
So ganz ohne Aufmerksamkeit wollte Linus Appiah seinen Teamkollegen Paschalis Ivantzikis dann doch nicht davon kommen lassen. Der Kapitän des CfR Links war noch zwei Schritte von der Kabine entfernt, da klopfte ihm der aktuell verletzte Appiah von hinten feste auf die Schultern und gab ihm noch ein lautstarkes Kompliment mit auf den Weg. „Kumpel, du bist der Beste.“ Übertrieben hatte Appiah damit freilich nicht.
Denn auch wenn Ivantzikis im Bezirksliga-Kellerduell gegen den TV Kalkum-Wittlaer ohne Torerfolg blieb und im ersten Abschnitt sogar mit einem Foulelfmeter an TVKW-Keeper Kashayar Goudarzi scheiterte, war er wieder einmal der entscheidende Faktor aufseiten der Heerdter, die sich mit dem verdienten 3:1-Heimerfolg auf Relegationsrang 15 vorschoben.
Das sah am Ende auch Gäste-Coach Navid Fazeli so, dessen Team phasenweise zwar mehr Ballbesitz, aber keine geeigneten Mittel hatte, um die Waffen des CfR aus dem Spiel zu nehmen. „Wir wussten, dass die schnellen Stürmer von Links nur schwer zu stoppen sind, wenn sie einmal im Tempo sind. Leider haben wir es nicht geschafft, die Zuspiele zu unterbinden“, analysierte Fazeli. Dieser hatte für das wegweisende Duell zweier Abstiegskandidaten im Vergleich zu seinem Gegenüber Panagiotis Liomas einen etwas aktiveren Spielansatz gewählt. Doch dieser nutzte den Gästen nichts, weil sie nicht schnell und zielstrebig genug agierten, um die vielbeinige Heerdter Deckung aus den Angeln zu heben. Die besseren Chancen hatten schon im ersten Abschnitt die Platzherren, die mit simplen Mitteln zum Erfolg kamen. Liomas parkte hinten eine tief stehende Fünfer-Abwehrkette und vorne neben Ivantzikis den ebenfalls flinken Patrick Kamprakis. Dazwischen ließen die routinierten Dennis Schreuers und Sana Saidykhan Übersicht walten. Vor allem Saidykhans Pässe in die Tiefe stürzten Wittlaers Deckung in Verlegenheit, weil sie insbesondere mit dem Tempo von Adressat Ivantzikis überfordert waren.
Dieser wirkt auch mit 31 Jahren noch explosiv wie Dynamit. Am Ende des Nachmittags standen für den Ausnahmekönner zwei Lattenschüsse, ein herausgeholter und selbst verschossener Strafstoß und zwei Assists in den Statistikbüchern. Beide Vorlagen nutzte der insgesamt dreimal erfolgreiche Patrick Kamprakis, wobei sein zweiter Treffer (58.) just in der Phase fiel, als Wittlaer nach dem Ausgleichstor von Erkan Tanrikulu (52.) wieder Oberwasser zu bekommen schien. „Wenn wir da nicht das 2:1 machen, nimmt die Partie vielleicht einen anderen Verlauf“, konstatierte Links-Coach Panagiotis Liomas, der insgesamt mit dem Vortrag seiner Elf zufrieden war. „Wir machen derzeit das, was mit unserem Personal möglich ist. Wir haben das Material um auf Konter zu spielen und das klappt momentan auch wirklich gut“, lobte der Übungsleiter nach dem dritten Ligaspiel in Serie ohne Niederlage.
Ob das Rezept schlussendlich auch reicht, um die Klasse zu halten, wird sich zeigen. Gegen den TV Kalkum-Wittlaer führte die Herangehensweise jedenfalls zum Erfolg, was allerdings auch an der Naivität des Gegners lag. „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die in vielen Phasen zu grün hinter den Ohren und auch zu brav ist“, bemängelte Navid Fazeli. Dessen Team auf Rang 17 nun schon vier Zähler hinter dem CfR Links liegt.
