
Gerade beim Thema Fußball gibt es nicht viel, bei dem Düsseldorfer neidisch auf die Stadt Essen gucken müssen. Unabhängig davon, dass sich beide Klubs ohnehin schon als große Rivalen ansehen und die Fortuna deutlich besser dasteht als das rot-weiße Pendant aus dem Ruhrgebiet.
Während F95 Jahr um Jahr um einen Bundesliga-Aufstieg kämpft und im vergangenen Jahr denkbar knapp in der Relegation scheiterte, feierte Rot-Weiss Essen vor drei Jahren die Rückkehr in den Profifußball und überwintert in der 3. Liga gerade auf einem Abstiegsplatz. Und doch gibt es einen Punkt, den die Essener der Landeshauptstadt klar voraus haben: ein spektakuläres Hallenevent im Winter.
Über mehrere Wochen finden die Hallenstadtmeisterschaften in Essen statt. Wenn man bis zum Ende dabei ist, nimmt sie einen großen Anteil in der Wintervorbereitung ein. Mit mehreren Vorrundenhallen, einer Zwischenrunde und einem großen Finale in der Halle am Hallo. Wer einen Parkplatz in der Umgebung und möglichst einen bequemen Sitzplatz finden möchte, muss schon sehr früh da sein. Und das, obwohl RWE als großes Zugpferd in den vergangenen Jahren immer nur mit der zweiten oder dritten Mannschaft teilgenommen hat. Aber auch in Mülheim zum Beispiel ist dieses Turnier eines der größten Fußball-Events überhaupt.
Doch woran liegt das, dass es in der Landeshauptstadt nicht möglich ist, ein solches Turnier auszutragen? „Ich persönlich bedaure das sehr“, sagt Düsseldorfs Kreisvorsitzender Bernd Biermann. „Nächste Woche bin ich wieder in Hilden, da ist richtig was los.“ Die Organisatoren des Kreises hatten auch mit Blick auf das Ruhrgebiet, wo in nahezu jeder Stadt eine Stadtmeisterschaft durchgeführt wird, großes Interesse an einer Ausrichtung eines solchen Turniers. Trotz Ausschreibung fand sich jedoch kein Verein, der bereit war, ein solches Turnier auszurichten. Zumal beispielsweise in Hilden auch angeführt wird, dass es ein großes Event mit Blick auf die Kommunikation der Vereine untereinander ist.
Die Gründe, dass es keine Stadtmeisterschaften in Düsseldorf gibt, sind letzten Endes vielschichtig. Das Interesse der Vereine an einer solchen Meisterschaft teilzunehmen, ist gering, vor allem in Bezug auf die Verletzungsgefahr. Unterraths Trainer Deniz Aktag beispielsweise sagt, dass er kein Freund des Hallenfußballs sei: „Wenn ich mit meiner Mannschaft an einer Stadtmeisterschaft teilnehmen müsste, dann würde ich das allenfalls mit einem Mix aus Jugendspielern und Akteuren meines Teams machen. Die Gefahr, dass sich wichtige Stammkräfte verletzen und dann in der Liga nicht zur Verfügung stehen, wäre mir zu groß.“ Kerim Kara, Trainer der TSV Eller 04, äußert sich ähnlich: „Die Verletzungsgefahr ist in meinen Augen viel zu groß. Zudem habe ich gelesen, dass es in anderen Kreisen bei derartigen Turnieren zuletzt zu Ausschreitungen kam. So etwas muss und will ich nicht haben. Die kurze Winterpause würde ich daher auch nicht mit einer Teilnahme an einer Stadtmeisterschaft verplanen.“ Aufgrund der eingeführten Futsal-Regeln wurde die Verletzungsgefahr allerdings reduziert. Diese besagen zum Beispiel, dass das Grätschen in Gegnernähe verboten ist. Doch letztendlich haben auch Vorbehalte gegenüber diesen Regeln dafür gesorgt, dass immer weniger Interesse an Hallenturnieren vorhanden ist.
„Letzten Endes ist es aber auch eine Kostenfrage“, weiß Biermann. „Der Ausrichter möchte an einem solchen Turnier natürlich auch etwas verdienen.“ Vor zehn bis 15 Jahren seien die Hallen mit Zuschauern vollgewesen, mit dem dazugehörigen Catering wurde Umsatz gemacht und Geld in die Vereinskassen gespült. Das wäre mittlerweile nicht mehr so. Biermann: „Wir haben es versucht, das auf die Beine zu stellen über einige Jahre. Aber das Interesse ist immer weiter gesunken.“ 2024 gab es letztmals eine Stadtmeisterschaft, aber auch nur für die Frauen.
Überhaupt gibt es in Düsseldorf kaum noch Vereine, die Hallenturniere ausrichten, selbst in der Jugenden. So wird Düsseldorf auch in Zukunft ein blinder Fleck bleiben, zumindest was Hallenturniere angeht.