Günther Hahn war ein herausragender Fußballer
Günther Hahn war ein herausragender Fußballer – Foto: Andreas Santner

Die Rottaler Fußball-Ikone, die Profi-Angebote ablehnte

Portrait-Serie (52): Der Dietfurter Günther Hahn (59) war wohl der beste Spieler, den das Rottal in den vergangenen Jahrzehnten gesehen hat +++ Ein Vertragsangebot des 1. FC Nürnberg ließ der Spielmacher allerdings verstreichen

Das Corona-Virus hat unseren Alltag momentan fest im Griff. Auf unabsehbare Zeit kann kein Fußball gespielt werden, deshalb möchten wir etwas in die Vergangenheit zurückblicken und uns den Typen widmen, die in den letzten Jahrzehnten herausragende Spielerpersönlichkeiten der regionalen Szene waren. Im 52. Teil befassen wir uns mit Günther Hahn (59), der in den 80er und 90er Jahren der vermutlich beste Kicker im Rottal war.
Schönstes Erlebnis deiner Laufbahn....
Highlights meiner Laufbahn waren 1988 der Bezirksoberliga-Aufstieg mit meinem Heimatverein, dem DJK-TSV Dietfurt, sowie meine drei Bayernliga-Jahre beim TSV Ampfing. Die Bayernliga war seinerzeit noch die dritthöchste Liga, in der sich damals Traditionsvereine wie der TSV 1860 München, der FC Augsburg, die SpVgg Unterhaching, der SSV Jahn Regensburg und die SpVgg Bayreuth tummelten.


Bester Kicker, mit dem du in einer Mannschaft zusammen gespielt hast....
Meine beiden älteren Brüder Erwin und Hans. Zwei tolle Fußballer, die mich nicht nur auf dem Spielfeld geprägt haben, sondern auch außerhalb. Ich habe meinen Brüdern sehr viel zu verdanken. Ein überragender Spieler war für mich im Landkreis PAN Klaus Hofbauer, der einen super Libero spielte.


Bei welchem Verein hattest du als Aktiver deine schönste Zeit...
Mit Dietfurt waren wir über viele Jahre die absolute Nummer eins im Rottal. Wir hatten sehr viel Eigengewächse im Team, spielten einen guten Fußball und hatten eine überragende Kameradschaft. Bei den Heimspielen sind Zuschauer aus dem ganzen Landkreis gekommen, um uns spielen zu sehen. Beim TSV Ampfing hatte ich auch drei sensationelle Jahre. Die Bayernliga war sportlich eine überragende Klasse, auch im Verein und der Mannschaft hat alles prima gepasst. Ich hatte als Aktiver wirklich eine sensationell gute Zeit!


Welches fußballerische Vorbild hattest du in deiner Jugendzeit...
Der legendäre Gladbacher Spielmacher Günther Netzer war mein großes Vorbild. Ich hatte sogar ein Poster von ihm in meinem Zimmer hängen.


Was nervt dich am heutigen Fußballgeschäft....
Die Relation zwischen Kommerz, Gehältern und der reellen Qualität stimmt im Profifußball nicht mehr.


Hast du irgendetwas in deiner Laufbahn bereut...
Als junger Spieler absolvierte ich ein Probetraining beim damaligen Erstligisten 1. FC Nürnberg. Ich konnte die Verantwortlichen überzeugen und bekam ein Vertragsangebot, das ich dann jedoch nicht annahm. Mir war das Risiko zu groß, zumal ich in der Heimat einen guten Job hatte. Später gab es auch noch eine Anfrage vom HSV und auch der TSV 1860 München kontaktierte mich ein paar Mal. Heute ärgert es mich, dass ich es nicht im Profibereich probiert habe.



Lieblings-Rückennummer...
10. In der Halle bin ich allerdings immer mit der Rückennummer 2 aufgelaufen.


Gibt es ein Spiel, das du nie vergessen wirst....
Es gab etliche Partien, die besonders waren, zwei davon werde ich nie vergessen. Mit Dietfurt haben wir als B-Klassist den damals vier Ligen höher spielenden Bayernligisten Vilshofen im Pokal sensationell mit 4:3 geschlagen. Mit dem TSV Ampfing hatten wir in der Saison 1982/1983 den TSV 1860 München nach dessen Zwangsabstieg in die Bayernliga zu Gast. Angeblich verfolgten 11.500 Zuschauer das Duell, das wir nach einer starken Leistung mit 4:2 für uns entscheiden konnten. Ich konnte mich dabei einmal in die Torschützenliste eintragen und einen weiteren Treffer vorbereiten.


Bester Trainer, den du hattest....
Ich war selber viele Jahre Trainer und möchte mich bei dieser Frage deshalb auf keinen bestimmten Namen festlegen.


Sinnloseste Regel im Fußball....
Die Handspielauslegung, die in den letzten Jahren eine regelrechte Farce geworden ist.


Größte Enttäuschung deiner Karriere...
Die vielen Verletzungen, die meine Laufbahn leider auch ein Stück weit prägten. Ich hatte zahlreiche Bänderverletzungen am Sprunggelenk und auch einige Muskelverletzungen. Irgendwann ist das sehr an die Substanz gegangen.


Lieblings-Fußballschuh...
Adidas Copa Mundial


Wo hast du auswärts nie gerne gespielt....
Die Spiele im Bayerischen Wald waren immer schwierig. Wir wussten schon im Vorfeld, dass wir auf starke Gegner treffen und es vor allem körperlich voll zur Sache gehen wird. Es waren aber immer faire und ehrliche Kämpfe. Nach dem Spiel waren die Waidler sehr angenehme Zeitgenossen, mit denen man sich super unterhalten konnte.




Zur Person:
Günther Hahn startete seine Laufbahn 1970 beim DJK-TSV Dietfurt, den er bis zu seinem Wechsel 1982 zum Bayernligisten TSV Ampfing die Treue hielt. Bei den Oberbayern kickte der Kreativspieler drei Jahre in der dritthöchsten Spielklasse, ehe er 1985 zu seinem Heimatverein zurückkehrte. Mit Dietfurt schaffte Hahn 1988 die Qualifikation für die seinerzeit neu eingeführte Bezirksoberliga, in der sich die Rottaler etablieren konnte. Nach einer Spielertrainer-Saison (1990/1991) beim SSV Eggenfelden zog es Hahn erneut zu seinem Stammklub zurück. Der Ausnahmefußballer fungierte nun als spielender Chefanweiser, konnte den BOL-Abstieg 1992 jedoch nicht verhindern. Nach einer Bezirksliga-Saison im vorderen Tabellenmittelfeld beendete Günther Hahn 1993 seine aktive Laufbahn und legte auch seinen Übungsleiterposten nieder.

1996 unterstützte das TSV-Denkmal den Verein nochmals als Co-Trainer und half mit, dass die Dietfurt 1997 den nochmaligen Sprung in die Bezirksliga schaffte. 1999 wurde Hahn Coach beim ESV Mitterskirchen, den er drei Jahre betreute. Später fungierte er beim DJK-TSV Dietfurt einige Jahre als Nachwuchstrainer und war von 2005 bis 2008 auch Honorartrainer am DFB-Stützpunkt Pfarrkirchen. Von 2007 bis 2010 war Günther Hahn zudem beim SV Wacker Burghausen beschäftigt und trainiert dort die U16. Zwischen 2010 und 2014 coachte der 59-Jährige den SSV Wurmannsquick, den er nach dem Abstieg 2012 ein Jahr später umgehend in die Kreisliga zurückführte. Seine bislang letzte Trainer-Station hatte Hahn beim FC Simbach bei Landau.



Aufrufe: 013.5.2020, 07:51 Uhr
Thomas SeidlAutor

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