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Allgemeines

Effiziente und abgezockte Eicheder 5:1 bei Inter Türkspor Kiel

Inters Widerstand kurz vor und nach der Pause gebrochen

von Ismail Yesilyurt · 14.04.2026, 10:46 Uhr · 0 Leser
Mika Meyer (SV Eichede), verfolgt von Denzel Imasün (Inter Türkspor Kiel) gab mit seinem Doppelpack dem Eicheder SV den notwendigen Schub für einen Erfolg.
Mika Meyer (SV Eichede), verfolgt von Denzel Imasün (Inter Türkspor Kiel) gab mit seinem Doppelpack dem Eicheder SV den notwendigen Schub für einen Erfolg. – Foto: Ismail Yesilyurt

In der Oberliga Schleswig-Holstein erlebte Inter Türkspor Kiel einen harten Nachmittag. Gegen das Spitzenteam des SV Eichede hielten die abstiegsgefährdeten Kieler über eine Halbzeit lang glänzend mit, mussten sich am Ende jedoch mit 1:5 (0:2) geschlagen geben. Ein Ergebnis, das nach einer couragierten Leistung der Gastgeber deutlich zu hoch ausfiel.

Auf dem Kunstrasenplatz am Hans-Mohr-Platz entwickelte sich im ersten Spielabschnitt ein Spiel, das die Tabellensituation phasenweise Lügen strafte. Während Eichede als Favorit anreiste, kämpfte Inter um jeden Zentimeter Boden, um einen dringend benötigten Bonuspunkt im Abstiegskampf zu ergattern.

Ein Blitztor und die Kieler Antwort

Die Partie begann für die Gastgeber denkbar unglücklich. Ein folgenschwerer Fehlpass vor dem eigenen Strafraum lud Mika Meyer ein, der vor der Strafraumgrenze Maß nahm und sehenswert zur frühen Eicheder Führung (13.) traf. Doch wer dachte, der SVE würde nun das Spiel dominieren, sah sich getäuscht. Paradoxerweise tat der aufgrund der SVE-Dominanz verdiente 1:0-Treffer dem Spiel der Gäste nicht gut; sie wurden passiv und ließen große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen.

Jens Wollesen (SV Eichede) schirmt den Ball gegen Moritz Haye (Inter Türkspor Kiel) ab.
Jens Wollesen (SV Eichede) schirmt den Ball gegen Moritz Haye (Inter Türkspor Kiel) ab. – Foto: Ismail Yesilyurt

„Ich glaube, so nach zehn Minuten hatten wir ein bisschen die Kontrolle verloren, weil wir nicht gut angelaufen sind“, analysierte Eichede-Trainer Paul Kujawski, der aus diesem Grund seinen Stürmer Jens Wollesen aus diesem Grund noch vor der Pause aus dem Spiel nahm, nach dem Abpfiff kritisch. „Ich finde, Kiel war giftig, genau so wie du sein musst in dieser Situation. Sie haben uns gut laufen lassen und wir hatten zu wenig Zugriff.“

Die Schlüsselszene vor der Pause

In der 43. Minute verzweifelten die Fans der Kieler: Inter-Akteur Okan Erkocu eroberte den Ball stark gegen einen Verteidiger und bediente Serkan Yildirimer. Der Kapitän lief im Eins-gegen-eins auf SVE-Keeper Przemyslaw Szymura zu, doch der Schlussmann parierte glänzend. Es war die Riesenchance zum Ausgleich – und sie sollte sich rächen.

Die Riesenchance für Serkan Yildirimer (Inter Türkspor Kiel) zum 1-1. Doch Vladyslaw Shkuropatov (re., SV Eichede) hat wohl noch die Fußspitze dazwischen.
Die Riesenchance für Serkan Yildirimer (Inter Türkspor Kiel) zum 1-1. Doch Vladyslaw Shkuropatov (re., SV Eichede) hat wohl noch die Fußspitze dazwischen. – Foto: Ismail Yesilyurt

Nur drei Minuten später, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, schlug Eichede eiskalt zu. Nach einem schnellen Umschaltspiel brachte Leon Tonder den Ball von links quer, und Mika Meyer frei vor Lüdtke schnürte per Doppelpack das 0:2 (45.+1). Kujawski gab ehrlich zu: „Das war natürlich schon ziemlich fies. Ich würde nicht sagen, dass das 2:0 verdient war.“

„Stecker gezogen“ nach dem Doppelschlag

Nach dem Seitenwechsel war der psychologische Vorteil endgültig auf Seiten der Gäste. Mit der Souveränität eines Spitzenteams kontrollierte Eichede nun das Geschehen. Ein Doppelschlag durch Lasse Berger (57.) und Silas Meyer (59.) zum 0:4 sorgte für die endgültige Entscheidung. „Ich glaube, dass dann der Stecker beim 3:0 schon gezogen war“, befand Kujawski.

Tamo Clausen erhöhte in der 69. Minute gar auf 0:5, ehe Justin Petersen per Handelfmeter (81.) zumindest noch der Ehrentreffer gelang. Trotz der deutlichen Niederlage durfte Trainer Karim Youssef auf die Leistung des ersten Durchgangs stolz sein, auch wenn das Endergebnis deprimierend wirkte.

Qualität macht den Unterschied

Trotz der fünf Gegentore wollte Youssef den Stab nicht über seiner Mannschaft brechen. Im Gegenteil: Er sah Phasen, in denen sein Team dem Tabellenzweiten spielerisch die Stirn bot. „Ich bin nicht unzufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Überhaupt nicht“, betonte er. Man habe gesehen, dass man gegenhalten könne, doch in den entscheidenden Zonen des Spielfelds zeigten sich die Qualitätsunterschiede. „Es fehlt ein bisschen die Qualität vorne, diese Durchschlagskraft, um selbst Tore zu machen – und hinten, um sie zu verhindern.“

Evgenij Bieche (SV Eichede), der nächste Saison nicht mehr beim SVE aktiv ist, gegen Denzel Imasün (re.) und Till Börner (Inter Türkspor Kiel).
Evgenij Bieche (SV Eichede), der nächste Saison nicht mehr beim SVE aktiv ist, gegen Denzel Imasün (re.) und Till Börner (Inter Türkspor Kiel). – Foto: Ismail Yesilyurt

Am Ende blieb dem Kieler Trainer nur die Gratulation an den Gegner. Der SV Eichede bewies eindrucksvoll, warum er zur Elite der Oberliga gehört. Während Inter Türkspor für jeden Zentimeter Boden hart arbeiten musste, nutzten die Gäste kleinste Unachtsamkeiten klinisch aus.

Eichede abgezockt

„Gegen eine so abgezockte Mannschaft wie Eichede, die aus einem kleinen Fehler ein Tor macht – das zeichnet solche Teams aus“, bilanzierte Youssef treffend. Das Fazit des Trainers fiel so ehrlich wie deprimierend aus: „Deswegen stehen sie auch immer ganz oben und wir ganz unten.“ Für Inter Türkspor gilt es nun, die defensiven Wunden zu lecken und die spielerischen Ansätze in den kommenden Wochen in dringend benötigte Punkte umzumünzen.

Youssef plagen defensive Ausfälle

Die Ausfälle in der letzten Abwehrreihe könnten ein großes Hindernis für einen erfolgreichen Abstiegskampf werden. Gegen den SV Eiche de fielen die Gegentore zu einfach. Sicher ist, nicht alle Mannschaften haben die Klasse der Eichede, solche Defizite so zu verwerten. Pascal Polonski als einer der großen Säulen, wird nicht mehr zum Einsatz kommen. Der Abwehrspieler zog sich bei seinem Torjubel beim 3:2-Sieg gegen den Oldenburger SV eine Kreuzbandverletzung zu. Mit Moritz Haye, der in der 53. Minute ausgewechselt werden musste, verletzte sich ein weiterer Leistungsträger.

Moritz Haye (Inter Türkspor Kiel) musste verletzt raus nach der Halbzeit.
Moritz Haye (Inter Türkspor Kiel) musste verletzt raus nach der Halbzeit. – Foto: Ismail Yesilyurt

„Wir hatten von Anfang an Probleme, Polanski zu ersetzen“, erklärte Youssef nach der Partie sichtlich bedrückt. Das Ergebnis war ein ungewohnt holpriger Spielaufbau von hinten, der prompt zum frühen Rückstand führte. Als zur zweiten Halbzeit auch noch haye verletzungsbedingt passen musste, brach das defensive Gefüge endgültig auseinander. Youssef musste Mittelfeldspieler in die Abwehrzentrale beordern, die in dieser Konstellation noch nie zusammengespielt hatten. „Da hat viel die Ordnung gefehlt“, analysierte der Coach die Entstehung der Gegentreffer.

Kujawski blickt entspannt in die Zukunft

Für Paul Kujawski, der Eichede am Saisonende verlässt, war der Sieg ein weiterer Schritt in einer erfolgreichen Spielzeit. Angesprochen auf seine Zukunft nach über 25 Jahren durchgehender Trainertätigkeit, zeigte sich der Coach gelassen: „Ich lasse es auf mich zukommen. Mein Herz schlägt für Fußball, ich hab Bock, Trainer zu sein, aber mir tut auch eine Pause gut. Ich bin da sehr entspannt.“

Fazit: Während Eichede seine Klasse untermauerte, bleibt für Inter Türkspor die Erkenntnis, dass man auch mit den Großen der Liga mithalten kann mit kompletter Ausstattung.

Stimmen zum Spiel

Paul Kujawski (Trainer SV Eichede)
Karim Youssef (Trainer Inter Türkspor Kiel)