2026-10-05T13:53:51.974Z

Interview

„Dieser Favoritenrolle stellen wir uns“

Seit Jahren gehört der FC Thüringen Weida zu den festen Größen im oberen Drittel der Thüringenliga. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Meisterschaft 2022. Auch danach bestätigten die Osterburgstädter ihre sportliche Konstanz und landeten viermal in Folge auf dem vierten Tabellenplatz.

von André Hofmann · 04.09.2026, 12:00 Uhr · 0 Leser
Vor fast genau einem Jahr jubelte Präsident Nick Schubert gemeinsam mit seinen Spielern über den späten 5:4-Siegtreffer im Derby gegen Wismut.
Vor fast genau einem Jahr jubelte Präsident Nick Schubert gemeinsam mit seinen Spielern über den späten 5:4-Siegtreffer im Derby gegen Wismut. – Foto: Thomas Gorlt / GO-SPORTFOTOGRA

Im vergangenen Sommer begann auf dem Roten Hügel dennoch ein neues Kapitel. Mit Peter Dauel übernahm ein neuer Trainer die Mannschaft, gleichzeitig galt es zahlreiche neue Gesichter in den Kader zu integrieren. Trotz des Umbruchs verlief der Saisonstart vielversprechend. Neun Punkte aus den ersten vier Ligapartien und der Einzug in die zweite Runde des Thüringenpokals lassen den FCTW mit Rückenwind auf die kommenden Aufgaben blicken.

Nun wartet ausgerechnet ein Prestigeduell: Im Landespokal gastiert der Thüringenligist beim Landesklasse-Vertreter BSG Wismut Gera. Noch in der vergangenen Saison standen sich beide Vereine in der Thüringenliga gegenüber, nun geht Weida am Steg als Favorit in die Partie.

Vor dem Derby spricht FuPa Thüringen mit Weidas Präsident Nick Schubert über die Entwicklung seines Vereins, die Ambitionen in der Thüringenliga, die Bedeutung des Landespokals und die besondere Rivalität mit Wismut Gera.

FuPa Thüringen: Nick, der FC Thüringen Weida gehört seit einigen Jahren konstant zur Spitzengruppe der Thüringenliga. Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung des Vereins und der Arbeit hinter den Kulissen?
Nick Schubert: Wir sind mit der Entwicklung des FC Thüringen Weida sowohl sportlich als auch mit Blick auf das gesamte Vereinsleben sehr zufrieden. Gleichzeitig betrachten wir das Erreichte mit einer gewissen Demut.
Als wir 2020 Verantwortung für den Verein übernommen haben, befand sich der FC Thüringen in einer ausgesprochen schwierigen Situation. Wir wissen deshalb sehr genau, dass eine positive Entwicklung im Fußball keine Selbstverständlichkeit ist und wie schnell sich Rahmenbedingungen verändern können. Unser Anspruch war von Beginn an, keine kurzfristigen Effekte zu erzeugen, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen und den Verein kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ich glaube, dass uns das in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen ist.
Heute sind wir der höchstspielende Fußballverein im Landkreis Greiz und gehören im Gebiet des KFA Ostthüringen hinter dem ZFC Meuselwitz zu den sportlich stärksten Vereinen. Das ist eine Entwicklung, auf die wir stolz sein dürfen, die für uns aber gleichzeitig Verpflichtung ist, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir den Verein nicht ausschließlich über unsere erste Männermannschaft definieren. Wir haben mittlerweile einen sehr gut aufgestellten Nachwuchsbereich mit zahlreichen lizenzierten und engagierten Trainern und vielen Menschen, die Woche für Woche einen enormen ehrenamtlichen Beitrag leisten. Gleichzeitig wollen wir als Verein auch außerhalb des Fußballplatzes sichtbar sein. Ob bei regionalen Veranstaltungen, unseren Teilnahmen an den Faschingsumzügen oder anderen gesellschaftlichen Aktivitäten: Der FC Thüringen Weida soll ein aktiver Bestandteil dieser Region sein und den Menschen auch etwas zurückgeben.
Natürlich haben wir für die kommenden Jahre weitere Ziele und Ideen. Dazu gehört beispielsweise auch der Wunsch, irgendwann wieder einen Bundesligisten auf dem Roten Hügel begrüßen zu dürfen. Bei allen Ambitionen ist für uns aber entscheidend, den klaren Blick für unsere Möglichkeiten zu behalten. Wir werden keine Entwicklung erzwingen und keine finanziellen oder strukturellen Abenteuer eingehen. Kontinuität, Verlässlichkeit und gesundes Wachstum stehen für uns über dem kurzfristigen Erfolg. Wenn es uns gelingt, diesen Weg weiterzugehen und den FC Thüringen Weida dauerhaft als sportliches und gesellschaftliches Aushängeschild der Region zu etablieren, haben wir sehr viel richtig gemacht.

FuPa Thüringen: Im Sommer gab es mit dem Trainerwechsel und zahlreichen neuen Spielern einige Veränderungen. Trotzdem habt ihr einen vielversprechenden Start hingelegt. Wie bewertest du die ersten Wochen?
Nick Schubert: Für uns war es zunächst einmal ein Sommer der Veränderungen. Wir haben auf der Trainerposition einen Wechsel vollzogen, den wir frühzeitig und mit sehr viel Ruhe vorbereiten konnten. Dadurch konnten wir unseren Blick relativ schnell auf die Kaderplanung richten und haben auch innerhalb der Mannschaft einige Veränderungen vorgenommen. Uns war von Beginn an bewusst, dass ein solcher Umbruch Zeit benötigt, dass gerade in den ersten Wochen noch nicht alle Abläufe funktionieren können und wir trotzdem vom ersten Spieltag an Ergebnisse benötigen.
Mit neun Punkten aus den ersten vier Ligaspielen und dem Einzug in die zweite Runde des Landespokals können wir mit den Ergebnissen zunächst zufrieden sein. Natürlich ärgert uns die Niederlage im Eichsfeld, weil sie aus unserer Sicht vermeidbar war. Gleichzeitig gehört auch das zu einem Entwicklungsprozess und zeigt uns sehr deutlich, an welchen Punkten wir noch arbeiten müssen. Wenn wir den Anspruch haben, uns mit den Spitzenmannschaften der Thüringenliga zu messen, müssen wir insbesondere in den entscheidenden Phasen eines Spiels konsequenter werden. Wir benötigen momentan teilweise etwas zu lange, um richtig in die Begegnungen hineinzufinden, und hatten in diesen Phasen sicherlich auch das notwendige Spielglück.

Auf der anderen Seite schaffen wir es noch nicht immer, Spiele frühzeitig zu entscheiden, wenn sich uns die Möglichkeiten dazu bieten. Eine Mannschaft wie SCHOTT Jena ist uns in dieser Hinsicht momentan noch voraus. Sie nutzt ihre starken Phasen sehr konsequent und entscheidet Spiele dadurch teilweise auch deutlich. Genau diese Konsequenz zeichnet eine Spitzenmannschaft aus. Am Ende sprechen wir dabei häufig über Nuancen. Aber genau diese Nuancen entscheiden in einer ausgeglichenen Thüringenliga darüber, ob eine Mannschaft am Saisonende auf Platz eins, zwei oder drei steht oder sich dahinter einordnet. Unser Potenzial liegt deshalb vor allem darin, die neuen Abläufe weiter zu festigen, in unserem Spiel noch erwachsener und souveräner zu werden und als Mannschaft weiter zusammenzuwachsen. Wir haben bewusst ein junges Team zusammengestellt, von dessen Entwicklung wir überzeugt sind. Wenn es uns gelingt, diesen Kern zusammenzuhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln, bin ich davon überzeugt, dass wir nicht nur in dieser Saison, sondern auch in den kommenden Jahren noch sehr viel Freude an dieser Mannschaft haben werden.

FuPa Thüringen: Meister 2022, danach konstant in der Spitzengruppe: Mit welchem sportlichen Ziel seid ihr in diese Saison gegangen?
Nick Schubert: Diese Frage lässt sich schnell beantworten. Wir haben uns in den vergangenen fünf Spielzeiten konstant unter den Top vier der Thüringenliga etabliert. Diesen Anspruch haben wir uns über mehrere Jahre erarbeitet. Dementsprechend ist es unser Ziel, uns nicht zu verschlechtern, sondern den Blick weiterhin nach oben zu richten. Gleichzeitig möchten wir auch im Landespokal so weit wie möglich kommen. Dafür müssen wir von Runde zu Runde denken und die jeweiligen Aufgaben erfolgreich lösen. Der Fokus liegt deshalb jetzt vollständig auf dem Spiel bei Wismut Gera, wo wir am Sonntag unbedingt ins Achtelfinale einziehen möchten.

FuPa Thüringen: Ihr habt in den vergangenen Jahren einige besondere Pokalspiele erlebt. Welchen Stellenwert hat der Thüringenpokal für den FC Thüringen Weida?
Nick Schubert: Der Thüringenpokal hat für uns einen sehr hohen Stellenwert. Wir haben in den vergangenen Jahren zweimal gegen den FC Carl Zeiss Jena gespielt und 2024 mit dem Halbfinale gegen den ZFC Meuselwitz einen der größten Pokalerfolge unserer jüngeren Vereinsgeschichte erlebt. Solche Begegnungen bleiben Spielern, Verantwortlichen und Zuschauern in Erinnerung und zeigen, welche Möglichkeiten dieser Wettbewerb gerade auch für einen Verein unserer Größenordnung bietet.
Neben der Thüringenliga ist der Landespokal für uns ein zweiter wichtiger Wettbewerb, in dem man sich sportlich attraktive Spiele erarbeiten und gleichzeitig zusätzliche Einnahmen für den Verein generieren kann. Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieser Wettbewerb andernorts nicht immer den Stellenwert genießt, den er aus unserer Sicht verdient. Für uns ist das anders. Wir nehmen den Pokal sehr ernst und wollen jede Möglichkeit nutzen, möglichst lange im Wettbewerb zu bleiben. Mit genau dieser Haltung gehen wir auch in das Spiel am Sonntag.

FuPa Thüringen: Dann wurde euch ausgerechnet Wismut Gera zugelost. Ein Duell mit viel regionaler Fußballgeschichte und zuletzt durchaus einigen Emotionen. Wie habt ihr auf das Los reagiert?
Nick Schubert: Wir haben uns über dieses Los sehr gefreut, weil diese Begegnung eine große Historie besitzt. Die Duelle zwischen Weida und Wismut haben bereits vor fast 50 Jahren mehrere Tausend Zuschauer angezogen und das Aufeinandertreffen 1977 auf dem Roten Hügel sorgte für einen Zuschauerrekord, der bis heute Bestand hat. Allein daran erkennt man, welche Tradition und Bedeutung in diesem Duell steckt.
Auch aus heutiger Sicht ist die Konstellation für beide Vereine attraktiv. Zwischen unseren Sportstätten liegen nur wenige Autominuten, sodass die Anreise für Mannschaft und Zuschauer denkbar kurz ist. Hinzu kommt, dass im Pokal die Eintrittsgelder geteilt werden. Damit bietet dieses Los logistische und wirtschaftliche Vorteile und vor allem die Möglichkeit, gemeinsam wieder ein attraktives Fußballereignis für die Menschen in unserer Region zu schaffen. Ich hoffe deshalb natürlich auch, dass viele Zuschauer am Sonntag den Weg ins Stadion am Steg finden. Bei aller Vorfreude wissen wir aber sehr genau, dass uns sportlich ein anspruchsvolles Los erwartet. Niemand bei uns wird diese Aufgabe auf die leichte Schulter nehmen. Viele unserer Spieler haben in ihrer Laufbahn selbst schon das Trikot der BSG getragen, wodurch diese Begegnung für den einen oder anderen sicherlich noch einmal eine zusätzliche persönliche Bedeutung bekommt. Entsprechend groß ist die Motivation innerhalb der Mannschaft. Wir freuen uns auf dieses Derby und auf einen hoffentlich würdigen Pokalnachmittag am Sonntag.

FuPa Thüringen: Während ihr in den vergangenen Jahren viel Konstanz hattet, waren die letzten Monate bei Wismut turbulent. Wie nimmst du die Entwicklung am Steg von außen wahr? Ist die BSG aus deiner Sicht wieder auf einem besseren Weg?
Nick Schubert: Ob Wismut Gera wieder auf einem nachhaltig positiven Weg ist, lässt sich aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beurteilen. Das wird sich nicht nach einigen Wochen oder Monaten zeigen, sondern daran, wie sich der Verein in den kommenden Jahren sportlich und strukturell entwickelt. Darüber hinaus möchte ich die Situation auch gar nicht bewerten. Wir schauen von außen auf den Verein und ich halte wenig davon, als Verantwortlicher eines anderen Clubs interne Entwicklungen zu kommentieren, deren Hintergründe man nicht im Detail kennt.
Persönlich würde ich mich aber sehr freuen, wenn sich bei Wismut wieder ein positiver Trend entwickelt und der Verein perspektivisch in die Thüringenliga zurückkehrt. Solche Begegnungen fehlen der Liga. Gerade die traditionsreichen regionalen Duelle sind es, die auch heute noch besonderes Interesse wecken und viele Zuschauer auf die Sportplätze bringen. Ein sportlich starker Fußballstandort Gera ist aus meiner Sicht deshalb auch für die gesamte Region wichtig. In diesem Sinne wünsche ich den Verantwortlichen am Steg, dass nach den vergangenen Jahren wieder Kontinuität einkehrt und sich die Entwicklung nachhaltig in eine positive Richtung bewegt.

FuPa Thüringen: Im vergangenen Jahr wart ihr noch Ligakonkurrenten, diesmal geht Weida als klarer Favorit an den Steg. Was erwartet euch sportlich – und warum bist du überzeugt, dass ihr dieser Rolle gerecht werden könnt?
Nick Schubert: Die Rollenverteilung in diesem Duell hat sich in den vergangenen Jahren sicherlich verändert. Früher ging Wismut häufig als Favorit in diese Begegnungen und trotzdem ist es uns oftmals gelungen, diese Spiele für uns zu entscheiden. Mittlerweile hat sich das Bild gedreht und diesmal gehen wir wahrscheinlich so deutlich wie selten zuvor als Favorit in dieses Duell. Dieser Rolle stellen wir uns auch. Aber sie bringt uns am Sonntag auf dem Platz zunächst einmal überhaupt nichts.
Gerade das 5:4 in Weida in der vergangenen Saison hat gezeigt, welche Dynamik solche Derbys entwickeln können und wie eng diese Begegnungen unabhängig von der Ausgangslage werden können. Deshalb müssen wir die Aufgabe vom Anpfiff an konzentriert und mit der notwendigen Intensität angehen. Jeder Spieler muss bereit sein, an seine Leistungsgrenze zu gehen und die Qualität, die wir zweifellos in unserer Mannschaft haben, auch auf den Platz zu bringen. Wenn uns das gelingt, haben wir die individuelle und mannschaftliche Qualität, um dieses Pokalspiel für uns zu entscheiden. Ich habe vollstes Vertrauen in unser Trainerteam und in die Mannschaft und bin überzeugt davon, dass wir am Sonntag alles dafür tun werden, unserer Favoritenrolle gerecht zu werden und ins Achtelfinale einzuziehen.