Die Jugend-Mannschaften der beiden Clubs werden künftig in einer eigenen Trikotfarbe auflaufen und nicht– wie hier in der gemeinsamen Bezirksliga-Saison 2017/18 - in Schwarz-Gelb und Blau-Weiß.
Die Jugend-Mannschaften der beiden Clubs werden künftig in einer eigenen Trikotfarbe auflaufen und nicht– wie hier in der gemeinsamen Bezirksliga-Saison 2017/18 - in Schwarz-Gelb und Blau-Weiß. – Foto: Kurt Bauer
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Die Trikotfarbe soll die Zusammenarbeit symbolisieren

Die Jugend-Abteilungen von DJK FV Haaren und Eintracht Verlautenheide arbeiten künftig zusammen, um den Nachwuchs besser zu fördern.

In Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, Nachwuchs für den Sport im Allgemeinen und den Fußball im Besonderen zu begeistern, müssen die Clubs neue Wege gehen. Vor allem, wenn man erfolgreich sein möchte – und das nicht nur in der Jugend, sondern gleich auch mit Blick auf die Senioren. Allein ist das schwer zu stemmen, und so haben die Verantwortlichen der DJK FV Haaren und von Eintracht Verlautenheide ein Konzept für die Zukunft erarbeitet, um die Kräfte zum Wohle der jungen Spieler, aber auch der Vereine zu bündeln.

„Allein bekommen wir das nicht auf die Kette, zusammen bilden wir aber eine starke Jugend-Abteilung“, verdeutlicht Bernd Lohmüller, Jugendleiter in Haaren. Das Konzept ist einfach: Die besten Spieler einer Altersklasse – geplant ist erst einmal eine Zusammenarbeit von A- bis D-Jugend – sollen gemeinsam in Haaren oder Verlautenheide spielen. Neben dem Erfolg im Jugendbereich ist auch die Zukunftsperspektive wichtig. Der Nachwuchs soll auf den Sprung in die Landesliga, in der die Eintracht als Dritte, bzw. in die Bezirksliga, in der Haaren Spitzenreiter ist, vorbereitet werden.

Freundschaftlich verbunden

„Unsere Clubs sind seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden, unsere Plätze liegen nur wenige Kilometer auseinander. Schon vor 15 Jahren gab es eine Kooperation, als u. a. Michael Boßhammer von Verlautenheide kam und bei uns spielte“, verweist Adi Hermanns, Haarens Präsident, auf eine jahrelange Vertrauensbasis – Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit. „Sicher werden die Mitglieder beider Clubs nicht zu 100 Prozent hinter dem Konzept stehen, man wird dem ein oder anderen erst mal plausibel machen müssen, welche Vorteile es mit sich bringt“, erwartet Hermanns auch Gegenwind.

„Wir wollen den Jugendlichen aus unserem Stadtbezirk ermöglichen, leistungsbezogenen Fußball zu spielen und dabei auch den Breitensport nicht vergessen“, möchte Eintracht-Vorsitzender Herbert Linden den Spielern auch unnötige Fahrwege ersparen. Und wie Hermanns ergänzt: „Wir wollen unseren Nachwuchs zukünftig nicht mehr an die vermeintlich großen Vereine verlieren, er soll sich bei uns bestmöglich entwickeln können und unsere Senioren-Teams stärken. Nur wenn wir gute Möglichkeiten bieten, werden die Jungs von uns nicht weggeholt.“

Die Vertrauensbasis ist wichtig, denn kein Club darf dem anderen einen jungen Spieler neiden. Schließlich ist das geplante Konstrukt im Endeffekt nur ein Angebot an den jeweiligen Spieler, der selbst entscheiden soll, für welchen Club er weiterhin oder zukünftig auflaufen möchte. Dabei sollen die leistungsorientierten ebenso wie die Spieler, die eher freizeitmäßig unterwegs sind, eingebunden werden.

Dabei werden die Clubs im Jugendbereich weder fusionieren noch eine Spielgemeinschaft bilden. „Ganz wichtig: Es ist ein Angebot und kein Zwang, wer nicht möchte, muss auch nicht wechseln“, betont Linden ausdrücklich. Die Spieler sollen – so sie möchten – jeweils unbürokratisch in den anderen Club wechseln, nicht nur im Sommer, sondern bei Bedarf auch in der Winterpause. Lohmüller: „Die Jugend-Teams sollen nicht in Schwarz-Gelb und Blau-Weiß spielen, sie erhalten eine neue, einheitliche Trikotfarbe – aber mit dem Schriftzug des jeweiligen Clubs auf dem Rücken. So zeigen wir, dass wir in der Jugendarbeit an einem Strang ziehen.“

Aktuell spielen die A-Junioren von Verlautenheide in der Bezirksliga, die B-Junioren in der Leistungsklasse – in Haaren ist es umgekehrt. „Wenn wir nun den stärksten A-Junioren anbieten, alle zusammen in Verlautenheide zu spielen, und den B-Junioren in Haaren, dann hätten wir zwei schlagkräftige Mannschaften zusammen. Auch die anderen Spieler werden nicht vergessen, können ihrem Hobby in der Leistungsklasse nachgehen oder sich eben in Ruhe weiterentwickeln, wenn sie noch mehr Zeit benötigen“, erläutert Lohmüller. „Wir sehen uns im Jugendbereich nicht als zwei getrennte Vereine, sondern als ein Stadtbezirk.“

Die Planung ist erst einmal auf drei bis fünf Jahre ausgelegt und betrifft aktuell die Jahrgänge 2002 bis 2005. „Schon jetzt stimmen wir Trainer uns über die Talente der A-Jugend ab, überlegen, wer aus unserer Sicht die Chance hat, sich mit Verlautenheide in der Landesliga durchzusetzen. Oder für wen es sinnvoller ist, sich erst in der Bezirksliga oder in einem der Reserveteams weiter zu entwickeln“, sagt Haarens Cheftrainer Jürgen Lipka, dessen Bruder Hans-Peter die A-Junioren betreut, während in Verlautenheide Dennis Buchholz und Volker Hemforth verantwortlich zeichnen. „Ich denke, dass das für beide Clubs eine Win-Win-Situation ist.“

Schon seit rund einem halben Jahr tagt der Planungsausschuss. „Normalerweise hätten wir die Eltern und Spieler bereits zu einem Gespräch gebeten, aber das ist in Corona-Zeiten ja so nicht zu organisieren“, bedauert Lohmüller. „Um das Konzept schon für die kommende Saison umzusetzen, werden wir wohl im Januar ein digitales Meeting zur Vorstellung anbieten.“

Aufrufe: 029.12.2020, 14:00 Uhr
Helga Raue | AZ/AN Autor