
Während Arnstadt erneut zu den Spitzenteams gehört, befindet sich der FC An der Fahner Höhe mitten in einem Umbruch. Nach Jahren im oberen Tabellendrittel - unterbrochen von drei Oberliga-Jahren - heißt es aktuell, kleinere Brötchen zu backen. Trainer Dimo Raffel setzt verstärkt auf die Entwicklung junger Spieler – ein Weg, der Geduld erfordert, aber perspektivisch Früchte tragen soll...
Zwei Beispiele für diesen Kurs sind Kenny Synold und Innenverteidiger Marvin Weiß. Beide sind noch in der A-Junioren-Verbandsliga aktiv, stehen aber gleichzeitig regelmäßig im Kader der Thüringenliga-Mannschaft. Weiß hat sich dabei bereits bemerkenswert etabliert und kam in dieser Saison schon 14-mal zum Einsatz. Auch Synold stand schon 15 Mal in der höchsten Thüringer Liga auf dem Platz.
Der 19-Jährige beschreibt die Unterschiede zwischen Nachwuchs- und Herrenbereich deutlich: „Der größte Unterschied liegt ganz klar in der Schnelligkeit und der Körperlichkeit des Spiels. Alles geht schneller, die Zweikämpfe sind intensiver. Auch der Teamzusammenhalt ist ein anderer – im Männerbereich ist das Ganze noch einmal enger und verbindlicher. Zudem werden Fehler auf diesem Niveau sofort bestraft, während man sich im Jugendbereich vielleicht noch eher korrigieren kann. Insgesamt ist das Spiel taktisch deutlich strukturierter und anspruchsvoller.“
Auf seiner Position in der Innenverteidigung profitiert Weiß besonders von erfahrenen Nebenleuten wie Artur Machts oder Robert Lischke. Dass er trotz der geringen Rotationsmöglichkeiten auf dieser Schlüsselposition so viel Spielzeit erhält, kam für ihn selbst überraschend: „Ich hätte zu Beginn der Saison nicht gedacht, dass ich so oft zum Einsatz komme. Gerade in der Innenverteidigung wird ja nicht viel rotiert. Umso mehr freue ich mich über das Vertrauen, das ich bekommen habe, um mich zu zeigen. Ich versuche, jede Minute auf dem Platz bestmöglich zu nutzen und möglichst viel Erfahrung mitzunehmen.“
Der eingeschlagene Weg bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Die Doppelbelastung aus Jugend- und Herrenbereich ist ein echter Drahtseilakt – für Spieler und Verantwortliche gleichermaßen. Es gilt, die Talente zu fördern, ohne sie zu überfordern. Weiß schildert die Anforderungen offen: „Die körperliche Belastung ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Mit vier Trainingseinheiten pro Woche und oft zwei Spielen am Wochenende ist das schon sehr intensiv. Der Körper gewöhnt sich zwar relativ schnell daran, aber der Zeitaufwand ist insgesamt enorm. Auch mental ist das eine ganz neue Herausforderung. An einem Tag bin ich Kapitän und übernehme Verantwortung in der A-Jugend, am nächsten Tag bin ich im Herrenbereich einer der Jüngsten. Dieser Rollenwechsel war am Anfang definitiv eine Umstellung.“
Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich aktuell die Entwicklung beim FC An der Fahner Höhe: junge Spieler behutsam aufbauen, ihnen Spielzeit geben, aber gleichzeitig die Belastung steuern und eine funktionierende Mannschaft formen.
Nach der knappen 1:2-Niederlage in der Vorwoche bei der SpVgg Geratal will der FC An der Fahner Höhe zurück in die Spur finden. Zuvor hatte das Team mit drei Siegen aus vier Spielen gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Das Auswärtsspiel in Arnstadt bietet nun die nächste Gelegenheit, genau diese Entwicklung unter Beweis zu stellen – und für Spieler wie Marvin Weiß die Chance, weiter wertvolle Erfahrungen auf hohem Niveau zu sammeln.