
Für Lea Egbers und den VfR Warbeyen war der vergangene Sonntag ein durch und durch gebrauchter. Im Auswärtsspiel der Zweiten Fußball-Bundesliga der Frauen kassierte das Team beim Mitaufsteiger VfL Wolfsburg II eine 0:6-Pleite. Die junge Torhüterin hatte dabei einen äußerst kurzen Arbeitstag. In der dritten Minute war Egbers, im verzweifelten Versuch, einen zu kurz geratenen Rückpass zu klären, zu spät gekommen und in ihre Gegenspielerin gerauscht. Für die unverschuldete Notbremse sah sie die Rote Karte. An besseren Tagen hat Egbers bereits unter Beweis stellen können, wie wertvoll sie für das Team von Sandro Scuderi sein kann.
So beispielsweise eine Woche zuvor, im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:1). Gegen ihren Ex-Verein hielt Lea Egbers mit einer starken Parade die Punkteteilung fest – und sicherte dem VfR so einen Zähler, der in der Endabrechnung noch wichtig werden könnte. Auch in den Partien gegen Eintracht Frankfurt II (1:1) und den FC Ingolstadt (2:2) – hier holte der Tabellenletzte seine ersten beiden Zähler – stand sie 90 Minuten auf dem Platz.
Im U-15-Alter war Egbers, die in Mönchengladbach aufgewachsen ist, dem Ruf der Borussia gefolgt. Für das sportliche Aushängeschild der Stadt durchlief sie mehrere Altersklassen. Mit der U 17 gewann sie im vergangenen Jahr die Deutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen. „Nebenbei habe ich auch schon für die deutsche U-16- und U-17-Nationalmannschaft gespielt und ein Zweitspielrecht bei den Jungs vom SC Hardt wahrgenommen“, sagt Egbers.
In der Folge wurde sie im Alter von 16 Jahren bereits in den Kader der ersten Mannschaft geholt. „Leider habe ich mich dann verletzt und war das ganze Jahr lang raus. Währenddessen konnte ich weder für Gladbach noch in der U-17-Nationalmannschaft spielen“, sagt Lea Egbers, die nun beim VfR Warbeyen zu alter Form zurückfinden möchte. Beim Aufsteiger, der in der Defensive erwartungsgemäß Spiel für Spiel vor Herausforderungen gestellt wird, scheinen die Voraussetzungen ideal.
Nach der Länderspielpause am kommenden Wochenende muss der VfR Warbeyen jedoch erst einmal auf seine etatmäßige Keeperin verzichten. Eine Rote Karte, die auf eine Notbremse zurückzuführen ist, zieht in der Regel eine Sperre von mindestens einem Spiel nach sich. Im Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart wird Ersatzkeeperin Ilse van Rheenen wieder im Mittelpunkt stehen.
Die 20-jährige Niederländerin hatte am Sonntag die undankbare Aufgabe, das Unterzahlspiel des VfR Warbeyen zwischen den Pfosten mit auszubaden. Auch in den Auswärtsspielen beim SV Meppen (0:8) und dem VfL Bochum (0:6) hatte van Rheenen, die beim SC Heerenveen Erfahrung in der niederländischen Eredivisie sammeln konnte, einen schweren Stand. Ihr Talent durfte sie bereits für die niederländischen U-Nationalmannschaften unter Beweis stellen.
An dritter Stelle in der mannschaftsinternen Torhüterinnen-Rangfolge steht Cilly Plaßmann. Die 23-jährige Bochumerin hat durch ihren Wechsel zum VfR Warbeyen den mit Abstand größten Sprung in Sachen Klassenzugehörigkeit hingelegt.
Zuletzt war sie mehrere Jahre für den Bochumer Kreisligisten SC Weitmar aktiv. In der Jugend bei SGS Essen hat sie im selben Jahrgang mit Nationaltorhüterin Sophia Winkler, die heute in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt im Tor steht, gespielt.
Mit ihrer Rolle im Warbeyener Torhüterinnen-Trio findet sich Plaßmann gut zurecht. „Die Intensität ist natürlich eine ganz andere. Es ist für mich ein laufender Prozess, mich an die Geschwindigkeit und das Niveau zu gewöhnen. Unser Torwart-Trainer André Barth hat ein tolles Team zusammengestellt, das während der Saison noch mehr zusammenwachsen wird. Das klare Ziel ist natürlich, dass wir zu dritt besser werden“, sagt Cilly Plaßmann. Alle drei Torfrauen haben eine Gemeinsamkeit: Sie ackern, sie schuften, sie geben alles, um ihrem Team zu helfen. Und noch etwas teilen sie: Den Traum vom ersten Sieg in der Zweiten Fußball-Bundesliga mit dem VfR.