
Wenn beim VfL Wolfsburg über Relegation gesprochen wird, kommen die Erinnerungen fast automatisch zurück. An nervenaufreibende Wochen, an Abstiegsangst, an ausverkaufte Stadien und an Mannschaften, die unter maximalem Druck plötzlich ihre Widerstandskraft entdeckten. Bereits 2017 und 2018 mussten die Wölfe den Umweg über die Relegation gehen – und retteten sich jeweils mit allerletzter Kraft in der Bundesliga.
Gerade deshalb besitzt die aktuelle Situation für viele Fans eine besondere emotionale Dimension. Denn schon damals stand der Klub nach schwierigen Spielzeiten mit dem Rücken zur Wand – und bewahrte sich dennoch die Chance auf einen Neuanfang.
2017 geriet der VfL überraschend tief in den Tabellenkeller. Nur zwei Jahre nach dem DFB-Pokalsieg und kurz nach den großen Europapokalabenden gegen Real Madrid kämpften die Grün-Weißen plötzlich ums sportliche Überleben. Trainerwechsel, fehlende Konstanz und eine insgesamt enttäuschende Saison führten dazu, dass erst am letzten Spieltag Klarheit herrschte.
Ausgerechnet beim Hamburger SV kassierte Wolfsburg damals eine bittere Niederlage. Der spätere VfL-Spieler Luca Waldschmidt traf spät zum 2:1 für den HSV und schickte die Niedersachsen damit auf Rang 16 – in die Relegation gegen Eintracht Braunschweig.
Die beiden Duelle mit der Eintracht entwickelten sich zu hoch emotionalen Niedersachsenderbys. In einer aufgeheizten Atmosphäre zeigte der VfL jedoch genau die Mentalität, die im Saisonverlauf häufig gefehlt hatte.
Im Hinspiel sorgte Mario Gomez per Handelfmeter für den entscheidenden Treffer zum 1:0-Erfolg. Im Rückspiel avancierte Vieirinha endgültig zur Symbolfigur des Klassenerhalts, als der Portugiese mit einem spektakulären Distanzschuss in den Winkel den erneuten 1:0-Sieg perfekt machte. Wolfsburg blieb erstklassig – und atmete tief durch.
Doch die Warnsignale wurden nicht dauerhaft gehört. Schon in der darauffolgenden Saison rutschte der VfL erneut in den Abstiegskampf. Wieder wechselte der Verein mehrfach den Trainer, erst Andries Jonker, dann Martin Schmidt und schließlich Bruno Labbadia übernahmen Verantwortung.
Vor dem letzten Spieltag war für Wolfsburg rechnerisch noch vieles möglich – direkter Klassenerhalt, Relegation oder sogar der direkte Abstieg. Mit einem klaren 4:1 gegen den 1. FC Köln sicherten sich die Wölfe immerhin Platz 16 und damit die nächste Chance auf Rettung.
In der Relegation gegen Holstein Kiel wirkte Wolfsburg anschließend deutlich stabiler als ein Jahr zuvor. Die Mannschaft trat abgeklärter auf und nutzte ihre individuelle Qualität konsequent aus.
Beim 3:1-Auswärtssieg im Hinspiel trafen Divock Origi, Josip Brekalo und Yunus Malli. Im Rückspiel machte schließlich Robin Knoche mit seinem Treffer alles klar. Der VfL gewann auch das vierte Relegationsspiel in Folge und hielt erneut die Klasse.
Die beiden Relegationen stehen bis heute sinnbildlich für zwei schwierige Jahre der Vereinsgeschichte. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass der VfL Wolfsburg in kritischen Situationen bereits mehrfach die notwendige Widerstandsfähigkeit entwickelt hat.
Damals folgte auf die Rettung wieder ruhigere Fahrwasser. Genau darauf hoffen die Verantwortlichen und Fans nun erneut: erst die Klasse sichern – und danach die richtigen Lehren aus einer komplizierten Saison ziehen.