2026-04-10T07:15:08.667Z

Ligabericht

Ehrenpromotion: eine Liga fast wie ein Zufallsgenerator

Bettemburg und Rodange enteilten der Konkurrenz erst gegen Saisonende, drei der vier starken Aufsteiger konnten die Klasse halten.

von Paul Krier · 11.06.2024, 12:45 Uhr · 0 Leser
Bettemburg  (in rot) holte Platz 1, Medernach (in blau) stieg ab
Bettemburg (in rot) holte Platz 1, Medernach (in blau) stieg ab – Foto: Jennifer Kontz

Die Aufstiegskandidaten

Bereits früh hatte Bettemburg sein Saisonziel in einer sehr engen und damit lange nur schwer planbaren Spielzeit erreicht. Bereits einen Monat vor Schluss sicherte sich der SCB den erstmaligen Aufstieg ins Oberhaus seit 1973! Mit einem breiten und starken Kader enteilte man der Konkurrenz. Nach einer sehr guten Hinrunde folgte eine gute Rückrunde, so dass Platz 1 und der direkte Aufstieg mehr als verdient sind.

Zwei Wochen später folgte Rodange den Bettemburgern ins Oberhaus. Dabei hatte man einen langen Weg hinter sich. Das ausgegebene Ziel war die Rückkehr in die BGL Ligue, doch nach einem völlig verpatzten Saisonauftakt spielte man zunächst gegen Abstieg. Erst als Fred Herinck das Team übernahm, begann sich das Potenzial zu entfalten. Nach dem Winter legte man einen unvergleichlichen Höhenflug hin, ohne aber zu vergessen, wo man herkam. Am Ende wurde man mit dem Aufstieg belohnt.

Ohne das ganz große Spektakel abzuliefern behielt Rümelingen die oberen vier Plätze stets im Auge. Die Stabilität der Mannschaft und die konsequent umgesetzte Spielphilosophie waren Punkte, die maßgeblich zum Erreichen der Relegation beitrugen. In der entscheidenden Phase der Saison blieb man sechsmal in Serie ungeschlagen. Im Barrage-Spiel war man schließlich vom Pech verfolgt, so dass man den Aufstieg nur um Haaresbreite verpasste.

Von den meisten Experten als Aufstiegskandidat Nummer 1 gehandelt, war Hostert lange nur eine Mannschaft von vielen im Haifischbecken Ehrenpromotion. Die Leistungsfähigkeit des breiten und qualitativ hochwertigen Kaders konnte bis zum Schluss nie zu einhundert Prozent abgerufen werden. Immerhin stimmten nach der Amtsübernahme von Marc Thomé die Ergebnisse. Im Barrage-Spiel gegen Käerjeng hatte man schließlich das nötige Quäntchen Glück, um sein Saisonziel und somit die Rückkehr in die BGL Ligue perfekt zu machen.

Etzella ging zum Schluss der Saison die Luft aus, so dass der Absteiger mit dem undankbaren 5.Platz leben muss. Trainer Bruno Alves hatte vor der Spielzeit 23/24 angegeben, dass man sich zwei Jahre Zeit geben würde, um wieder ins Oberhaus zurückzukehren. Dennoch dürfte man wehmütig bleiben, da die Aufstiegsrelegation stets in Reichweite lag.

Ein Tabellenmittelfeld gab es nicht

Hätte Berburg keine desolate Hinrunde gespielt, wäre man ein echter Aufstiegsaspirant gewesen. Platz 16 mit nur zehn Punkten in der Hinrunde folgte ein Trainerwechsel. Was Josef Cinar schließlich aus dem Tram herauskitzelte, ist aller Ehren wert: Letzter nach 15 Spielen schloss man die Rückrunde mit nur einer Niederlage als Zweiter ab, was Platz 6 in der Endabrechnung darstellen sollte!

Nach einer sehr soliden Saison konnte sich Wormeldingen als bester Aufsteiger klassieren (7.). In der kommenden Saison geht man nach der Fusion mit Ehnen unter dem Namen FC Koeppchen (die Ortsangabe entfällt) als noch größerer Verein in seine zweite Saison in der 2.Liga. Berburgs sagenhafte zweite Saisonhälfte (s.u.) stellte etwas in den Schatten, dass auch der FC Alisontia Steinsel eine absolut bemerkenswerte Leistungssteigerung nach der Winterpause hinlegte. Mit einer Serie von fünf Spielen am Stück rappelte man sich Anfang 2024 wieder auf, auch wenn der direkte Klassenerhalt wie für drei Viertel der Liga erst spät feststand.

>> Abschlusstabelle

>> Torschützen

Erst am vorletzten Spieltag konnte Traditionsverein und Aufsteiger Beggen den Klassenerhalt feiern. Man schloss die Saison zwar als Neunter ab, die späte Entscheidung ist aber lediglich ein weiterer Beleg für die Enge der Ehrenpromotion. Nach einer tollen Hinrunde kannte der FC Avenir Beggen zur Rückrunde Probleme. Nach einem Trainerwechsel und einem Aufbäumen erreichte man das gesteckte Saisonziel.

Wenn eine Mannschaft in der laufenden Spielzeit enttäuschte, dann war es Mamer. Nach Platz 3 in der Hinrunde stürzte man nach nur drei Siegen im zweiten Saisonabschnitt bis auf Rang 10 ab und geriet am Ende sogar noch fast in Abstiegsnot. Canach war ein Team, das man nicht unbedingt unten in der Tabelle auf der Rechnung hatte, nachdem der Verein vor einem Jahr noch knapp in der Relegation am Aufstieg in die BGL Ligue scheiterte. Nach einer sorgenvollen Hinrunde verbesserte man sich nach dem Winter so weit, dass man auch kommende Saison in der Ehrenpromotion spielen wird.

Abstiegskampf bis zum Schluss

Wie die anderen Aufsteiger auch zeigte Walferdingen eine gute erste Saisonhälfte, musste aber über das gesamte Fußballjahr Rückschläge hinnehmen, die wohl auch einer gewissen Unerfahrenheit geschuldet waren. Die technische versierte Mannschaft wurde oft unter Wert geschlagen, wodurch der vorzeitige Klassenerhalt nicht möglich war. Man musste bis ganz zum Schluss warten, ehe man Gewissheit hatte, dass man mit nur vier Toren Vorsprung sicher in der Liga war. Der punktgleiche Nachbar Lorentzweiler hatte das Nachsehen. Mit einer geschlossenen Truppe ausgestattet hatte man durchaus das Niveau, in der Ehrenpromotion zu bestehen. Nur einen Sieg mehr, und man wäre in dieser völlig unberechenbaren Spielklasse Neunter geworden! So musste man in die Relegation, in der man gegen Luxembourg City den Kürzeren zog und nach nur einem Jahr in die 1.Division zurückkehren musste.

Eine sehr schwierige Spielzeit erlebten die Yellow Boys aus Weiler. Trotz durchaus ansprechendem Kader stürzte man nach einer ordentlichen Hinrunde regelrecht ab. Die eigentlich starke Offensive konnte zusehends von den Gegnern ausgeschaltet werden, so dass das Prunkstück am Ende verblasste. So wurde das Barrage-Spiel gegen Feulen zu einem Spiegelbild der Rückrunde und man muss nach fünf Jahren in die 1.Division zurückkehren.

Direkt erwischt hat es etwas überraschend den CS Grevenmacher, der in der zweiten Saisonhälfte und nach einem frühen Trainerwechsel eine Aufholjagd hinlegte, der etwas zu früh die Luft ausging. Mit nur einem Punkt aus den letzten vier Spielen war die Hypothek zum Schluss zu groß und der einstige Spitzenclub steigt genau wie Medernach ab, das trotz einiger guter Spieler im Kader seine bereits mäßige Hinrunde nicht bestätigen konnte. Nach dem Winter holte man lediglich acht Zähler, was in einer so engen Liga fatal sein sollte.