– Foto: Verein

"Ein Neuanfang ist ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt"

Unser Fußball, unsere Vereine: Wie der ESV Lokomotive Güsten zurück auf die Bildfläche kam

Mit der Serie "Unser Fußball, unsere Vereine" wollen wir die Amateure während der Zeit der irrsinnigen WM in Katar noch mehr in den Fokus setzen, wollen euch Clubs aus den untersten Spielklassen des Bundeslandes und ihre Geschichten vorstellen. Im dritten Teil präsentieren wir den ESV Lokomotive Güsten aus der 2. Kreisklasse Salzland.

Fußball verschwand zusehends aus Güsten

Sven Kurde kennt die alten Glanzzeiten des ESV Lokomotive Güsten noch aus eigener Erfahrung. Als Aktiver kickte er für die "Eisenbahner" aus dem Salzlandkreis in der Landesklasse. "Ich habe alle Auf- und Abstiege miterlebt", erzählt der 45-Jährige. Doch die Zeiten, in denen Landesklasse-Fußball in Güsten gespielt wurde, sind inzwischen schon 15 Jahre her. Seitdem ging es für den ESV nach einem Jahr in der Kreisoberliga und sechs Kreisliga-Spielzeiten in die 1. Kreisklasse - bis es eines Tages im Sommer 2017 schließlich keine eigenständige Mannschaft mehr gab. "Die Fußballer bei uns im Verein wurden immer weniger", erzählt Vorstandsmitglied Kurde. "Also haben wir uns entschlossen, den Fokus auf Leichtathletik und Kindersport zu legen. Die verbliebenen Fußballer bildeten eine Spielgemeinschaft mit dem Warmsdorfer SV - und so lief es dann einige Jahre."

Doch dass dieser Schritt noch lange nicht das Ende des Fußballs in Güsten bedeuten sollte, zeigte sich in diesem Sommer, als der ESV Lokomotive gleich mit zwei eigenständigen Herrenteams in der 2. Kreisklasse zurück auf die Bildfläche kam. "Die Wege mit dem Warmsdorfer SV haben sich getrennt", erzählt Kurde. "Die Vorstände beider Vereine hatten sich entschieden, einen sauberen Cut zu setzen." Gleich 27 Spieler der ehemaligen Spielgemeinschaft entschieden sich daraufhin, den Weg nach Güsten mitzugehen. "Das liegt vor allem daran, dass über die Jahre immer mehr und mehr alte Güstener zurückkamen", erklärt Kurde. Sie gaben ihr Zugeständnis, mit dem ESV in der untersten Spielklasse ganz neu anzufangen: "Ihnen ging es nicht um die Liga, in der sie spielen, sondern um den Verein, für den sie spielen."

Enrico Menzel (rechts) spielte für den ESV Lokomotive Güsten schon in den 90ern in der Landesklasse, heute spielt der 50-Jährige noch für die "Eisenbahner" in der 2. Kreisklasse.
Enrico Menzel (rechts) spielte für den ESV Lokomotive Güsten schon in den 90ern in der Landesklasse, heute spielt der 50-Jährige noch für die "Eisenbahner" in der 2. Kreisklasse. – Foto: Sportfotografie Brückner

Übergeordnetes Ziel: Den Nachwuchs fördern

So legten die Eisenbahner schon zum Saisonstart gehörig los - mit einem 15:1-Kantersieg. Dem ließen sie seither u. A. ein 14:1, ein 12:1 und ein 14:0 folgen. "Da zeigt sich, dass wir einige Leute im Team haben, die schön höherklassig unterwegs waren", sagt Kurde. Mit 22 von 24 möglichen Punkten und einer Tordifferenz von 69:8 steht die Erstvertretung des ESV an der Tabellenspitze der 2. Kreisklasse 1. "Natürlich würden wir uns freuen, wenn es am Saisonende eine Liga hochgeht", so Kurde. Die primäre Zielsetzung ist für den 45-Jährigen aber eine ganz andere: "Wir wollen die Jugend in den Verein locken, um die nächste Generation heranzuziehen. Wir wollen beide Männerteams im Spielbetrieb behalten. Und wir wollen das Vereinsleben zelebrieren."

Besonders letzteres funktioniere in Güsten bereits ausgezeichnet. "Die Stimmung ist super", erzählt Kurde, "nicht selten kommt es nach den Spielen vor, dass wir im Vereinsheim landen. Wir sind eine richtige Einheit." Auch abseits des Platzes hat der ESV einiges zu bieten. "Mit der 'Sektion Güsten' haben wir sehr treue Fans", erklärt Kurde. Jüngst kamen sogar mehr als 400 Zuschauer zur Kreisklasse-Partie gegen den SV 09 Staßfurt III (12:1). Kein Wunder also, dass das Fazit zur Wiederbelebung des Fußballs beim ESV Lokomotive Güsten sehr positiv ausfällt: "Ein Neuanfang ist ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt", sagt Kurde. Und auch wenn der Weg der Eisenbahner so schnell nicht wieder in die Landesklasse führt, "wenn wir in einigen Jahren in der Kreisliga spielen, wäre das auch ein Erfolg", betont Kurde.

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Aufrufe: 023.11.2022, 19:00 Uhr
Kevin GehringAutor