2026-05-06T12:44:31.715Z

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Ein Abschied im Guten aus Kapellen

Trainer, Sportlicher Leiter, Obmann – Jörg Ferber war beim SC Kapellen gleich in mehreren Funktionen tätig. Im Sommer verlässt der Vollblutfußballer die Schwarz-Gelben. Warum er das tut und was er in Zukunft noch vorhat.

von RP / David Beineke · Heute, 18:00 Uhr · 0 Leser
Jörg Ferber hat in seinen Jahren in der sportlichen Führung beim SC Kapellen viel erlebt.
Jörg Ferber hat in seinen Jahren in der sportlichen Führung beim SC Kapellen viel erlebt. – Foto: Udo Waffenschmidt

Jörg Ferber hat schon viel erlebt im Fußballgeschäft. Als Spieler, Trainer und Funktionär. Deswegen kann den mittlerweile 57-Jährigen kaum noch etwas nachhaltig aus der Ruhe bringen, was mit dem runden Leder zu tun hat. Auch nicht, dass wie vor ein paar Wochen angekündigt im Sommer seine Zeit beim SC Kapellen endet. Eine ereignisreiche Zeit mit Höhen und Tiefen in unterschiedlichen Funktionen, die 2018 begann und nach einer zweieinhalbjährigen Pause Anfang 2024 weiterging. „Ich hatte schöne Jahre in Kapellen und gehe nicht im Groll“, erklärt Ferber.

Dass der Neusser mal beim SC Kapellen landen würde und auch so lange bleiben würde, lag nicht unbedingt auf der Hand. Denn nach einer erfolgreichen Spielerkarriere, in der er ein paar Mal bei den Bundesligaprofis von Borussia Mönchengladbach auf der Bank saß und ansonsten als Mittelfeldspieler bei Vereinen wie VfR Neuss, Rheydter SV und Fortuna Düsseldorf meist auf höchster Amateurebene kickte, war er zu Beginn seiner Trainerkarriere in anderen Bereichen des Rhein-Kreises unterwegs. Etwa die vielen Jahre als Spielertrainer des Landesligisten TSV Bayer Dormagen oder anschließend die Zeit als Trainer bei seiner alten Liebe, dem VfR Neuss. Erst danach kam er mit seinem Engagement beim TuS Grevenbroich dem SCK geografisch schon etwas näher, doch zum ersten richtigen Kontakt kam es erst, als sich das Ende seiner vierjährigen Trainerzeit beim damaligen Bezirksligisten DJK Gnadental andeutete.

Ein Glücksfall im Jahr 2018

Im Jahr 2018 waren die Kapellener nach dem Abstieg aus der Oberliga in der Saison davor unter Trainer Oliver Seibert noch in einer Findungsphase. Und weil sie damals Ferbers Sohn Maik verpflichten wollten, kamen sie auch mit dem Vater ins Gespräch. „Da hat sich dann schnell herausgestellt, dass Oli und ich gut zusammenpassen“, erinnert sich Jörg Ferber. So fand er den Einstieg als Sportlicher Leiter, sprang zwischendurch aber auch als Trainer der A-Jugend und der ersten Mannschaft ein. Während der Corona-Saison 2020/2021 endete schließlich seine erste Episode beim SCK.

Doch allzu lange hielten es beide Seiten ohneeinander nicht aus. Im Laufe der Saison 2023/2024 brauchte der langjährige Vorsitzende Philip Breuer Unterstützung. „Er hat mich überzeugt und dann habe ich gerne geholfen“, erinnert sich Jörg Ferber. Was er da noch nicht ahnen konnte: Vor dem Verein standen herausfordernde Zeiten mit schwierigen Entscheidungen. Nach einem hauchdünn verpassten Oberliga-Aufstieg bekam zum Beispiel Trainer Fabian Nellen seine Papiere, wobei sich die Suche nach einem Nachfolger überaus schwierig gestaltete. Schließlich hatte Ferber den Mut, in Gestalt des jungen Lennart Ingmann, bis dahin Trainer der A-Jugend, einer internen Lösung eine Chance zu geben. Eine Entscheidung, die sich inzwischen als Glücksfall erweist. Denn Ingmann, der es als junger Spieler sogar in die Jugend des FC Bayern München schaffte, hat den SCK zurück in die Landesliga-Spitze geführt. Extrem gefordert war Jörg Ferber auch, als es Anfang 2025 zu einem heftigen Vorstandsbeben kam.

In Philip Breuer, seinem Stellvertreter Frank Frinken und Geschäftsführer Ralf Stübben traten gleich drei entscheidende Vorstandsmitglieder zurück. Das Trio hatte diesen Schritt zwar schon länger angekündigt, dennoch war es eine Herkulesaufgabe, geeignete Nachfolger zu finden. Doch zusammen mit Schatzmeisterin Almut Breuer und Jugendleiter Reiner Hoff gelang es Ferber, den SCK auf Kurs zu halten. Schon im Sommer wurde bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt mit Ivan Ardines an der Spitze. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass in der neuen Vereinsführung auch der Grund für das Ende der zweiten Ferber-Episode beim SCK liegt.

„Sage niemals nie“

„Da sind jetzt neue Leute mit eigenen Vorstellungen. Und in den Gesprächen hat sich irgendwann herausgestellt, dass es nicht passt, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von Konzepten für den SC Kapellen haben“, erklärt Jörg Ferber und ergänzt: „Das ist auch vollkommen okay. Deswegen habe ich mich entschieden, meine auslaufende Vereinbarung nicht zu verlängern.“ Wichtig ist Ferber, sich möglichst erfolgreich zu verabschieden. Den Kreispokalsieg hat ihm die erste Mannschaft schon beschert und die Reserve liegt auf Kurs Kreisliga A. Und auch wenn es so aussieht, dass in der Landesliga Rang zwei nicht zum Oberliga-Aufstieg reicht, gibt die Truppe von Lennart Ingmann ein tolles Bild ab.

Was die Zeit nach Kapellen angeht, befindet sich Jörg Ferber noch in der Findungsphase. Er hat Anfragen, führt Gespräche, wo er als Sportlicher Leiter helfen kann. Sogar ein neuerliches Engagement als Trainer will er nicht gänzlich ausschließen, wenn die Perspektive stimmt. „Oder ich mache gar nichts und kümmere mich mehr um meine zwei Enkel. Da bin ich total entspannt und lasse alles auf mich zukommen“, betont Jörg Ferber. Auch dass es irgendwann mal eine dritte Episode beim SC Kapellen gibt, ist für ihn vorstellbar. „Sage niemals nie. Wenn man vernünftig auseinandergeht, weiß man nie, was in Zukunft passiert.“