Fortuna Dilkrath hat sich bereits zeitig die Herbstmeisterschaft gesichert.
Fortuna Dilkrath hat sich bereits zeitig die Herbstmeisterschaft gesichert. – Foto: Heiko van der Velden

Dilkrath: Einzigartiger Saisonstart dank „Fortuna-DNA“

Fortuna Dilkrath ist zum ersten Mal in der Historie Herbstmeister der Bezirksliga – besser stand der Verein noch nie da. Nach 19 Jahren in dieser Spielklasse könnte der Sprung in die Landesliga gelingen. Es wäre die Bestätigung der Arbeit.

Um sicherzugehen, dass es wirklich das beste Hinrundenergebnis in der Vereinsgeschichte von Fortuna Dilkrath ist, erkundigt sich Fabian Wiegers bei Heike Schroers. „Sie ist unsere Betreuerin und seit Stunde null in der Bezirksliga dabei“, sagt Wiegers und fährt fort. „Wenn sich wer erinnern kann, dann sie: Fortuna war in der Vergangenheit mal für ein paar Spieltage Tabellenführer der Bezirksliga: Aber dieser Saisonstart und die Herbstmeisterschaft – das ist einzigartig in Dilkrath“, so der Coach.

Die „Stunde null in der Bezirksliga“, von der Fabian Wiegers spricht, liegt fast 19 Jahre zurück. 2004 steigt der kleine Verein aus dem Schwalmtaler Ortsteil Dilkrath mit Stephan Laumen an der Seitenlinie das erste Mal in die Bezirksliga auf und ist seitdem Teil dieser Spielklasse. Das Team etabliert sich als Mittelfeldmannschaft, wird mal Siebter, mal Elfter, mal Dritter. Die bislang beste Saisonplatzierung datiert aus der Saison 2006/2007, als Fortuna in der Bezirksliga die Vizemeisterschaft feiert. Auch der bisherige Startrekord mit sechs Siegen und einem Unentschieden ist zwölf Jahre her. Fabian Wiegers kann sich also sicher sein, dass der aktuelle Saisonverlauf mit seinem Team wirklich „einzigartig“ ist. Die weiterhin ungeschlagene Fortuna hat nach 13 Spieltagen bereits 35 Punkte auf dem Konto, bei einem Torverhältnis von 38:12. Lediglich gegen den ASV Süchteln II (0:0) und Teutonia Kleinenbroich (3:3) gaben die Dilkrather bislang Punkte her. Zwei Spieltage vor dem Ende der Hinrunde steht die Wiegers-Elf damit bereits als Herbstmeister fest: Der Vorsprung auf Verfolger TuRa Brüggen beträgt sechs Punkte, Dilkrath konnte mit dem 2:1-Erfolg am ersten Spieltag über Brüggen aber den direkten Vergleich für sich entscheiden.

Obwohl der heute 33-jährige Fabian Wiegers das Team erst vor der Saison 2021/2022 übernimmt, gießt er das Fundament für den aktuellen Erfolg bereits vor neun Jahren – bei den C-Junioren von Fortuna Dilkrath. „Mein Heimatverein ist der TSV Kaldenkirchen. Dort habe ich mit 14 Jahren als Nachwuchstrainer die F-Junioren übernommen und von der Picke auf gelernt“, erinnert sich Wiegers, der später dann U15-Trainer in Dilkrath wird. Dort formt er gemeinsam mit Stephan Laumen eine schlagkräftige Nachwuchsmannschaft mit Spielern wie Moritz Münten, Albin Tahiri, Malte Laumen und Michel Pliester. Das Team wird bei den B- und A-Junioren überraschend Meister in der Kreisleistungsklasse – auch etwas einzigartiges in der Dilkrather Vereinsgeschichte. „Und heute bilden genau diese Jungs den Kern der Bezirksliga-Truppe. Hinzu kam in der letzten Saison der nächste richtig talentierte Jahrgang mit Mats Zechlin, Justus Nauen, Louis Claser und Simon Joereßen. Ergänzt mit den gezielten externen Zugängen haben wir eine total gewachsene Mannschaft“, sagt Wiegers, der genau diesen Weg mit einer starken Jugendarbeit in Dilkrath weitergehen möchte. „Es war immer schon die Stärke des Vereins, dass viele Spieler aus Dilkrath kommen: Spieler mit der Fortuna-DNA. Es sollte unser Ziel sein, dass wir diese Nachwuchskicker in den eigenen Reihen wieder vermehrt entwickeln,“ so Wiegers. Denn der 33-Jährige sieht in der aktuellen Jugendarbeit keinen positiven Trend: Sowohl qualitativ als auch quantitativ sei Fortuna momentan nicht so gut aufgestellt. Im jüngsten Nachwuchsbereich habe es zwar nach Corona einige Neuanmeldungen gegeben, dennoch sei die Zahl der eigenen Jugendspieler zuletzt rückläufig gewesen. „Mittlerweile müssen wir auf eine Spielgemeinschaft mit Boisheim und Amern zurückgreifen – früher gab es diese Kooperation nur mit Boisheim. Wenn die Quantität an Jugendspielern in so einem kleinen Verein wie Dilkrath weniger wird, dann wird vermutlich auch die Qualität niedriger“, so Wiegers, der aus diesem Grund gemeinsam mit den Vereinsverantwortlichen ein Konzept für die Nachwuchsarbeit aufstellen möchte. Dabei geht es um eine Umstrukturierung des Jugendbereichs, die Fortuna Dilkrath zu einem attraktiven Ausbildungsverein für Talente aus dem Grenzland machen soll. „Wir befinden uns noch ganz am Anfang der Planung, und dieses Projekt wird sicherlich einige Jahre dauern, bis es Früchte trägt.“

Einen positiven Effekt auf die neue Jugendarbeit bei der Fortuna könnte freilich eine erfolgreiche Herrenmannschaft nehmen, die ja aus eben jenen Spielern mit der „Fortuna-DNA“ besteht – vielleicht ja sogar in der Landesliga. Vor der Saison hatten die Dilkrather die Top-5 als Ziel ausgegeben, mit der Herbstmeisterschaft im Rücken sind nun auch die Ambitionen gewachsen. „Wir brauchen nicht drumherum reden: Wenn du nach 13 Spieltagen ungeschlagener Tabellenführer bist, dann möchtest du dieses große Ziel Aufstieg auch erreichen.“ Ob die Fortunen wirklich das Zeug haben, in die Landesliga aufzusteigen, das wird sich nach Ansicht ihres Trainer in den letzten Spielen vor der Winterpause zeigen. Mit dem VfB Uerdingen, den Sportfreunden Neuwerk, Verfolger TuRa Brüggen und dem SV Vorst stehen für den Herbstmeister noch vier „unangenehme Gegner“ auf dem Programm, wie Wiegers sagt. „Das direkte Duell gegen Brüggen kann natürlich bei aktuell sechs Punkten Vorsprung schon ein ganz richtungsweisendes werden. Wenn wir bis Weihnachten diese gute Ausgangslage halten, dann haben wir wirkliche große Chancen.“ Die Euphorie ist im Vereinsumfeld in jedem Fall schon angekommen. Nach dem 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen den Hülser SV sei Wiegers von langjährigen Fortuna-Fans angesprochen werden: „Die haben mir erzählt, dass viele Dilkrather, die jahrelang nicht bei den Spielen waren, jetzt wieder kommen würden, um die Mannschaft zu unterstützen, das ist natürlich ein tolles Gefühl“, so Wiegers.

Aufrufe: 011.11.2022, 15:15 Uhr
Sebastian KalenbergAutor