Abbruch oder Fortsetzung - die derzeitige Gretchen-Frage des bayerischen Fußballs.
Abbruch oder Fortsetzung - die derzeitige Gretchen-Frage des bayerischen Fußballs. – Foto: Meiki Graff/Montage: Santner

Fortsetzung oder Abbruch? Die Bayernliga Nord legt sich fest

Umfrage unter den 17 Vereinen der Nordstaffel der bayerischen 5. Liga: Die Mehrheit ist eindeutig...

Die Optimisten sagen, dass der Bayerische Fußballverband mit seinem verabschiedeten Vier-Punkte-Plan terminliche Fakten geschaffen hat. Kritiker sehen darin eine weitere, unnötige Verzögerung und somit Verunsicherung der Vereine und Amateurfußballer. Alles in allem reißen die Diskussionen um die Zukunft der Spielzeit 2019/21 nicht ab. Abbruch oder Fortsetzung? FuPa hat dazu die Vereine der Bayernliga Nord befragt...

SC Eltersdorf - Abbruch

Es könnte ganz schnell gehen mit der Rückkehr in die Regionalliga. Das vorzeitige Ende der aktuellen XXL-Saison und der SC Eltersdorf ist nach achtjähriger Abstinenz zurück in der 4. Liga. Doch das ist nicht ausschlaggebend, warum Quecken-Manager Joachim Uhsemann einen Abbruch der Spielzeit favorisiert. Einerseits ist er Sportsmann genug, um eine Entscheidung auf dem Platz zu präferieren. Andererseits hat der das Große und Ganze im Blick, weshalb er betont: "Es muss Planungssicherheit für die nächste Saison herrschen - deshalb: Abbruch."

DJK Vilzing - Fortsetzung

Wird die Saison abgebrochen und nach der Quotientenregel gewertet, müssen die ambitionierten Oberpfälzer, die das Ziel Regionalliga ausgerufen haben, ein weiteres Jahr in der Bayernliga bleiben. Deshalb verwundert es nur wenig, dass sich Sepp Beller, neben Roland Dachauer der Sportliche Leiter bei den Huthgarten-Kicker, klar und deutlich für eine Fortsetzung ausspricht. Im Rahmen eines FuPa-Interviews betonte der 66-Jährige jüngst: "Wir können aus eigener Kraft noch Meister werden, als Vize-Meister über die Relegation den Aufstieg realisieren und über den versprochenen Liga-Pokal würden wir uns auch beste Chancen für einen Regionalliga-Platz ausrechnen. Deshalb sind wir natürlich für eine sportliche Fortführung der Saison 19/21, wie auch immer diese Fortführung aussehen mag."


Vorschlag aus dem Kloster: Playoffs mit potenziellen Viertligisten

SV Seligenporten - Abbruch

"Ich würde die Saison abbrechen" - die Worte von SVS-Trainer Gerd Klaus sind so außergewöhnlich nicht in diesen Tagen. Der fränkische Coach der Oberpfälzer hat für das vorzeitige Ende im Gegensatz dazu eine bisher so noch nicht genannte Idee. Er bringt Playoffs für alle Teams der Bayernliga ins Spiel, die eine Lizenz für die Regionalliga beantragt haben bzw. in Reichweite der Aufstiegsplätze sind. "Zudem soll es bei Abbruch keinen Absteiger geben", schlägt Klaus vor - und geht noch weiter ins Detail: "Sollten dann die Spielklassen zu groß werden, könnte man einfach zwei Nord-Staffeln machen. Dann gäbe es mehr Derbys und der Re-Start wäre noch interessanter."

TSV Großbardorf - Abbruch

Die Grabfeld-Gallier waren in Person von Sportvorstand Andreas Lampert bereits während der ersten Lockdown-Phase vor einem Jahr für einen sofortigen Abbruch der noch laufenden Spielzeit - und sind es auch jetzt noch. Seine Forderung bekräftige der 51-Jährige jüngst noch einmal gegenüber FuPa: "Eine Fußball-Saison gehört nach einer Spielzeit - und das heißt für mich nach einem Spieljahr - beendet. Das ist das gerechteste. Klare Struktur. Klare Aussage. Es war höhere Gewalt. Wertung einziehen. Fertig. Was hat unsere jetzige Mannschaft noch mit der vom Sommer 2019 zu tun?"

Ein Abbruch hätte zur Folge, dass sich Eltersdorf über die Regionalliga-Rückkehr freuen darf.
Ein Abbruch hätte zur Folge, dass sich Eltersdorf über die Regionalliga-Rückkehr freuen darf. – Foto: Simon Tschannerl

DJK Ammerthal - keine Angabe

"Wir geben kein Statement ab", teilt Fußballchef und Interimstrainer Tobias Rösl auf die Frage, ob die Oberpfälzer für einen Abbruch oder eine Fortsetzung der Saison sind, mit.

SpVgg Ansbach - Offen

Die Anfrage von FuPa in diesem Zusammenhang hat bei den Mittelfranken für eine längere interne Diskussion gesorgt. Teammanager Stefan Dehm informiert über das Ergebnis einer entsprechenden virtuellen Konferenz: "Prinzipiell sehen wir es so, dass klar die fairste Lösung es wäre, die Saison auf dem Platz zu beenden. Allerdings wird es aber die Politik und die Inzidenzzahlen entscheiden, ob und wann es weitergehen wird." Da sich die Spielvereinigung im ungefährdeten Tabellenmittelfeld eingenistet hat, "können wir die weitere Entwicklung mit Ruhe und Bedacht weiterverfolgen."

FC Eintracht Bamberg - Abbruch

Zunächst einmal ist man bei den Oberfranken tiefenentspannt. Der Aufsteiger kann auf ein bisher sehr gutes Bayernliga-Comeback zurückblicken - man muss, wie der Sportliche Leiter Sascha Dorsch erklärt, deshalb in der aktuellen Situation tabellarisch weder "nach unten noch nach oben schauen". Obwohl die Domreiter also der Entscheidung, egal in welche Richtung sie geht, ohne größere Emotionen entgegenblicken, ist der ehemalige Regionalligist tendenziell eher für einen Abbruch. Die Gründe: "Wir können uns nicht vorstellen, dass wir im ersten Halbjahr noch mit Zuschauern planen können. Darüber hinaus ist es schon fraglich, wie fair ein Weiterspielen noch zu bewerten ist in einer Saison, die sich nun über zwei Jahre streckt und sich durch zahlreiche Spielerwechsel ohnehin Mannschaften verwässert hat. Zudem würden verschiedene Inzidenzwerte in verschiedenen Regionen gegebenenfalls zu einer Verzerrung der Trainingsmöglichkeiten führen. Und schlussendlich: Sollten wir die Saison fortsetzen, dann würde die Vorbereitungszeit für eine neue Saison 2021/22 wohl darunter leiden", gibt Dorsch zu Protokoll, ehe er zusammenfassend feststellt: "Eher Schicht im Schacht als weiterwursteln."


Jörg Markert ist überzeugt: »Dr. Koch wird die richtige Lösung finden«

Würzburger FV - Offen

Ähnlich wie die Eintracht aus Bamberg befindet sich auch der Würzburger FV im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. Ähnlich wie die Oberfranken argumentieren deshalb auch die Unterfranken. "Grundsätzlich" möchte der WFV, so 1. Vorsitzender Roland Metz, die Runde fortsetzen. Eine sportliche Entscheidung sei allemal besser wie eine am grünen Tisch. "Wir können aber auch mit einem Abbruch leben. Es gibt da bei uns keine klare Richtung."

DJK Gebenbach - Offen

In die Kategorie von Würzburg und Ansbach gehört auch Gebenbach. Der, wenn es irgendjemand vergessen haben sollte, Vizemeister der letzten Spielzeit, also 2018/19, sieht die derzeitige Situation "ziemlich emotionslos", wie der Sportliche Leiter Franz Wittich zugibt. Der Grund dafür: Die Oberpfälzer rangieren in der Tabelle jenseits von Gut und Böse. Außerdem: "Die Politik wird uns diese Entscheidung sowieso abnehmen." Die in der Karwoche veröffentlichen zeitlichen Leitplanken des BFV begrüßt Wittich. Somit ist zumindest etwas Orientierung möglich. Emotionaler wird der Funktionär aber dann doch noch: "Es wäre schon schade, diese Saison nicht zu Ende zu bringen. Wir hätten gerne wieder Punkt- oder Pokalspiele." Aber das Leben ist bekanntlich und gerade in Corona-Zeiten kein Wunschkonzert.

ATSV Erlangen - Abbruch

Vorweg hat Sportchef Jörg Markert ein Lob für BFV-Präsident Dr. Rainer Koch übrig: "Er hat bisher ein gutes Händchen mit der Fortsetzung bewiesen - und wird auch nun die richtige Lösung finden." Der ATSV-Vertreter vertraut also auf die Entscheidungen von oben. "Natürlich verstehe ich auch den Verband, der hier eine ganz andere Einsicht hat und Probleme vermeiden will." Nichtsdestotrotz hat er ebenso eine persönliche Meinung zur aktuellen Gretchenfrage des bayerischen Fußballs. "Ich persönlich bin für einen Abbruch, weil die Saison 19-21 schon so verbraucht ist und es gar keinen Spaß mehr macht, diese zu Ende zu spielen."

Der TSV Abtswind konnte die vergangenen Wochen sogar mit Kontakt trainieren.
Der TSV Abtswind konnte die vergangenen Wochen sogar mit Kontakt trainieren. – Foto: Mario Wiedel

ASV Cham - Abbruch

Beim Aufsteiger aus der Oberpfalz, der ein kleines Polster zu den Relegationsrängen vorweisen kann, gibt es keine zwei Meinungen. "Sofortiger Abbruch der Saison" ist laut Coach Christian Ranzinger die einzige Alternative. "Alles andere ist schlichtweg nicht umsetzbar." Das 36-jährige ASV-Urgestein, das jüngst vom Assistenz- zum Cheftrainer befördert worden ist, urteilt, dass die erwähnte dreiwöchige Vorbereitung "realitätsfremd und auf Kosten der Gesundheit der Spieler" sei. "Man sollte sich jetzt lieber Gedanken machen, wie und vor allem dass die Saison 2021/22 vernünftig gestartet werden kann."

TSV Abtswind - Offen

Überraschende Worte aus dem Kräuterdorf, die darin begründet sind, dass der Landkreis Kitzingen in den vergangenen Wochen eines der wenigen Inzidenz-Paradiese im Freistaat war. "Wir könnten jederzeit den Wettbewerb aufnehmen", berichtet TSV-Manager Christoph Mix und berichtet davon, dass zuletzt sogar kontaktfreies Training möglich war und die Spieler in der Folge fit seien. Nichtsdestotrotz ist es den Abtswindern schlicht und einfach egal, wie es weitergeht - denn: "Wir können es ja sowieso nicht beeinflussen." Dass sich die Unterfranken im vergangenen Herbst in den wenigen Spielen etwas aus dem Tabellenkeller arbeiten konnten, trägt mit dazu bei, dass die Unterfranken nicht nur abwarten müssen, sondern auch können.

»Dann brauchen wir das Gerüst von Verbandsfunktionären nicht«

DJK Don Bosco Bamberg - Abbruch

Ein Blick auf die Tabelle macht deutlich, dass die DJK Bamberg mit einem Abbruch eine schwierige Restsaison im Kampf um den Klassenerhalt erspart bleiben würde. Doch das ist laut Aussagen von Fußballchef Holger Denzler nicht der Hauptgrund, weshalb sich die Oberfranken klar und deutlich für ein vorzeitiges Ende der Saison 2019/21 aussprechen. "Mit einem gesunden Menschenverstand muss man feststellen, dass eine Saisonfortsetzung nicht durchführbar ist. Leider sind bis heute noch nicht alle Schüler und Studenten zurück in den Schulen und Unis, die Gastronomie und Hotellerie ist weiter geschlossen, der Einzelhandel teilweise ohne Perspektive, etliche Betriebe befinden sich noch in Kurzarbeit - in Anbetracht dessen brauchen wir nicht darüber nachzudenken, Fußball zu spielen", unterstreicht der 45-jährige Funktionär, der auch deutliche Kritik an der Corona-Vorgehensweise des BFV übt: "Ich erwarte vom BFV und seinen Entscheidungsträgern, dass auch, wie es der Name schon sagt, Entscheidungen getroffen werden - egal, wie diese ausfallen. Denn: Als Mitglieder des BFV haben wir dementsprechend diese Leute an der Verbandsspitze gewählt. Irgendwelche schwindelige Umfragen zu machen ist nicht das, wofür sie das Vertrauen bekommen haben. Und so knallhart muss man sein: Wenn die Vereine jede Entscheidung im Rahmen einer Umfrage mittragen sollen, brauchen wir das Gerüst von Verbandsfunktionären nicht."

SpVgg Bayern Hof - Abbruch

Bamberg und Hof eint nicht nur die Heimat in Oberfranken, sondern auch die tabellarische Situation sowie die Meinung, ob Abbruch oder Fortsetzung. Der Sportliche Leiter Fulvio Bifano lässt erst gar keinen Zweifel aufkommen, dass er für Ersteres ist. Der 58-Jährige begründet diese Haltung aber nicht mit der sportlichen Situation, die er mit keiner Silbe erwähnt - sondern wie folgt: "Aus derzeitiger Infektionssicht ist ein entspanntes Fußballspielen und alles was dazu gehört (Vorbereitung, Umkleiden, Duschen, Auswärtsfahrten, Zuschauer etc.) in mindestens den nächsten drei Monaten nicht vorstell- und verantwortbar. Außerdem wäre eine Fortführung der Saison 2019/20 mittlerweile komplett wettbewerbsverzerrt und uninteressant."

Das vorzeitige Ende würde den vorzeitigen Klassenerhalt des TSV Karlburg nach sich ziehen.
Das vorzeitige Ende würde den vorzeitigen Klassenerhalt des TSV Karlburg nach sich ziehen. – Foto: © PresseFoto Evans/ EvRy

1. FC Sand - Abbruch

Obwohl Erich Barfuß davon ausgeht, dass Sand auch auf sportlichem Wege ein weiteres Bayernliga-Jahr schaffen würde, wäre es, so ehrlich ist der Sportliche Leiter der Unterfranken, ein "angenehmer Nebeneffekt", wenn der Klassenerhalt durch einen Abbruch vorzeitig fixiert werden könnte. Der sportliche Aspekt spielt aber insgesamt nur eine untergeordnete Rolle bei der Meinungsbildung. Ausschlaggebend sind vielmehr die schlechten Erfahrungen, die man im vergangenen Herbst nach dem Re-Start sammeln musste. "Während der Spielbetrieb ruhte, haben unsere Spieler dankenswerterweise auf ihre Entschädigungen verzichtet. Wir haben erst wieder gezahlt, als die Vorbereitung gestartet ist", berichtet Erich Barfuß. "Im Herbst waren aber nur sehr wenige Spiele möglich - und das auch noch ohne Zuschauer. Die Kosten-Nutzung-Rechnung ging deshalb nicht auf. Und das befürchten wir auch nun beim einer Wiederaufnahme des Spielbetrieb in einer Phase der Pandemie, die keine Planungen zulässt."

TSV Karlburg - Abbruch

Der Schein trügt. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung der Karlburger auf Mit-Aufsteiger Kahl und somit den einzigen direkten Abstiegsplatz - allerdings bei vier mehr ausgetragenen Partien. Den Klassenerhalt über die Relegation zu sichern, ist natürlich machbar - aber oft auch eine Glückssache. Viele Variablen in einer Gleichung, die gar nicht aufgestellt werden müsste. Denn: Selbstredend, dass die Unterfranken ein weiteres Bayernliga-Jahr durch ein vorzeitiges Ende dankend annehmen würden. Das sportliche Argument ist aber auch beim TSV, und das kann man den Verantwortlichen zweifelsohne abnehmen, Nebensache. "Wir sind für Abbruch", verdeutlicht Fußballchef Michael Gehret. "Aufgrund der aktuellen Inzidenz-Lage und der damit verbundenen ungewissen und nicht planbaren Zukunft."

Viktoria Kahl - Abbruch

Einer der größten Verlierer eines Abbruches wäre Viktoria Kahl, dessen Abschied aus der Bayernliga nach nur einem Jahr dann besiegelt wäre. Und dennoch ist - was erstaunlich ist - das Schlusslicht in Person von Fußballchef Andre Kasiow für ein vorzeitiges Ende. "Es macht bei den Inzidenzwerten einfach keinen Sinn, die Saison erfolgreich weiter zu führen. Wenn die Regelung durch den Abbruch so wäre, dass der FC Viktoria Kahl absteigen würde, dann wäre es so", äußerte sich der 50-Jährige jüngst gegenüber FuPa.

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Helmut WeigerstorferAutor

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