2026-05-06T12:44:31.715Z

Spielvorbericht

"Ein Koch sollte so kochen, dass es allen schmeckt"

Der SC 1903 Weimar zählt in der Rückrunde der Landesklasse 1 zweifellos zu den Top-Mannschaften der Liga und steht in der Rückrundentabelle nicht ohne Grund auf Platz 2.

von Fabian Göb · Heute, 21:00 Uhr · 0 Leser
Diagnose Kreuzbandriss: Toptorjäger Manuel Staatz vom SC 1903 Weimar fällt aufgrund einer erneut schweren Verletzung für einige Monate aus. Die FuPa-Redaktion wünscht auf diesem Wege eine schnelle Genesung und alles Gute!
Diagnose Kreuzbandriss: Toptorjäger Manuel Staatz vom SC 1903 Weimar fällt aufgrund einer erneut schweren Verletzung für einige Monate aus. Die FuPa-Redaktion wünscht auf diesem Wege eine schnelle Genesung und alles Gute! – Foto: Janine Volbert

Seit Ronny Schneider in der Winterpause übernommen hat, entwickelte sich der Thüringenliga-Absteiger zu einem echten Spitzenteam. Vor dem nächsten Härtetest gegen den 1. FC Greiz spricht der Cheftrainer über sein Erfolgsrezept, die Ziele der Mannschaft, den bitteren Ausfall von Top-Torjäger Manuel Staatz und die Perspektiven des Vereins.

„Da gehören wahnsinnig viele Zutaten dazu“

Dass der SC 1903 Weimar nach schwieriger Hinrunde plötzlich wieder oben mitmischt, überrascht viele Beobachter. Für Trainer Ronny Schneider ist der Aufschwung allerdings keineswegs das Werk einer einzelnen Person. „Also erstmal habe ich den SC nicht allein zurück in die Erfolgsspur geführt“, stellt Schneider klar. „Wenn ich mir Spieler anschaue, die bei uns ausgebildet wurden und inzwischen Teil der Mannschaft sind, dann zeigt das ganz klar, dass hier gute Nachwuchsarbeit geleistet wird. Davon haben wir enorm profitiert.“ Ein konkretes Erfolgsrezept könne er ohnehin kaum benennen. „Da gehören wahnsinnig viele Zutaten dazu, die ich selbst gar nicht alle auf den Punkt bringen kann“, sagt er lachend. Entscheidend seien vor allem die Menschen im Umfeld der Mannschaft. „Zum einen braucht es ein Trainer- und Staffteam, das fußballverrückt ist – im positiven Sinne. Zum Glück ist das bei uns vorhanden.“ Besonders wichtig sei ihm dabei Authentizität. „Für mich als Trainer ist es entscheidend, authentisch zu sein.“ Gleichzeitig habe man innerhalb der Mannschaft viel Wert auf Teambuilding gelegt. „Nicht im Sinne von künstlicher Harmonie, sondern als etwas, das wachsen muss. Dafür braucht es klare Werte und Leitlinien – aber auch genügend Freiheit.“ Ein weiterer zentraler Punkt sei zudem eine funktionierende Fehlerkultur. „Fehler sind heutzutage oft nicht besonders beliebt, dabei gehören sie zum Menschsein dazu. So eine Kultur zu etablieren, ist nicht leicht, aber sicherlich ein Teil des Erfolgsrezepts.“

Fokus statt Aufstiegsträume

Trotz der starken Serie macht Schneider deutlich, dass der große Angriff auf die Tabellenspitze nie wirklich Thema gewesen sei. „Der Zug nach ganz oben ist eigentlich schon am ersten Spieltag nicht richtig ins Rollen gekommen“, sagt der Weimarer Coach. „Von daher mussten wir realistisch bleiben.“ Viel wichtiger sei gewesen, die Mannschaft aus dem unteren Tabellenbereich herauszuführen. Besonders das Spiel gegen Rudolstadt hebt Schneider hervor: „Das war unser erstes "Do or Die"-Spiel. Da hätten sie an uns vorbeiziehen können.“ Trotzdem habe sich die Mannschaft intern klare Ziele gesetzt. „Natürlich braucht es Mannschaftsziele und die haben wir auch. Die sind noch nicht erreicht. Dafür müssen wir weiter viel investieren, damit wir uns nach der Saison in die Augen schauen und sagen können, warum wir etwas erreicht haben oder eben nicht.“ Die Mannschaft wirke dabei weiterhin hochkonzentriert. „Deswegen sind die Jungs auch sehr fokussiert“, betont Schneider.

„Wenn dir 22 Tore wegbrechen, tut das weh“

Überschattet wird die starke Rückrunde allerdings von der schweren Verletzung von Torjäger Manuel Staatz. Für Schneider ist der Ausfall kaum zu kompensieren. „Natürlich trifft das hart – ihn persönlich sowieso“, sagt der Trainer. „Wenn dir 22 Tore wegbrechen und ein Spieler fehlt, der unglaublich viel arbeitet und ständig Verteidiger bindet, dann tut das natürlich weh.“ Dabei hatte Staatz bereits zuvor immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. „Er hatte Sperren, kleinere Ausfälle und im Winter noch eine wichtige Operation“, erklärt Schneider. Der Trainer hebt aber nicht nur die sportliche Bedeutung hervor. „Er fehlt uns sportlich genauso wie menschlich.“ Nun gehe es vor allem darum, dass der Angreifer vollständig gesund werde. „Wichtig ist, dass er die Verletzung gut auskuriert. Dann drücken wir alle die Daumen, dass er wieder zurückkommt.“

Greiz als unangenehmer Gegner

Mit dem 1. FC Greiz wartet am Wochenende die nächste anspruchsvolle Aufgabe auf den SC Weimar. Schneider erwartet einen unangenehmen Gegner mit klaren Stärken. „Wir müssen natürlich auch über James-Kevin Nahr sprechen“, sagt er mit Blick auf einen der auffälligsten Spieler der Gäste. „Wenn er einen guten Tag erwischt, kann er ein Spiel alleine entscheiden.“ Generell erwartet der Coach eine kompakte und körperlich robuste Mannschaft. „Sie verteidigen gut und wollen nach Ballgewinnen schnell umschalten.“ Für seine eigene Mannschaft werde deshalb Geduld entscheidend sein. „Wir brauchen Disziplin und Geduld. Und ganz wichtig ist, dass wir unser eigenes Spiel auf den Platz bringen. Wenn uns das gelingt, bin ich guter Dinge.“ Dass auch sein Trainerkollege einen passenden Matchplan vorbereiten werde, ist Schneider bewusst. „Von daher wird das sicherlich ein spannendes Spiel.“

„Der Name SC 1903 Weimar spricht für sich“

Auch über die laufende Saison hinaus blickt Ronny Schneider optimistisch in die Zukunft. Das Potenzial des Vereins sei längst sichtbar. „Der Name SC 1903 Weimar spricht schon für sich“, sagt er. „Da gibt es auch etwas zu verlieren.“ Im Verein sei bereits eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar. „Die wollen wir weitertragen und das Potenzial Schritt für Schritt ausreizen.“ Dabei lobt Schneider ausdrücklich die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins. „Wir bekommen gute Unterstützung vom Vorstand und von der sportlichen Leitung. Deshalb sind wir auch in den Planungen für die neue Saison sehr zuversichtlich.“ Im Mittelpunkt stehe dabei die nachhaltige Entwicklung. „Im Prinzip geht es darum, das weiterzuentwickeln, was begonnen wurde, neue Spieler schnell zu integrieren und die Strukturen weiter zu verbessern.“ Ein besonderes Anliegen sei ihm zudem der Unterbau des Vereins. „Kurzfristig wäre es wichtig, eine zweite Mannschaft zu etablieren, die als Bindeglied zur ersten Mannschaft dienen kann.“ Ebenso wichtig sei die Verzahnung mit dem Nachwuchs. „Die Brücke zur A-Jugend muss fest zementiert sein und weiter gepflegt werden.“