
In der Meisterschaft 28 Siege und zwei Remis. Im Kreispokal auf dem Weg ins Endspiel mit den Sportfreunden Uevekoven (3:0) und Germania Teveren (2:1 n. V.) zwei Landesligisten eliminiert: Mit dieser Bilanz trat A-Liga-Meister Dynamo Erkelenz als Gastgeber des Endspiels vor der prächtigen Kulisse von rund 800 Zuschauern im Willy-Stein-Stadion gegen den nächsten Landesligisten Union Schafhausen an.
Über 90 Minuten sollte dann ein Klassenunterschied erkennbar sein – nur umgekehrt: Denn der auch in der nächsten Saison noch eine Klasse höher spielende Gast hatte nicht den Hauch einer Chance. Trotz der Vorbereitung auf der Partyinsel Mallorca siegten die Dynamos 4:0 und feierten damit einen spektakulären Abschluss einer ohnehin beispiellosen Saison.
„Wir haben heute eine perfekte Saison gekrönt. Wir waren über 90 Minuten besser, hatten mehr Ballbesitz, haben nichts zugelassen. Wir haben Geschichte geschrieben“, sprudelte es begeistert aus Dynamos Coach Hüseyin Bozkurt heraus. „Doublesieger, Doublesieger, hey, hey“, stimmten die Erkelenzer so auch begeistert schon vor der Siegerehrung an.
Schafhausens Coach Jörg Halfenberg unternahm erst gar nicht den Versuch, irgendetwas zu beschönigen: „Das war eine grottige Leistung von uns, wir haben kollektiv versagt. Wir haben ja kaum einen Pass an den Mann gebracht, sind auch überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das war alles als ein würdiger Abschied aus der Saison.“ Dass rund ein halbes Dutzend Spieler fehlten, wollte er nicht als Entschuldigung gelten lassen: „Mit der Problematik hatten wir ja schon die gesamte Rückrunde zu tun.“
In die Karten spielte den Dynamos natürlich ihr früher Doppelschlag – gleich die ersten beiden Chancen nutzten sie zu zwei Toren. Nach öffnendem Pass von Viktor Bauer legte Marios Akrivos für Thomas Schmidt auf – der Torjäger vom Dienst traf mit einem überlegten Schuss ins lange Eck zum 1:0 (8. Minute). Mit einem nicht gerade unhaltbar scheinenden Schuss aus knapp 20 Metern erhöhte Mittelfeldmotor Armando Nakamura auf 2:0 (14.).
Wer gedacht hätte, dass die Union das erst mal verdauen muss, danach aber die Spielkontrolle übernehmen würde, der sah sich getäuscht. Dynamo hatte weiterhin das Heft fest in der Hand, wirkte trotz der Tage auf „Malle“ sogar spritziger als die Union. „Dabei haben es die Jungs dort wirklich krachen lassen. Etliche sind immer erst morgens um sechs ins Bett gekommen“, merkte schmunzelnd Dynamos Vorsitzender Andy Haas an.
Haas, der den Verein 2014 gegründet hatte, wurde für die Schlussviertelstunde eingewechselt und feierte so im großen Rahmen sein Abschiedsspiel. „Im September werde ich 40 – da sollte man also mal aufhören.“
Zum Zeitpunkt seiner Einwechslung war die Messe aber auch ergebnistechnisch endgültig gelesen, führten die Dynamos schon 4:0. Zunächst köpfte Teveren-Import Tobias Wilhelm einen Freistoß von Kapitän Norman Post wuchtig zum 3:0 ein (56.), dann drückte Akrivos nach einem energischen Solo von Batin Bozkurt dessen Hereingabe zum 4:0 über die Linie – Schafhausens Michael Peschel hatte sich zuvor im Laufduell ganz schön abkochen lassen (68.). Unterm Strich machte Dynamo so aus fünf Chancen vier Tore – das nennt man wohl effektiv. Umgekehrt schoss für Schafhausen Yves Henkens erst in der 74. Minute mal nennenswert aufs Tor.
„Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Mannschaft. Trotz ,Malle‘ haben die Jungs alles auf dem Platz gelassen“, bekräftigte Post – und verriet, wer bei der Aktion Pate stand: „2023 ist Unterhaching in die 3. Liga nach einem dreitägigen ,Trainingslager‘ auf Malle aufgestiegen – das war unser Vorbild.“ In der Tat hatte Hachings damaliger Coach Sandro Wagner den Trip vor den beiden Relegationsspielen gegen Energie Cottbus genehmigt – mit Erfolg: In Cottbus siegte die SpVgg zunächst 2:1, im Rückspiel dann 2:0. Wagner feierte so einen perfekten Abschied aus Haching.
Nach dem Spiel ließen die Dynamos ihren Physiotherapeuten Mounir „Momo“ Maraoub buchstäblich hochleben und warfen den Mann aus Dankbarkeit in die Luft. „Denn ohne ihn wären unsere Beine heute noch schwerer gewesen“, merkte der Kapitän grinsend an. Als Stadionsprecher fungierte überraschend Sotirios Ntiremes vom SC 09 Erkelenz, der zur Feier des Tages auch ein Dynamo-T-Shirt trug. „Ich bin hier heute aber nicht als der SC-09-Soti, sondern als ,The Voice’. Andy Haas hatte mich gefragt, ob ich den Job machen würde. Ich habe ja gesagt“, erklärte Ntiremes.
Beim in der Vergangenheit nicht unbedingt unverkrampften Verhältnis zwischen SC 09 und Dynamo scheint nun also mal ein wenig Tauwetter angesagt zu sein. Dazu passt die Aussage von SC-Geschäftsführer Thomas Wenkert, der das Spiel auch verfolgte: „Dynamo spielt einfach einen schönen Fußball“, sagte er anerkennend. In der nächsten Saison treffen die Vereine in der Bezirksliga dann zum großen Erka-Derby aufeinander. Spannung ist da wohl vorprogrammiert.