
Johannes Schneider und Marc Agyemang erleben ihre wohl verrückteste Fußballsaison. Mit dem TSV Jahn Büsnau gewinnen sie Meisterschaft und Bezirkspokal, mit dem FC Suebia Rottweil zudem den AH-Pokal. Drei Titel, zwei Vereine, unzählige Geschichten – und das mit fast 40 Jahren.
Das Double mit Büsnau: Brutal und historisch
Für Johannes Schneider ist der Gewinn von Meisterschaft und Pokal mit dem TSV Jahn Büsnau der emotionale Höhepunkt einer außergewöhnlichen Saison. „Ich bin ja mit 40 Jahren nun nicht mehr der Jüngste und eigentlich schon mega dankbar, dass ich überhaupt noch aktiv kicken kann. Dann noch das Double mit dem TSV Jahn Büsnau inkl. Bezirkspokal zu gewinnen, war schon etwas ganz Besonderes.“ Besonders hebt er hervor, dass das Pokalfinale für einen Kreisligisten ohnehin schwer genug zu erreichen sei – und dann auch noch als Meister aufzusteigen, sei schlicht „eine brutale Sache“.
Was diese Erfolge zusätzlich bemerkenswert macht, ist der historische Kontext: „Büsnau ist ein ganz kleiner, fast dörflicher Stadtteil in Stuttgart. Der Verein hat noch nie in der Bezirksliga gespielt und noch nie den Pokal geholt. Wir haben beides in einer Saison geschafft. Mega!“
Der AH-Pokal mit alten Freunden
Neben den Erfolgen mit Büsnau ist für Schneider auch der Titel mit der Ü32 von Suebia Rottweil besonders – wenn auch sportlich nicht sein größter Anteil. „Der Gewinn des AH-Pokals mit dem FC Suebia und vielen alten Freunden war ebenfalls super, wobei mein sportlicher Anteil da wirklich minimal war. Aufgrund vieler englischer Wochen mit Büsnau kam ich in der AH dann 'nur' im Finale zum Einsatz.“ Dennoch: „Weil ich mit dem FC Suebia aber schon so viel erlebt habe, werde ich auch diesen Titel nie vergessen.“
Ein Spiel, das alles veränderte
Emotionaler Höhepunkt für Schneider war das Pokalviertelfinale in Büsnau. „Wir haben super gespielt und früh 3:0 geführt. Unser Gegner Stuttgart-West kam aber irgendwie zurück und schaffte in der allerletzten Sekunde den 3:3-Ausgleich.“ Schneider war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselt und musste das Elfmeterschießen von außen mit ansehen. Dort wuchs Keeper Hannan Ullah über sich hinaus: „Er hat drei der ersten vier Elfmeter gehalten, wir haben alles getroffen und somit das Ding nochmal gedreht. Da sind wir dann im positiven Sinne alle eskaliert.“ Für Schneider war das der Wendepunkt der Saison: „Danach war mir dann auch irgendwie klar, dass wir als Mannschaft jetzt alles schaffen können.“
Ein Heim in Stuttgart, zwei Vereine im Herzen
Schneider betont: „Ich lebe seit über zehn Jahren in Stuttgart und seit vier Jahren im Stadtteil Büsnau. Da es zeitlich immer schwieriger wurde, es rechtzeitig ins Training zu Suebia nach Rottweil zu schaffen, hatte ich vor etwa zwei Jahren beim TSV Jahn Büsnau angefragt, ob ich mittrainieren kann.“ Von Anfang an sei er hervorragend aufgenommen worden. Eine Rolle spielte auch die Familie: „Im Verein selbst waren wir schon aktiv, weil meine Töchter ebenfalls in Büsnau Fußball spielen und turnen.“ Über viele Jahre war er dennoch regelmäßig mit 3 bis 4 Mitspielern von Stuttgart aus nach Rottweil ins Training gefahren – „da waren wir echt gut organisiert“.
Zurück auf den Platz durch Freundschaft
Eigentlich hatte Schneider mit Anfang 30 schon mit dem aktiven Fußball abgeschlossen. „Ich wollte es nochmal mit meiner eigentlichen Hauptsportart, der Leichtathletik, probieren.“ Doch das klappte verletzungsbedingt nicht wie erhofft. Ein Freund aus alten Zeiten, Fabio Wagner – Mitgründer, 1. Vorstand und Spieler des FC Suebia – überzeugte ihn schließlich: „Er hatte gefragt, ob ich nicht nochmal anfangen will. Im ersten Jahr habe ich glaube ich noch abgesagt und bei der zweiten Anfrage dann zugesagt.“
Zwischen Pokaljubel und Krisenbewältigung
Vor der Saison war man in Büsnau durchaus ambitioniert: „In Büsnau war das Ziel, Meister zu werden, schon da. Aber es gab zu Saisonbeginn echt viele Veränderungen in unserem Kader und wir mussten uns erstmal finden. Andere Teams waren da eher favorisiert.“ Dass dann auch noch zwei Pokalsiege dazukamen, habe er „nie gedacht“. Entscheidend war aus seiner Sicht der Teamgeist: „Auch wenn wir super Einzelspieler haben, die Titel haben wir nur geholt, weil wir auch als Team funktioniert haben.“

Meisterschaft mit besonderer Bedeutung
Obwohl er noch nie zuvor Pokalsieger war, ist für Schneider die Meisterschaft der wichtigste Titel. „Für die Zukunft und Weiterentwicklung des Vereins war es echt wichtig, jetzt aufzusteigen.“ Die Saison sei durchzogen gewesen von Rückschlägen: „Ich kann schon gar nicht mehr aufzählen, wie oft wir Spiele nach Rückständen spät gedreht haben.“ Ein Spitzenspiel musste wiederholt werden, die Tabellenführung ging zwischenzeitlich verloren. „Wir haben uns dann aber immer wieder zurückgebissen, und das war echt was Besonderes für mich.“
Oldies mit Ehrgeiz und Niveau
Den Unterschied zwischen dem AH-Bereich und dem aktiven Ligabetrieb sieht Schneider als gering an: „Ich finde den Niveauabfall in der AH gar nicht so groß, die Motivation und der Ehrgeiz ist bei den Oldies ebenfalls voll da.“ Das größte Defizit liege im fehlenden gemeinsamen Training – das müsse man dann im Spiel mit Erfahrung wettmachen.
Keine Pause in Sicht
Ein Karriereende kommt für Schneider derzeit nicht in Frage: „So lange der Körper mitmacht, will ich weiterspielen. Dafür bietet der Amateurfußball einfach zu viele schöne Dinge, die ich weiterhin genießen will.“ Konkret bedeutet das: Bezirksliga mit Büsnau, AH mit dem FC Suebia – inklusive Titelverteidigung im Pokal.
Dreifachrolle: Marc Agyemang im Ausnahmezustand
Für Marc Agyemang, 37, war die Saison ebenfalls einzigartig. „Das war so ursprünglich nicht geplant“, sagt er rückblickend. Eigentlich wollte er nur die Hinrunde beim TSV Büsnau absolvieren. Der Umzug zurück nach Rottweil stand bereits fest. Doch nach der erfolgreichen Hinserie entschloss er sich, über ein Zweitspielrecht weiter für Büsnau spielberechtigt zu bleiben. Gleichzeitig trainierte er beim BSV 07 Schwenningen – einem Verein, zu dem er freundschaftliche Kontakte pflegte.
Pendeln, Planung, Pokal
Agyemang beschreibt die Belastung als hoch: „Die größte Herausforderung war definitiv, Familie, Beruf und zwei Vereine unter einen Hut zu bekommen.“ Zwar trainierte er unter der Woche meist in Schwenningen, die meisten Spiele bestritt er aber weiter für Büsnau. Zwei- bis dreimal stand er sogar für beide Teams an einem Wochenende im Kader. „Das war körperlich und organisatorisch allerdings sehr grenzwertig.“
Fußball auf verschiedenen Ebenen
In Schwenningen sei das Niveau spürbar höher gewesen: „Das Tempo, die Intensität und auch die Qualität sind beim BSV 07 Schwenningen deutlich höher.“ Einige Spieler hätten Oberliga- oder gar Regionalliga-Erfahrung – das habe ihm persönlich neue Impulse gegeben.
Erfahrungen aus Seedorf und neue Perspektiven
Beim SV Seedorf war Agyemang zuvor Spielertrainer – eine intensive Zeit mit schwierigen Momenten. Heute sagt er: „Ich habe es dieses Jahr genossen, einfach nur Spieler zu sein.“ Dass er vergangenes Jahr die B-Lizenz abgeschlossen hat, soll kein Zufall bleiben: „Es ist mein klares Ziel, kurzfristig wieder eine Mannschaft als Trainer zu übernehmen.“
Abschied von der Dreifachrolle
Künftig will sich Agyemang auf zwei Mannschaften konzentrieren: „Mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg beim TSV Büsnau ist das Kapitel für mich rund abgeschlossen.“ Sein Fokus liegt jetzt auf dem BSV 07 Schwenningen und der AH von Suebia Rottweil: „Dort wollen wir unter anderem den Ü32-Bezirkspokal verteidigen – das ist auf jeden Fall ein Ziel.“
Ein Spiel als Sinnbild der Saison
Sein persönliches Highlight war das 7:4 gegen Makedonia. „Wir lagen 0:2 zurück, spielten in Unterzahl – und haben das Spiel trotzdem gedreht.“ In dieser Phase hatte Büsnau die Tabellenführung verloren – und holte sie sich mit diesem Sieg zurück. „Dieses Spiel hat für mich alles verkörpert, was diese Saison ausgemacht hat: Kampfgeist, Wille, verrückte Ergebnisse und ein tolles Team.“
Freundschaft als Fundament
Was bleibt, ist für Agyemang mehr als der sportliche Erfolg. „Ich habe definitiv mitgenommen, dass man auch mit einer gewissen Lockerheit erfolgreich sein kann.“ Vor allem aber seien es die Freundschaften und gemeinsamen Erinnerungen, die diese Saison so besonders gemacht hätten. „Ein Double gewinnt man nicht einfach so – und auch nicht oft, egal in welcher Liga. Und das Triple mit dem AH-Pokal war am Ende die Kirsche auf der Torte. Das haben noch nicht so viele davor gemacht. Deswegen freu ich mich, dass ich dieses Erlebnis auch mit Jojo Schneider teilen kann – auf unsere alten Fußballtage.“