Erwin Hahn war vor allem in den 80er und 90er Jahren ein sehr erfolgreicher Übungsleiter
Erwin Hahn war vor allem in den 80er und 90er Jahren ein sehr erfolgreicher Übungsleiter – Foto: Karl-Heinz Hönl

Erwin Hahn: Eine Trainer-Größe des Rottals

Trainer, die man kennt (37): Der Dietfurter führte den SV Landau in die Landesliga und feierte auch bei seinem Heimatverein und beim TSV Massing große Erfolge

Die Corona-Pandemie hat den Spielbetrieb im Amateurfußball aus den Fugen gehoben. FuPa nutzt die spielfreie Zeit, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach der erfolgreichen Portrait-Serie über ehemalige Spielergrößen des niederbayerischen Fußballs nehmen wir nun bekannte Übungsleiter unter die Lupe. Im 35. Teil geht es um den Dietfurter Erwin Hahn (67), der speziell in den 80er und 90er Jahren als Trainer großartige Erfolge feiern konnte.

Schönste Saison Deiner Trainer-Laufbahn?
Auf eine Saison kann ich das unmöglich begrenzen. Ein absoluter Höhepunkt war sicherlich in der Spielzeit 1993/1994 der Aufstieg mit dem SV Landau in die Landesliga. Im Anschluss an dieses wunderbare Jahr habe ich nach einer kurzen Pause unter der Saison in Dietfurt die A-Jugend übernommen. Obwohl das Team schlecht gestartet war und nur einen kleinen Kader hatte, schafften wir am Ende sogar den Aufstieg. Wie die Burschen damals mitgezogen und zusammengehalten haben, war top. Aber auch die Saison 1986/1987, in der wir mit dem TSV Massing über die Relegation den Aufstieg in die Bezirksliga schafften, bleibt immer in positiver Erinnerung.


Welcher Spieler, hat dich in Deiner Zeit als Übungsleiter besonders beeindruckt?
Auf der Torhüterposition waren Manfred Eder und Anton Wohlmannstetter überragend. Bei den Feldspielern waren in Landau Spieler wie Werner Brunner und Konrad Johann sehr stark, aber richtig herausragend war mein jüngerer Bruder Günther. Er hatte grandiose Fähigkeiten und konnte ein Spiel nahezu im Alleingang entscheiden. Trotzdem war er immer ein vorbildlicher Teamplayer, der für die Mannschaft sein letztes Hemd gegeben hätte.


Bei welchem Verein hattest Du Deine schönste Zeit?
Ich hatte einige tolle Vereine und durften auch ein paar Aufstiege feiern. Die schönste Zeit hatte ich dennoch bei meinem Heimatverein, dem DJK-TSV Dietfurt. Mit einem eingeschworenen Haufen konnten wir uns trotz äußerst bescheidener Möglichkeiten in der Bezirksoberliga behaupten und waren Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre die Nummer eins im Landkreis Rottal-Inn. Das war schon eine unvergessene Zeit. Richtig schön war es zum Ende meiner Trainer-Laufbahn beim TSV Neumarkt St.Veit. Ich wusste, dass das meine letzte Station sein wird und habe die vier Jahre dort bei einem sehr familiär geführten Klub genossen.


Mit welchem Abteilungsleiter/Manager hast Du besonders gerne zusammengearbeitet?
Die Zusammenarbeit mit dem leider viel zu früh verstorbenen Hermann Zürner beim DJK-TSV Dietfuert war hervorragend. Er war ein sehr engagierter Funktionär, der den Fußball lebte und einen großen Sachverstand hatte. Mit ihm konnten man sich als Trainer sehr gut austauschen.


Welcher Trainer hat Dich in Deiner aktiven Zeit besonders geprägt?
Ich habe immer versucht, meinen eigenen Weg zu gehen und habe mich nie an einem anderen Trainer orientiert.


Hast Du irgendetwas in Deiner Laufbahn bereut?
Ich hatte in den 90er Jahren eine Einladung bekommen, in Frankfurt den Fußballlehrer zu machen. Von heute auf morgen wurde ich aber wieder von der Teilnehmerliste gestrichen. Für mich war das Thema damit erledigt, vielleicht hätte ich das aber weiter mit Nachdruck verfolgen sollen. Denn das wäre bestimmt eine sehr interessante und besondere Sache gewesen.


Gibt es ein Spiel, das Du nie vergessen wirst?
Ja, allerdings kann ich mich nicht mehr genau an das Jahr und den Gegner erinnern (schmunzelt). Mit dem TSV Neumarkt St. Veit hatten wir ein Relegationsspiel zur Kreisklasse. Wir waren in dieser Partie chancenlos und haben völlig zu Recht verloren. Dennoch feierten uns die Fans so überschwänglich, als wären wir aufgestiegen. Ein unvergessenes Erlebnis!


Früher war im Fußball alles besser - wie denkst Du über diese heutzutage gerne aufgestellte Behauptung?
Das würde ich auf gar keinen Fall sagen, auch wenn der Fußball früher persönlicher und kameradschaftlicher war. Aber schon die Trainer-Ausbildung ist eine ganz andere, der Ball steht im Fokus der Einheiten. Wenn ich zurückdenke, wie wir zu meiner aktiven Zeit trainiert haben, muss ich noch heute ab und zu den Kopf schütteln (lacht). Auch die gesamte Infrastruktur ist gegenüber den 70er oder 80er Jahren um Welten besser geworden.


Welche Art der Mannschaftsführung hast Du favorisiert?
Ich habe immer einen Mittelweg gesucht. Es war mir schon wichtig, auch in die Mannschaft reinzuhören und mir auch hin und wieder Spieler-Meinung einzuholen. Allerdings habe ich immer den Standpunkt vertreten, dass ein Trainer nicht immer über jede Entscheidung mit seinen Spielern diskutieren oder diese begründen muss.


Wie hat Dich ein Spieler auf die Palme bringen können?
Mir war immer wichtig, dass im Training Zug drinnen ist. Wenn ein Spieler nicht Gas gegeben hat, dann hat mich das genervt. Noch schlimmer fand ich aber fadenscheinige Trainingsabsagen.


Gibt es im Profibereich einen Trainer, den Du richtig gut findest?
In der Bundesliga gibt es viele gute Trainer. Aber der Übervater ist derzeit schon Jürgen Klopp, den man seinen Erfolg einfach gönnen muss. Er ist ein sehr authentischer Typ, der das Spiel mit den Medien perfekt beherrscht.


Größte Enttäuschung Deiner Karriere?
Natürlich gab es in den gut 30 Jahren einige Enttäuschungen, die aber irgendwie dazugehören. Ich bin jedoch immer gerne Trainer gewesen, ansonsten hätte ich es auch nicht so lange gemacht. Daher überwiegen bei mir ganz klar die positiven Erinnerungen.


Was hältst Du von dem Trend, dass immer mehr Vereine auf sehr junge Spielertrainer setzen?
Das ist eine Zeiterscheinung, die ich aber gar nicht so schlecht finde. Die jungen Leute gehen die Sachen meist forscher an und denken anders als die älteren Trainer. Die ältere Trainer-Generation setzt immer noch sehr oft darauf, dass hinten die Null stehen muss und das die oberste Priorität ist. Junge Trainer lassen offensiver spielen und mir gefällt das. Grundsätzlich sollte ein Spielertrainer aber schon auch ein paar höherklassige Jahre auf dem Buckel haben und natürlich auch eine Führungspersönlichkeit sein. Ansonsten wird es schwierig.




Zur Person:
Erwin Hahn startete seine Trainer-Laufbahn 1983 beim TSV Oberdietfurt, mit dem er den Aufstieg in die Kreisklasse schafften. Einen Namen machte sich der ehrgeizige Übungsleiter den TSV Massing, den er 1987 in die Bezirksliga führte. Nach dem Hahn seinem Heimatverein, dem DJK-TSV Dietfurt in der Bezirksoberliga betreute, nahm er 1993 eine Anfrage des SV Landau an, mit dem er nur ein Jahr später den Sprung in die Landesliga schaffte. Allerdings verließ der Rottaler die Bergstädter dann wieder und war in den Folgejahren wieder als Nachwuchs- und Herrentrainer beim TSV-DJK Dietfurt aktiv.

In der Spielzeit 2003/2004 coachte Hahn den Bezirksligisten SSV Eggenfelden, ehe nochmal eine Dietfurter Amtsperiode sowie ein vierjähriges Gastspiel in Oberbayern beim TSV Neumarkt St. Veit folgten. Zu Beginn der Spielzeit 2017/2018 sprang der Fußballfachmann nochmal für einige Wochen als Coach in Dietfurt ein.

Aufrufe: 018.7.2020, 11:30 Uhr
Thomas SeidlAutor

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