Dieter Priglmeir
Dieter Priglmeir – Foto: pir

Drei Ecken, ein Elfer und Arschbolzen: Was bedeutet die Zeitstrafe

Erdinger Sportgeflüster

Wir zücken den Stift und stoppen die Zeit. Wer wird wann die erste Zehn-Minuten-Strafe im Erdinger Amateurfußball bekommen? Mein Tipp: Niemand, zumindest nicht in dieser Woche.

Nicht, weil wir keine heißblütigen und/oder über die Stränge schlagenden Kicker hätten. Viel eher, weil unsere Schiris vorerst eher nicht von dieser Möglichkeit der Bestrafung Gebrauch machen werden. Das hat uns ein hochrangiger Erdinger Funktionär verraten. Sie fühlen sich schlichtweg schlecht informiert. Der Ärger unserer Schiedsrichter, keine brauchbaren Anweisungen bekommen zu haben, was denn jetzt eigentlich zeitstrafenwürdig ist und was nicht, ist entsprechend groß.

Na dann warten wir mal ab, wann der erste böse Bub oder böse Mädel auf der Strafbank sitzt. Und wir sind gespannt, welche Sachen dem Verband noch einfallen könnten. Grüne Karte wie beim Hockey? Nettozeit wie im Eishockey? Oder die quälende Zeitstopperei wie am Ende eines jeden Basketballspiels? Alles viel zu kompliziert – aber das macht ja dem Verband nicht unbedingt etwas aus.

Grundsätzlich wäre es ja gar nicht falsch, den Schiedsrichter mit ein bisserl mehr Macht und Möglichkeiten auszustatten. Mit welchen Kindereien die sich manchmal auf dem Platz auseinandersetzen müssen – oh mei. Da hilft aber selbst das dickste Regelbuch nichts. Hier – und wirklich nur hier – wünscht man sich ein paar Disziplinierungsmaßnahmen der alten Schule. Wer sich daneben benimmt, wird in die Ecke gestellt. Bei Wiederholungstätern gilt „Drei Ecken, ein Elfer“ – um eine alte Bolzregel zu zitieren (natürlich völlig falsch ausgelegt). Hihi, das wäre was, wenn der Referee, also der Spielleiter, mit solchen Kompetenzen ausgestattet werden würde.

Noch ein paar Ideen: Wer bei einem Foulspiel so plärrt, als müsste man ihm mindestens den Fuß amputieren, schreibt bis zur nächsten Woche 100 Mal: „Fußball ist ein Kontaktsport. Nicht jede Berührung ist ein Mord.“

Schwalbenkönige kassieren eine Runde Arschbolzen.

Zeitschinder werden verdonnert, sich bis zum nächsten Spiel täglich in die telefonischen Warteschleifen von Telekom, Sky und der Schadensregulierung einer Versicherung einzuwählen. Oder sie wählen die andere Schleife – und laufen Platzrunden.

Letzter Vorschlag: Mannschaften mit mindestens drei Gelbe Karten wegen Meckerns müssen hinterher kalt duschen. Kommen Sie mir nicht mit Amnesty International. Nein, das ist keine Folter. Das wissen wir spätestens, seit Stadtbaumeister Sebastian Henrich erklärt hat: „Niemand hat Anspruch auf Warmwasser beim duschen.“

Oder wir lassen es einfach bei dem Fußball, über den wir uns gern Woche für Woche aufregen. Und den wir genau deshalb lieben.

Bessere Ideen als die Zeitstrafe

Aufrufe: 05.8.2022, 20:20 Uhr
Dieter PriglmeirAutor