Wann rollt der Ball mal wieder? Bayerns Amateure hoffen auf Öffnungen ab dem 26. April.
Wann rollt der Ball mal wieder? Bayerns Amateure hoffen auf Öffnungen ab dem 26. April. – Foto: imago

Das Prinzip Hoffnung: Der BFV als Einzelkämpfer in Deutschland

Verband hält trotz Kritik an Fortsetzung der Saison fest

Der Ligapokal ist bereits abgesagt, aber der Bayerische Fußball-Verband hofft noch, wenigstens die Saison beenden zu können. Dafür hat nicht jeder Verständnis.

München – In Bayern gibt man so leicht nicht auf. Der „kicker“ veröffentlichte vor einigen Wochen eine Übersicht über den Stand in den deutschen Fußball-Amateurligen. Es gab nur einen einzigen grünen Fleck auf der Karte – im Süden. Nur der Bayerische Fußballverband (BFV) möchte weiterspielen und die Saison 2019/21 beenden.

Bereits letztes Jahr im April hatte sich der BFV als einziger Landesverband dazu entschlossen, die Saison nicht abzubrechen. In einer Umfrage stimmten 68 Prozent der Vereine für eine Fortsetzung.

Amateurfußball in Bayern: Ligapokal musste bereits gestrichen werden

Und auch ein Jahr später hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Spielzeit sportlich beendet werden kann. Ende März veröffentlichte der BFV einen Vier-Punkte-Plan. „Sollte ab dem 19. April 2021 kein flächendeckender Trainingsbetrieb mit Kontakt in Bayern möglich sein, ist die Durchführung des Ligapokal-Wettbewerbs nicht mehr möglich“, heißt es. Da das bayerische Kabinett in der Sitzung am Mittwoch beschloss Öffnungsschritte bis zum 26. April auszusetzen, wurden die Ligapokale auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene gestrichen.

Die bayerischen Fußballer hoffen nun auf den 3. Mai. Spätestens bis dahin muss ein „uneingeschränkter Trainingsbetrieb“ möglich sein. Ansonsten müsse über einen Abbruch der Verbandsspielrunden nachgedacht werden, der BFV würde vor einer solchen Entscheidung aber ein Meinungsbild der Vereine einholen.

Vier-Punkte-Plan des BFV: Kritische Stimmen nehmen zu

Ein Spielbetrieb wäre laut BFV drei bis vier Wochen nach Trainingsstart möglich, das sei so mit den Verbandsärzten abgesprochen. Das sieht nicht jeder so. „Die Verletzungsgefahr wäre bei einer kurzen Vorbereitungszeit von nur drei Wochen extrem hoch und kaum zu verantworten. Unsere Spieler sind ja keine Profis, die rund um die Uhr sportmedizinisch betreut werden“, sagt etwa Andreas Apold, Trainer beim SC Kirchdorf.

Die kritischen Stimmen gegen den Vier-Punkte-Plan mehren sich. Viele Vereine wünschen sich, dass es – wie in den anderen Verbänden – einen klaren Cut gibt und die Saison jetzt schon abgebrochen wird. Klar ist aber auch: Der BFV wird es nie jedem seiner über 4500 Vereine recht machen können.

BFV-Vizepräsident Schraudner fürchtet bei Abbruchentscheidung klagen

„Was würde denn passieren, wenn wir jetzt die Saison abbrechen und in ein paar Wochen kann doch noch gespielt werden? Dann kämen sicher einige Vereine auf die Idee, gegen die Abbruchentscheidung zu klagen“, sagt Robert Schraudner im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Der Vizepräsident des BFV erklärt: „Wir haben in Bayern eine völlig unterschiedliche Situation, was die restlichen Saisonspiele angeht. So lange die Möglichkeit besteht, Spiele zu absolvieren und Entscheidungen sportlich auf dem Platz herbeizuführen, halten wir daran fest.“ Bis zum 30.6. müsste die Saison 19/21 zu Ende gespielt werden, bei einem Abbruch entscheidet die Quotientenregelung über Aufstieg und Abstieg. Für Schraudner ist das die „fairste Lösung.“

Beim BFV hofft man nun auf Öffnungsschritte ab dem 26. April. „Wichtig wäre es, dass wir die Kinder und Jugendlichen wieder auf den Fußballplatz bekommen. Völlig unabhängig von irgendwelchen Wettwerben“, sagt Schraudner. Schon jetzt würde man merken, dass die Vereine immer weniger Mitglieder haben, da keine jüngeren Mitglieder nachkommen. Der TSV Waldtrudering hat beispielsweise zehn Prozent bei den Mitgliedern verloren. Erdrutschartige Kündigungswellen habe es bislang zwar noch nicht gegeben.

Schraudner rechnet mit „Loch, das die Vreine in den nächsten Jahren mitschleppen werden“

Doch Schraudner ist sich sicher, dass die Kündigungen auf Dauer deutlich ansteigen, sollte der aktuelle Zustand anhalten. Ein Jahr sei das mal verkraftbar. Aber auf Dauer? „Es entsteht ein Loch, das die Vereine in den nächsten Jahren mitschleppen werden. Die Vereine haben aufgrund der fehlenden Einnahmen schon finanzielle Probleme, das kann schnell existenzbedrohend werden.“

(NICO-MARIUS SCHMITZ)

1291 Aufrufe10.4.2021, 14:53 Uhr
Münchner Merkur / Nico-Marius SchmitzAutor

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