Er war nicht nicht "nur" immer auf dem Feld, sondern stets auch einer der Besten eines Teams: Fürsteneck-Urgestein Edi Weichselsdorfer (3.v.r.).
Er war nicht nicht "nur" immer auf dem Feld, sondern stets auch einer der Besten eines Teams: Fürsteneck-Urgestein Edi Weichselsdorfer (3.v.r.). – Foto: Karl-Heinz Hönl

Dorfplatz-Idol (10): Edi, der Unendliche

Im Rahmen der Serie "Dorfplatz-Idol" blickt FuPa auf die Vereinslegenden von A-Klassisten +++ Teil 10: Edi Weichselsdorfer von der DJK Fürsteneck +++

Zu einem typischen Sonntagnachmittag gehört ein Spiel der Dorfmannschaft auf dem örtlichen Sportplatz. Abgerundet wird das Ganze durch das obligatorische Zuschau-Bier und die vielen, vielen Diskussionen rund um die 90 Minuten. Besonders im Fokus stehen dabei die sog. Vereinslegenden, also Spieler, die sich besonders verdient machen bzw. gemacht haben. Im Rahmen der Serie "Dorfplatz-Idol" blickt FuPa auf eben jene Ikonen der A-Klassen-Vereine, die entweder noch aktiv sind - oder längst ihre Karriere beendet haben. Teil 10: Edi Weichelsdorfer von der DJK Fürsteneck.

"Mehr Vereinslegende als der Edi geht wohl kaum. Nicht nur, weil er jahrzehntelang eine unserer wichtigsten Stützen der Herrenmannschaft war, sondern insgesamt Vereinstreue vorlebt wie kein anderer. Er war maßgeblich beteiligt an mehreren Aufstiegen - unter anderem schoss er uns vor knapp 15 Jahren zum Aufstieg in die Kreisklasse. Eigentlich hat er aber immer seinen Mann auf der Position gestanden, wo man ihn eben gerade gebraucht hat - sei es als Libero oder zur Not auch im Tor. Ursprünglich wollte er ja 2010 bereits seine erfolgreiche Karriere beenden, doch wie man den Edi kennt, stand er kurz darauf in einer schwierigen Phase bereits wieder zur Verfügung und half unserem Team zum Klassenerhalt.

Neben all den sportlichen Highlights ist Edi immer da, wenn man ihn braucht - sei es als Interimstrainer, bei Arbeitseinsätzen oder bei sonstigen Aufgaben. Jahrelang half er auch in der Vorstandschaft mit, den Verein am Laufen zu halten. Und als wir vor zwei Jahren beschlossen haben, auch wieder eine 2. Mannschaft ins Rennen zu schicken, war er sofort bereit, unsere Reserve zu coachen. Bis heute übt er den Job mit Bravour aus, auch wenn's kadermäßig nicht immer einfach ist.

Edi hat dem Verein immer die Treue gehalten, egal wie gut oder schlecht die Situation auch war. Er ist ein Musterbeispiel für eine wahre Vereinslegende." (Patrick Draxinger, Abteilungsleiter DJK Fürsteneck)

Erinnerungen an einen Pokalfight gegen einen Bayernligisten


Gratulation, Du bist das Dorfplatz-Idol Deines Vereins. Der Abteilungsleiter hat Dich auserkoren. Was bedeudet Dir diese Auszeichnung?
Ich hab schon gedacht, ich wäre vergessen worden (lacht). Spaß beiseite. Natürlich freut es mich, dass ich ausgewählt worden bin. Für mich ist das eine große Ehre.

Von wann bis wann warst Du für Deinen Verein aktiv? Wie viele Spiele hast Du in dieser Zeit bestritten? Welche Erfolge hast Du gefeiert?
Mit zehn Jahren habe ich in der Schülermannschaft der DJK angefangen. Der ganz einfache Grund dafür: Es hat damals nichts anderes gegeben. Mit 17 habe ich dann bereits bei den Herren mitgewirkt - in der Bezirksliga. Eine irre Geschichte für mich als jungen Burschen, immerhin durfte ich mit gestandenen Spielern wie Hans Pieringer, Walter Schreckinger, Heinz Küblböck und meinem Bruder Max spielen. Erfolge feiern konnte ich während meiner 26-jährigen Zeit in der ersten Mannschaft viele - aber auch Tiefschläge zeichneten meinen Weg. Wir sind von der Bezirksliga bis in die A-Klasse abgestiegen und dann über Jahre hinweg wieder in die Kreisliga zurückgekehrt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wie viele Aufstiege bzw. Meisterschaften es letztlich waren. Genauso gibt es leider keine verlässliche Zahlen, wie viele Spiele ich in der Ersten bestritten habe - schätzungsweise müssten es aber locker 1.000 Partien gewesen sein. Und übrigens: Ich bin sogar mal Torschützenkönig geworden und wurde bei einem Hallenturnier als bester Torhüter ausgezeichnet (schmunzelt).

Welche Aufgaben rund um Deinen Verein hast Du bisher über Dein Spieler-Dasein hinaus übernommen?
Ich habe einige Trainerstationen bei der DJK hinter mir - F- und B-Jugend, Trainer der Ersten und Zweiten, Spielertrainer, Co-Trainer. Darüber hinaus habe ich zirka 20 Jahre der Vorstandschaft als Beisitzer angehört. Und wenn's pressiert hat, haben wir mit unseren Rasenmähern den Fußballplatz gemäht - oder den Platz markiert. Ein besonderes Highlight waren unsere Sportlerbälle bei der Emma. Mit ein paar Spezln habe ich die Tombola und legendäre Einlagen organisiert.

Warum ist der Verein Deine große Herzensangelegenheit?
Ich bin eingefleischter "Fiaschdnegga" - mehr gibt's dazu eigentlich nicht zu sagen. Es gibt nichts Schöneres als mit Freunden etwas Positives zu bewirken.

Warum ist der Verein Deine große Herzensangelegenheit? Was zeichnet Deinen Verein aus? Welche Alleinstellungsmerkmal hat er?
Die vorher aufgeführte Erklärung sagt schon mal viel aus. Wir haben in der heutigen, schwierigen Zeit noch immer ein funktionieren Vereinsleben. Stehen Arbeiten an, helfen alle zusammen - selbst die jungen DJKler sind tatkräftig mit dabei.

Welche Spiele oder gar Spielzeiten sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Das waren meine ersten Einsätze für die Herren in der Bezirksliga damals. Das war etwas sehr Außergewöhnliches für mich, da mitspielen zu dürfen. Aber es gibt weitere Highlights: In der Auswahl durfte ich gegen 1860 München spielten. Und auch auf Vereinsebene folgten unvergessene Partien: Der Pokalfight gegen die SpVgg Plattling, die damals Bayernliga spielte. Wir haben kurz vor Schluss durch einen Sonntagsschuss unglücklich mit 0:1 verloren. Ewig in Erinnerung bleiben wird auch ein Relegationsspiel in Haus im Wald gegen Untermitterdorf. Wir haben in der Verlängerung 2:1 gewonnen - und mir als ältesten Mann auf dem Platz sind beide Tore gelungen, obwohl ich gar nicht im Sturm spielte. Da gäbe es noch viele weitere tolle Erinnerungen. Aber das würde den Rahmen sprengen.

Gibt es irgendein (Sieges-)Ritual, an das Du Dich mit Freude erinnern kannst?
Ein richtiges Ritual hatten wir nicht. Am Liebsten war es mir, bei einem einem gemütlichen Bier mit meinen Freunden den Sieg in der Kabine zu feiern.

Als organisierte Fangruppen noch Exoten waren, wurde die Fürstenecker Truppe um den jungen Edi Weichselsdorfer bereits frenetisch angefeuert.
Als organisierte Fangruppen noch Exoten waren, wurde die Fürstenecker Truppe um den jungen Edi Weichselsdorfer bereits frenetisch angefeuert. – Foto: Weichselsdorfer

Hattest Du höherklassige Angebote? Wenn Ja: Aus welchen Liga? Und: Warum hast Du diese abgelehnt?
Ich hatte einige Angebote vorliegen. Perlesreut, wo damals mein Spezl Bernhard Meisl Spielertrainer war, wollte mich in Landesliga-Zeiten verpflichten. Im Prinzip waren alle umliegenden höherklassigen Vereine wie Passau, Hutthurm und Oberdiendorf an mir interessiert. Aber ich habe mich nie von Fürsteneck trennen können.

Wie hat sich Dein Verein aus Deiner Sicht entwickelt, seitdem Du mit an Bord bist?
Früher war schon alles besser - vor allem die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft. Trotzdem bin ich mit dem Status quo aktuell auch zufrieden. Das Vereinsleben funktioniert - und für höherklassigen Fußball ist der Ort einfach zu klein.

Gibt es in der aktuellen Mannschaft aus Deiner Sicht jemanden, der ebenfalls das Potenzial zum Dorfplatz-Idol hat?
Aktuelle sehe ich da keinen. Ich glaube, in der heutigen Zeit ist alles ein bisschen anders. Wir waren von klein auf auf dem Bolzplatz und hatten nichts anderes als den Fußball.

Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft: Wo siehst Du Deinen Verein in 10-15 Jahren?
Schwer zu sagen. Unsere Gemeinde ist mit gerade einmal 1.000 Einwohner einfach zu klein. Der Nachwuchs wird immer weniger. Corona verschlechtert zudem die Situation zunehmend.
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Euer Verein spielt in der A-Klasse? Und auch ihr habt den einen Spieler, der als Legende gilt (egal ob noch aktiv oder längst passiv)? Dann schreibt uns bitte an niederbayern@fupa.net!
Aufrufe: 7.2.2021, 06:00 Uhr
RedaktionAutor

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