieß „erst mit dem ersten Punktspiel, ohne vorheriges Mannschaftstraining bzw. Vorbereitung“ zum Team. Kopfsguter ist überzeugt: „Wäre er von Beginn an fit gewesen, hätten wir deutlich mehr Qualität im Team gehabt.“ Hinzu kamen zahlreiche Abwesenheiten durch Studium, Arbeit, Verletzungen und auch urlaubsbedingt. „Das hat immer wieder den spielerischen Rhythmus und den körperlichen Zustand beeinträchtigt.“
Besonders schmerzhaft war die Verletzung von Reinhard Bergmann. „Die schwere Verletzung von Reinhard Bergmann in der Vorbereitung, die zu seinem, zumindest vorläufigen, Karriereunterbruch geführt hat, hat uns ebenfalls früh Qualität gekostet“, sagt der Trainer. In Kombination mit mangelnder Chancenverwertung sei das kaum zu kompensieren gewesen: „Insgesamt haben wir viel zu viele Tormöglichkeiten ungenutzt lassen.“
„Wir mussten erfahren, dass Fehler unmittelbar bestraft werden und Unaufmerksamkeiten, gerade zum Ende des Spiels hin, uns oft Punkte gekostet haben“, erklärt Kopfsguter. Über alle Mannschaftsteile hinweg habe man „nicht konstant gute Leistungen über einen längeren Zeitraum“ zeigen können.
Trotz der schwierigen Ausgangslage formuliert der Trainer ein klares Ziel. „Wir müssen körperlich topfit und im besten Zustand in die Rückrunde gehen und versuchen, eine Serie von Siegen zu starten, um den Anschluss an den Relegationsplatz zu schaffen.“ Unabhängig vom Ausgang betont er: „Für jeden Spieler gilt es in jeder Trainingseinheit und besonders in jedem Spiel das Maximum aus sich herauszuholen.“
„Wichtig ist es, sich immer vor Augen zu halten, dass es für den SV Kressbronn ein Privileg ist, in der Landesliga zu spielen. Es bringt nichts, am Ende der jeweiligen Spiele oder gar am Ende der Saison zu jammern. Jetzt gilt es anzupacken, damit die Wende noch zu gelingen kann oder zumindest alle am Ende der Saison in den Spiegel schauen können, mit dem aufrechten Blick, alles gegeben zu haben. Rein rechnerisch sollten wir im Durchschnitt zwischen 1,5 und 2 Punkte pro Spiel holen. Durchaus sehr ambitioniert und alles andere als einfach in der Umsetzung, aber für einen möglichen Klassenerhalt notwendig“, sagt Kopfsguter offen.
Personell gibt es Bewegung. Den Verein verlassen Noah Kathan, der zur zweiten Mannschaft wechselt, sowie Mamady Doumbouya, der zum VfB Friedrichshafen II geht. Neu im Kader sind Felix Dunger vom SV Kehlen sowie Mark Bukovec, der nach einer Pause reaktiviert wurde.
In der Meisterfrage sieht Kopfsguter wenig Zweifel. „Türkspor Neu-Ulm hat wohl die beste Ausgangslage, als Meister die Saison zu beenden.“ Im Tabellenkeller rechnet er mit einem harten Kampf: „Heimenkirch, Bad Schussenried und wir werden wohl mit Riedlingen, Biberach und dem FC Staig um den Relegationsplatz kämpfen.“ Dabei räumt er ein: „Wobei Bad Schussenried und wir hier die schwächste Ausgangsposition haben.“