
Es ist noch einmal gut gegangen für Alemannia Pfalzdorf. Das Team konnte am vergangenen Mittwoch in geplanter Sollstärke in den Flieger zur Abschlussfahrt nach Mallorca steigen, weil sie sich eine weitere Verlängerung der Saison erspart hat. Der 2:1-Heimsieg vor 1000 Zuschauern gegen den VfB Uerdingen im letzten Spiel der Entscheidungsrunde der Gruppe 4 der Bezirksliga bedeutete den Klassenerhalt für die Alemannia.
Bei einer Niederlage hätte die Mannschaft in die Abstiegs-Relegation gemusst, statt an den Ballermann zu fliegen. Das Schicksal traf jetzt den VfB Uerdingen, der am Mittwochabend das Rückspiel bei Ratingen 04/19 II mit 0:5 (Hinspiel: 0:3) verloren hat. Erst zweieinhalb Wochen nach dem Ende der regulären Saison fiel damit im Fußballverband Niederrhein die letzte Entscheidung. Viel zu spät eigentlich, zumal ja in rund acht Wochen schon die neue Spielzeit beginnt. Deshalb forderten die Trainer der drei punktgleichen Mannschaften, die in der Gruppe 4 erst in einer Entscheidungsrunde ermitteln mussten, wer in die Sommerpause darf und wer noch in die Relegation muss, dass der Verband Konsequenzen aus den Ergebnissen in dieser Saison zieht. Der Tenor bei Thomas Erkens (Alemannia Pfalzdorf), Tino Reucher (TSV Krefeld-Bockum) und Stefan G. Rex (VfB Uerdingen): Man solle den Klubs künftig unbedingt diese Entscheidungsspiele ersparen. Das Trainer-Trio sprach sich einhellig dafür aus, dass der direkte Vergleich bei Punktgleichheit den Ausschlag gibt.
„Es ist ja schon nach der vergangenen Saison gesagt worden, dass diese Regel geändert werden muss. Wie richtig dieser Wunsch ist, hat sich jetzt wieder gezeigt“, sagt Thomas Erkens, Trainer von Alemannia Pfalzdorf. In der Gruppe 4 der Bezirksliga bestand die Möglichkeit, dass fünf Teams im Abstiegskampf punktgleich sein würden. Doch der VfL Repelen und die SGE Bedburg-Hau verabschiedeten sich mit Siegen am letzten Spieltag fristgerecht in die Sommerpause. Es mussten nur drei Teams in die Entscheidungsrunde.
„Der Charakter dieser Entscheidungsspiele ist zwar schön, zumal sie viele Zuschauer anziehen. Doch sie sind im Amateurbereich überflüssig. Das kann auch anders funktionieren. Der direkte Vergleich muss bei Punktgleichheit den Ausschlag geben“, sagt Erkens. Dieser Ansicht ist auch Sebastian Clarke, Coach der Sportfreunde Broekhuysen. „Die jetzige Regel ist völliger Blödsinn. Wenn alle froh sind, dass die Saison endlich vorbei ist, wird sie noch unnötig in die Länge gezogen“, sagt Clarke. Deshalb plädiert auch er für den direkten Vergleich. „Eine andere Lösung gibt es für mich nicht“, so Clarke.
Holger Tripp, Vorsitzender des Fußballausschusses im Kreis Kleve/Geldern und Staffelleiter der Oberliga sowie der Gruppe 4 der Bezirksliga, hält den direkten Vergleich ebenfalls für die „bessere und fairere“ Lösung. „Dann hätten die Vereine auch mehr Planungssicherheit, weil sie wüssten, dass fällige Relegationsrunden direkt nach der Saison starten können. Ich habe in den vergangenen Wochen in Gesprächen erfahren, dass viele Trainer, Spieler und Verantwortliche dieser Meinung sind“, sagt Tripp.
Das Torverhältnis, so Tripp, dürfe keine Rolle spielen. Das war viele Jahre der Fall. Zu diesen Zeiten war ein unschöner und unsportlicher Nebeneffekt, dass Mannschaften im Abstiegskampf gerne einmal nicht zu Spielen gegen Spitzenteams antraten. Dann schlug sich schließlich im Torverhältnis nur ein 0:2 nieder, während es auf dem Platz mit großer Wahrscheinlichkeit eine höhere Niederlage gesetzt hätte.
Holger Tripp geht davon aus, dass der Verband sich mit dem Thema Entscheidungsspiele oder direkter Vergleich beim Blick zurück auf die Saison beschäftigen wird. Ob es schon zur kommenden Spielzeit eine Änderung geben wird, erscheint fraglich. Denn dafür müsste die Spielordnung des Westdeutschen Fußball-Verbandes, dem die Verbände Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen angehören, geändert werden.
Der größte Haken an der Sache: Diese Änderung müsste bis zum 30. Juni beschlossen werden, damit sie bereits zur neuen Saison greift. Deshalb tun die Mannschaften wohl weiter gut daran, wenn sie ihre Abschlussfahrt im Sommer 2026 mit einigem zeitlichen Abstand zum letzten Spieltag planen.
