
Schon in der vergangenen Woche wusste der FSV SW Neunkirchen-Seelscheid zu überzeugen, als der amtierende Landesliga-Meister ein erfolgreiches Heimdebüt gegen die SpVg Frechen 20 feierte und den Kontrahenten mit 3:1 bezwang. Beim Siegburger SV 04 erntet der Neuling schlussendlich zwar keine drei Punkte, die Punkteteilung beim Titelanwärter kann - ob der klaren Rollenverteilung vorab - jedoch allemal als Erfolg verbucht werden. Insbesondere deshalb, weil der Underdog bereits im ersten Spielabschnitt in Unterzahl geriet. So sieht es aus FSW-Sportleiter Jan-Henrik Heinen, der seiner Mannschaft nach Abpfiff ein „Riesen-Lob“ ausspricht, während Siegburg-Coach Alexander Otto trotz der „positiven Mentalität“ seiner Jungs mit dem Endresultat hadert.
Während der FSV SW Neunkirchen-Seelscheid - nach dem 3:1-Erfolg über Frechen in der Vorwoche - mit breiter Brust nach Siegburg fahren konnte, sahen sich die Hausherren nach der überraschenden 2:5-Pleite gegen Neunkirchen-Mitaufsteiger TuS Chlodwig Zülpich 1896 in der Pflicht. Schließlich hatten die 04er auch zu dieser Spielzeit wieder das Ziel ausgerufen, ganz oben mitzumischen. Doch auch gegen Neunkirchen sah sich die Elf von Alexander Otto früh mit Problemen konfrontiert, obwohl die Hausherren zu Beginn erwartungsgemäß angriffslustig in die Begegnung. Bereits in der zweiten Spielminute kamen die Blues zur ersten Großchance, die Neunkirchen-Schlussmann Simon Stokowy jedoch eindrucksvoll zunichte machte. Knappe fünf Minuten später setzte Tariq-Emad Suleiman den Ball nur knapp über den Querbalken.
Wenig später bekam der Gastgeber dann zunächst einen Strafstoß zugesprochen, den der Linienrichter jedoch umgehend in Absprache mit dem Unparteiischen Jan Lübberstedt revidierte. Weitere fünf Minuten darauf blieb der Elfmeterpfiff des Hauptschiedsrichters jedoch bestehen. Diesmal zeigte Lübberstedt im Siegburger Sechzehner auf den Punkt, nachdem ein 04-Verteidiger den Ball an die Hand bekam. Der fälligen Strafstoß verwandelte Tim Dreilich daraufhin zur bis dato schmeichelhaften Gästeführung (23.). Mit der Führung in der Hinterhand spielte der vermeintliche Außenseiter folglich wesentlich selbstbewusster auf, bis sich Neunkirchen kurz vor der Pause selbst schwächte: Ausgerechnet Kapitän Jona Reinke Ehses wurde per Ampelkarte des Feldes verwiesen. Dennoch brachte der FSV den knappen Vorsprung wenig später in die Halbzeitpause, musste fortan aber in Unterzahl agieren.
Doch diese schien den Gästen herzlich wenig auszumachen. Ganz im Gegenteil: Auch mit einem Mann weniger stemmte sich der Aufsteiger gegen die nun immer drückender agierende Siegburger Offensive, und schockte den Kontrahenten zehn Minuten nach dem Wiederbeginn sogar ein zweites Mal. Nach einem Befreiungsschlag landete der Ball vor den Füßen von Tim Lorbach, der sicher zum 2:0 für Neunkirchen-Seelscheid einschob (55.). Während Siegburg das Spiel machte, erzielte Neunkirchen die Tore. Folglich wurde die Partie zunehmend hektisch. Weil die Neunkirchener Gäste fortan mehr denn je an den zuvor nicht für möglich gehaltenen Auswärtsdreier glauben, spitzt sich die Lage der 04er von Minute zu Minute zu, was schlussendlich in einem weiteren Schlüsselmoment mündete:
In Folge einer Notbremse nach einem Neunkirchener Konter flog auch Siegburg-Spielführer Leo Camara nach einer Stunde Spielzeit vom Feld, weshalb fortan wieder in Gleichzahl gespielt wurde. Ein weiterer dicker Rückschlag für den favorisierten Gastgeber, der jedoch längst nicht aufsteckte. Auch ohne den Kapitän auf dem Feld drückte der Siegburger SV weiter auf den ersehnten Anschlusstreffer, und belohnte sich eine Viertelstunde vor Schluss: Kelana Mahessa verkürzte nach Vorarbeit von Ju-yong Jo auf 1:2. Anschließend entwickelte sich eine umkämpfte Schlussphase, in der die Hausherren auf den Ausgleich drängten, während sich die Gäste mit aller Kraft dagegenstemmten. Das ging auch lange Zeit gut, ehe tief in der Nachspielzeit FSV-Akteur Matteo Gödtner aufgrund eines wiederholten Foulspiels vom Platz gestellt wurde. Erneut in Unterzahl agierend versuchte der FSV die Schlussminuten zu überstehen, musste sich jedoch mit der letzten Aktion geschlagen geben: Enno Lang verwertete eine Hereingabe von 1:2-Torschütze Mahessa zum vielumjubelten Ausgleich für Siegburg, der zugleich den Endstand besiegelte.
So geht der SVS schlussendlich doch noch irgendwie als der gefühlte Sieger vom Platz, obwohl eigentlich drei Punkte auf der Zielvorgabe standen. Aus diesem Grund zeigt sich 04-Coach Otto im Nachgang zwiegespalten: „Unser klares Ziel war es, dieses Spiel zu gewinnen und die drei Punkte mitzunehmen. Das haben wir nicht geschafft, uns deshalb können wir mit dem Ergebnis auch nicht zufrieden sein“, hebt der 42-jährige Übungsleiter einerseits hervor, weiß aber zugleich: „Gleichzeitig muss man der Mannschaft zugutehalten, wie sie nach dem 0:2-Rückstand reagiert hat. Wir haben Moral gezeigt, uns zurück ins Spiel gearbeitet und bis zum Ende daran geglaubt, noch etwas mitzunehmen. Diese Mentalität ist positiv, aber unser Anspruch bleibt, solche Spiele am Ende auch zu gewinnen“, so Otto. Durch das Remis auf heimischem Terrain nehmen die Blues mit nun vier eroberten Zählern den neunten Tabellenplatz ein und bleiben hinter ihren Erwartungen zurück.
Konträr dazu fällt die Gemengelage derweil auf der Gegenseite aus: Nach dem 3:1-Erfolg gegen Frechen beim Heimdebüt in der Vorwoche überzeugt der Neuling auch bei Titelanwärter Siegburg, und heimst schlussendlich einen Zähler ein. Auch wenn der Spielverlauf auch durchaus mehr hätte hergeben können, zeigt sich Sportleiter Jan-Henrik Heinen schlussendlich stolz über die Leistung seines Teams: „Ich möchte der Mannschaft und dem Trainerteam ein Riesen-Lob aussprechen. Wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass wir bei einem Top-Team wie Siegburg etwas Zählbares mitnehmen, hätte ich das sofort unterschrieben. Wie die Jungs performt haben, war große Klasse“, lobt der 33-Jährige den Auftritt seiner Mannen in höchsten Tönen. So kann der FSV nun mit breiter Brust in sein zweites Saison-Heimspiel gegen Mitaufsteiger SC Borussia Lindenthal-Hohenlind gehen, der seinerseits TuS Zülpich mit 5:0 abfertigen konnte. Siegburg gastiert derweil in Frechen.