Jung, talentiert - und auch erfolgreich? Die SG Breitenberg/Sonnen um Maximilian Schauberger (grünes Trikot) ist spürbar im Aufwind.
Jung, talentiert - und auch erfolgreich? Die SG Breitenberg/Sonnen um Maximilian Schauberger (grünes Trikot) ist spürbar im Aufwind. – Foto: Robert Geisler

SG Breitenberg/Sonnen: »Wissen, dass wir kritisch gesehen werden«

Tobias Krottenthaler, einer von zwei Abteilungsleitern der SG Breitenberg/Sonnen, spricht über die Ambitionen des Zusammenschlusses und über kritische Stimmen wegen des Konstruktes

Was einst erst überhaupt wegen Personalproblemen aus der Taufe gehoben worden ist, sorgt nun für einen übervollen Kader. Die SG Breitenberg/Sonnen geht in der Spielzeit 2021/22 mit drei Teams an den Start, zwei davon aufstiegsberechtigt, eines in der Reserverunde. Doch der Zusammenschluss aus dem Landkreis Passau hat nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Der Aufstieg in die Kreisklasse ist das erklärte Ziel. Über diese Erwartungshaltung spricht Abteilungsleiter Tobias Krottenthaler im FuPa-Interview genauso wie über kritische Stimmen rund um die Spielgemeinschaft.

Tobias, verspürt Ihr Druck, aufzusteigen?
Wir wollen aufsteigen, dieses Ziel haben wir intern auch klar formuliert. Dass damit ein gewisser Druck verbunden ist, ist klar. Alles andere wäre unglaubwürdige Tiefstapelei.

Wie geht man damit um, in den Augen vieler der absolute Topfavorit zu sein?
Ob wir in den Augen vieler der absolute Topfavorit sind, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass uns eine starke Liga mit zwei Absteigern und weiteren Teams wie Prag oder Fürsteneck, die auch in der Vergangenheit eine starke Rolle spielten, erwartet. Zudem sehe ich auch Mannschaften wie die DJK Holzfreyung oder die SG Kreuzberg mit im Favoritenkreis. Meiner Meinung nach erwartet uns eine ausgeglichene Liga mit vielen engen Partien.

Warum kommt die junge Mannschaft mit dieser Erwartungshaltung klar?
Wir haben neben unseren vielen jungen Talenten auch sehr viele erfahrene Spieler im besten Fußballeralter, die die Jungen führen können und die Situation bereits kennen. Daher liegt die hohe Erwartung nicht nur an den jungen Spielern. Wir haben aktuell eine sehr gute Mischung aus etablierten Spielern und jungen Talenten, die zeigen wollen, dass sie sich bei den Herren durchsetzen können.


Deshalb droht bei einem verpassten Aufstieg keine Abschiedswelle

Droht, sollte der Sprung in die Kreisklasse verpasst werden, der Abschied einiger der großen Talente?
Ich glaube nicht, dass bei einem verpassten Aufstieg eine Abschiedswelle droht. Zum einen wäre der ein oder andere dann bereits in der Vergangenheit gewechselt. Und zum anderen sind unsere Spieler fest bei uns verwurzelt. Ausschließen kann man einen Abgang natürlich nie, aber wir versuchen dies zu verhindern, indem wir selber erfolgreich Fußball spielen.

Nehmen wir das Beispiel Julian Zinnöcker, der die Möglichkeit hatte, zu 1860 München zu wechseln. Wie schafft man es, einen derartigen Klassespieler nicht nur zu halten, sondern auch vom eingeschlagenen Weg zu überzeugen?
Unser größter Trumpf ist und war unser Zusammenhalt. Uns ist die Verbindung zwischen Herren- und Jugendabteilung absolut wichtig. Ein gutes Beispiel dafür ist die letztjährige Meisterfeier der A-Jugend, in der ausnahmslos alle Spieler der Herrenmannschaften eingeladen waren und wir die Meisterschaft gemeinsam gefeiert haben.

Natürlich müssen neben den gesellschaftlichen Aspekten, auch die sportlichen Perspektiven passen. Die vielen jungen Spielern sehen, dass bei uns im Herrenbereich vieles möglich ist und wir ehrgeizige Ziele haben. Hätten wir diese nicht, wäre es sicher sehr schwer gewesen, den ein oder anderen zu überzeugen, im Herrenbereich bei uns weiterzumachen.

Julian ist wie alle andere Jugendspieler sehr ehrgeizig. Ihn alleine zu nennen, wäre aber ungerecht den anderen gegenüber. Natürlich hatte Julian in der Vergangenheit die ein oder andere Anfrage. Dass er diese immer wieder abgelehnt hat, zeigt doch, wie sehr er mit seiner Heimat verbunden ist und macht uns in gewisser Weise auch stolz. Alle A-Jugend-Aufrücker machen bisher einen hervorragenden Eindruck und sind auch menschlich sehr sympathische Burschen.

Die SG Breitenberg/Sonnen ist im Aufwind. Hat - im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen auf Kreisebene - nicht mit Personalsorgen zu kämpfen. Gibt's bei Euch auch Probleme?
Natürlich gibt es bei der Vielzahl an Spielern auch das ein oder andere Problem. Es kommt schon mal vor, dass der ein oder andere unzufrieden ist, wobei sich das aktuell in überschaubaren Rahmen hält. Wichtig ist, dass man immer alles klar kommuniziert.

Bei einer SG allgemein ist es so, dass nicht ein Verein alles entscheiden kann. Natürlich muss man sich immer absprechen, es heißt ja auch Spielgemeinschaft. Es kommt auch mal vor, dass wir nicht einer Meinung sind, wobei das bei meinen Abteilungsleiterkollegen Gerhard Seibold und mir eher selten der Fall. Die Zusammenarbeit zwischen uns beiden funktioniert hervorragend.

Ist die Spielgemeinschaft der Schlüssel des Erfolges. Oder anders gefragt: Ist eine Eigenständigkeit beider Vereine nicht mehr möglich?
In unserem Fall war es die absolut richtige Entscheidung. Eine Eigenständigkeit in der Fußballabteilung ist nicht geplant, da wir bereits im Fußball-Kindergarten bis zu den alten Herren eine Spielgemeinschaft haben und diese auch beide fortführen wollen. Jeder Verein hat zusätzlich noch eigene Sparten und Vereinsaktivitäten durch die eine gewisse Eigenständigkeit gewahrt wird.

Geht durch den Zusammenschluss nicht ein Stückchen der Identität der beiden beteiligten Vereine verloren?
Wir haben bereits zu Beginn der SG im Seniorenbereich klare Regeln ausgearbeitet, die jeden Verein unabhängig von der Anzahl der Spieler ermöglicht, die eigene Identität zu wahren. So wurde z. B. vereinbart, dass jeder der beiden Vereine 50 Prozent der Heimspiele bekommt, egal wie viel Spieler er für die SG stellt. Außerdem wird der Heimspielort nach jedem zweiten Heimspiel gewechselt, was wiederum gewährleistet, dass an jedem Standort regelmäßig Fußball gespielt wird. Einen Identitätsverlust können wir nicht feststellen.

Die Aufgabe von Trainer Jürgen Anetzberger ist klar definiert: Er muss die SG Breitenberg/Sonnen in die Kreisklasse führen.
Die Aufgabe von Trainer Jürgen Anetzberger ist klar definiert: Er muss die SG Breitenberg/Sonnen in die Kreisklasse führen. – Foto: Karl-Heinz Hönl

Kritische stimmen behaupten, eine Spielgemeinschaft mit drei Teams geht am Sinn der Sache vorbei. Was entgegnest Du denjenigen?
Uns ist bewusst, dass eine SG allgemein und noch dazu mit drei Teams kritisch gesehen wird. Aber dass wir jetzt drei Teams stellen können, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass wir eine hervorragende Jugendarbeit haben und auf einen großen Stamm etablierter Spieler zurückgreifen können. Man muss auch sehen, dass Breitenberg und Sonnen zwei kleine Randgemeinden sind. Wir haben zusammen zirka 3.500 Einwohner und nach uns kommt die Landesgrenze von Österreich, d. h. unser Einzugsgebiet ist überschaubar.

Außerdem profitieren wir wie auch die meisten anderen Vereine von der Jugendreform durch die ja bekanntlich zwei Jahrgänge auf einmal in den Seniorenbereich aufgerückt sind. Unabhängig davon, dass wir jetzt drei Mannschaften stellen, haben wir bereits letzte Saison mit dem Gedanken gespielt, unsere Zweite aufstiegsberechtigt zu melden, da wir trotz hoher Trainingsbeteiligung nur sehr wenige Spiele in der damaligen Reserverunde hatten.

Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft...
Ich persönlich glaube, dass wir sehr guten Zeiten entgegengehen. Unsere A- sowie unsere C1-Jugend spielen in dieser Saison in der Bezirksoberliga, was zeigt, dass auch in den folgenden Jahrgängen mit einigen Toptalenten zu rechnen ist. Auf der anderen Seite haben unsere etablierten Spieler noch einige sehr gute Jahre vor sich.

Vielen Dank für das Interview, alles Gute für die Zukunft - und ganz wichtig: Gesund bleiben.

Aufrufe: 021.7.2021, 04:15 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor

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