Ein Kommentar: Kein Montagmorgen ohne Montagmorgen!

Ausbleibende Berichterstattung begräbt den Mittelbaden-Cup

Jahr für Jahr treffen sich Ende Januar die besten Fußballer aus dem Bezirk Baden-Baden zum Hallen-Highlight der Saison. Ein Hallenturnier, bei dem jeder dabei sein möchte. Einmal mit den tollen, berühmten Kickern aus Verbands- und Landesliga auf dem Parkett stehen, einmal im Leben die Großen der Zunft ärgern. Fünf heiß umkämpfte Qualifikationsturniere verteilt auf die Regionen im Fußballbezirk. Fünf Hallenmeisterschaften in Bühl, Baden-Baden, Rastatt, dem Murgtal und im Hardt werden Jahr für Jahr ausgespielt und der Sieger darf dann zum großen Mittelbaden-Cup. Das alles war einmal.

Tradition, Familientreffen, Pflichttermin: Der Mittelbaden-Cup war das Highlight im Winterkalender der regionalen Fußballszene. Unvergessen die Turniere, als unterklassige Teams wie Croatia Gaggenau in den 90ern oder der FC Obertsrot Anfang des letzten Jahrzehnts die BigPlayer der Branche düpierten und sich mit begeisterndem Budenzauber zum Hallenkönig krönten. Die Fußballfamilie freute sich schon Wochen zuvor auf diesen einen Tag zwischen Neujahr und Fasching. Es kamen alle zusammen, die Sporthallen platzten aus allen Nähten und man erfreute sich an den Hallenkünstlern der Region. Der fußballbegeisterte Kicker und Fan liebte diese Tradition, auch am Tag danach, als das Badische Tagblatt „seinem Turnier“ und somit dem regionalen Fußball eine ganze Seite widmete. Alle Torschützen, die besten Spieler und Torhüter, Interviews, Siegerbilder – der Montagmorgen war gerettet.

Nun, nach zwei Jahren coronabedingter Pause, hätte es die 40.Auflage dieses Traditionsturnieres geben sollen - samt dem großen Nachbericht am Montagmorgen. Das Problem an der Sache? Eben dieser Montagmorgen macht dem Badischen Tagblatt nun einen Strich durch die Rechnung. Wir sprechen von jenem und jedem Montagmorgen, den wir während der Saison alle so sehr liebten und den es nun nicht mehr gibt. Seit Beginn der Saison 2022/23 hat das Badische Tagblatt seine wöchentliche Berichterstattung über die Geschehnisse auf Bezirksebene eingestellt. Offensichtlich zwar mit (leiser) Ankündigung, aber trotzdem von heute auf morgen. Aufgrund einer Studie, die man so ernst nehmen kann wie Artikel vom Postillon. Gar nicht.

Nicht nachvollziehbare Entscheidungen von Führungskräften sind in der deutschen Wirtschaft nichts neues. Dass es nun aber eine Sparte getroffen hat, die so viel mehr als nur Sport ist, dafür hat tatsächlich niemand Verständnis. Eine Sparte, die alle Menschen und Generationen verbindet und dafür sorgt, dass gerade in solch schweren Zeiten zumindest für wenige Stunden die Sorgen vergessen sind. Eine Sparte, die alle lieben. Ohne Ausnahme. Wir sprechen vom regionalen Amateursport – eine Sparte, die mehr Wert ist als vieles, wenn nicht sogar alles andere. Eine Sparte, die vor allem in der regionalen Tageszeitung nicht weniger, sondern eher viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Der Regionalsport - Eine Sparte, die verdammt nochmal in einer regionalen Tageszeitung abgelichtet werden muss.

Das BT hat anders entschieden. Mehr Fokus auf den KSC, Hintergrundberichte und so Zeug. Natürlich weiterhin ganz viel Politik & Weltnachrichten, die am Morgen im gedruckten Stück Papier noch so frisch sind wie die Brötchen am Sonntag, die man am Samstag schon gekauft hat.
Ob es noch was zu retten gibt ist die große Frage. „Die Geschäftsführung habe so entschieden und geht den Weg weiter“ – das hört man ganz oft. Man darf davon ausgehen, dass die Herren „dort oben“ keinen Schritt zurückmachen, sonst würde man sich ja einen Fehler zugestehen.
Für den Bezirk Baden-Baden mit seinen zick Tausend Sportlern wird es deshalb vermutlich keine Wiederaufnahme der Berichterstattung geben – da bringt selbst der nun vollzogene Boykott des Mittelbaden-Cups nichts und deshalb sind die einzig „Geschädigten“ dieses Boykotts der gastgebende FC Durmersheim sowie die beiden sympathischen und unschuldigen „Regionalreporter“. Den oberen Herren des Verlags wird egal sein, was „dort unten“ passiert, getreu dem Motto: Dann verteilen wir die fetten Sponsorengelder von Volksbank & Co eben nicht an die ach so bedürftigen Vereine.

Der Boykott an sich ist ein starkes Zeichen der mittelbadischen Vereine, eine solidarische Entscheidung – wobei Solidarität immer alle Beteiligten einschließen sollte. Das tut es in diesem Fall leider nicht zu 100%, denn zum einen schaut der FC Durmersheim in die Röhre und zum anderen hatten einige Vereine immerhin auch zugesagt und sich im ersten Schritt gegen einen Boykott entschieden. Dennoch – vor allem die Absage aller überbezirklicher Teams hat am Ende dafür gesorgt, dass auch viele der vermeidlich Kleinen von einer Zusage Abstand genommen hatten.

Hätte man es vielleicht auch anders lösen können? Mit der vollen Kapelle am Turnier teilnehmen, dann aber das Wort erheben und das Turnier vorm Finale abbrechen – genau dann wenn die Herren Sponsoren und Vorstände auftauchen?! Vielleicht wäre dann den jahrelangen Partnern des Badischen Tagblatts bewusst geworden, welch Schaden hier entstanden ist. Vielleicht.

Es wäre interessant zu sehen gewesen, was dann am geliebten Montagmorgen in der Zeitung gestanden hätte. Vertuschung? Verwunderung? Ehrliche Worte? Es wäre spannend geworden, so ganz ohne Finale. Vielleicht. Ganz schön viel vielleicht. So viel vielleicht, dass mir WORD schon alles rot unterstreicht, weil das Wort vielleicht so oft wiederholt wird. Eines wäre aber sicher gewesen: Der FC Durmersheim hätte nach zwei Jahren Wartezeit doch noch ein wenig die Einnahmen gehabt, die jahrzehntelang andere Vereine schleckend angenommen hatten.

So hat der FC Phönix nach einem langen Hin und Her selbst die Reisleine gezogen. Die überbezirklichen Teams haben reihenweise abgesagt, wobei einige wenige erst zum Ende hin dem „Druck“ der Gemeinschaft nachgegeben haben, obwohl lange die Zusage stand. Andere Vereine wiederum haben vorrangig nicht wegen der fehlenden Berichterstattung, sondern aufgrund den obligatorischen „Terminproblemen“ und „Verletzungsgefahren“ abgesagt. Klar, natürlich. Am Ende haben sich dann auch die sogenannten Kleinen zum Boykott entschieden, obwohl es auch hier Vereine gab, die gerne gespielt hätten. Egal ob berichtet wird oder nicht. Die wollten einfach kicken, haben sich sogar Chancen auf die hohe Gewinnsumme ausgerechnet, am Ende hatte deren Zusage aber nicht gereicht.

Im nächsten Jahre wäre der FV Iffezheim Ausrichter – es darf bezweifelt werden, ob die Vereine bei weiterhin fehlender Berichterstattung anders denken werden. Der so lang geliebte Cup hat genau eine Chance: Nämlich die Auferstehung der regionalen Sportberichterstattung. Andernfalls war das 39.Turnier im Jahr 2020 das vermutlich letzte seiner Art.

Nun ist das berechtigte Theater vorerst vorbei - der BT-Mittelbaden-Cup vorerst Geschichte, der geliebte Montagmorgen allerdings weiterhin ebenfalls.
Vielleicht mag die eine Tradition gehen, eine andere wird am 22. und 23.Dezember in der Sporthalle Ottenau ins Leben gerufen: Das Gebolze-Hallenmasters – initiiert und organisiert von Stammtischgebolze im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums. Eine Ausnahme muss und soll das Spektakel kurz vor Heiligabend nicht werden. Im Gegenteil. Stammtischgebolze will dieses Turnier etablieren, ein gemeinsames Zusammenkommen vor Weihnachten. Jahr für Jahr. Mit Qualifikationsturnier am Vorabend, mit Hauptturnier am Samstag und mit ausführlichem Bericht am geliebten Montagmorgen – online versteht sich, wir haben schließlich 2023.

In diesem Sinne, Haken dran und Fokus auf die Rückrunde – da haben viele der Teams noch jede Menge Arbeit vor sich, auch wenn’s am Montagmorgen niemand lesen kann.

Aufrufe: 024.1.2023, 11:49 Uhr
bemAutor

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