
Jeder Mensch weiß, dass in einem menschlichen Körper nur ein Herz schlägt. Trotzdem gibt es den Spruch: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“ Den nimmt für sich auch Rudolf „Rudi“ Bommer (68) in Anspruch, wenn er an das kommende Achtelfinalspiel im Niederrheinpokal zwischen dem KFC Uerdingen und dem MSV Duisburg denkt. Schließlich hat der sechsfache A-Nationalspieler Erinnerungen an beide Vereine. 1985 wechselte er für eine Rekordablösung von fast 1 Million DM von Fortuna Düsseldorf, wo er zuvor sieben Jahre gespielt hatte, über den Rhein zum damals amtierenden Pokalsieger Bayern 05 Uerdingen. „Ich hatte wirklich drei ganz tolle Jahre in Uerdingen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion im Vorfeld des Spiels. Aber auch an den MSV Duisburg hat er positive Erinnerungen, gelang es ihm als Trainer 2007, die Zebras zurück in die Bundesliga zu führen.
Doch noch einmal zurück zu Uerdingen. „Kürzlich hat doch Eintracht Frankfurt, wo ich noch in der Traditionsmannschaft aktiv bin, 1:5 gegen Atlético Madrid verloren. Mit Uerdingen haben wir damals auch gegen Atlético im Europapokal gespielt und beide Spiele nur knapp mit einem Tor Unterschied verloren. Ich erinnere mich noch an zwei wirklich harte Schüsse von mir, die der argentinische Weltmeistertorwart von 1978 Ubaldo Fillol noch besser pariert hat“, führt Bommer aus. Dass er auch beim Jahrhundertspiel, dem 7:3 gegen Dynamo Dresden – auch als Wunder von der Grotenburg bekannt – mit auf dem Platz stand, sei nur am Rande erwähnt.
Das aktuelle Geschehen bei seinem Ex-Verein hat er zuletzt, der er in Aschaffenburg und damit mehr als 300 Kilometer entfernt von Krefeld lebt, nicht mehr so verfolgt. „Nein, von der Gruppierung der Freunde und Förderer des KFC Uerdingen habe ich noch nichts gehört“, sagt er hierauf angesprochen. „Allerdings habe ich gehört, dass – angeführt wohl von Paul Hahn – sich zuletzt wieder einige ehemalige Spieler des KFC Uerdingen mehr und mehr zum Verein hin gewandt haben. Einer solchen Anfrage würde und werde ich mich nicht verschließen.“
Aber auch mit dem Gegner, dem MSV Duisburg, verbindet Rudi Bommer einiges. Am 1. Juli 2006 übernahm er beim damals gerade aus der ersten Liga abgestiegenen Verein den Trainerposten und führte die Zebras gleich in seinem ersten Jahr zurück in die Bundesliga. Zur Rückrunde der Bundesligasaison 07/08 gehörte sogar Kugelblitz Ailton zum Kader des MSV. „Duisburg haftete immer etwas das Image der grauen Maus an. So jedenfalls die Wahrnehmung unseres damaligen Präsidenten Walter Hellmich“, erinnert sich Bommer. „Dem wollte er mit der Verpflichtung dieser schillernden Persönlichkeit entgegenwirken. Leider hatte Ailton zu dem Zeitpunkt bereits den Zenit seiner sportlichen Laufbahn überschritten, sodass er uns sportlich nicht mehr weiterhelfen konnte.“ Ein Schicksal, das auch Uerdingen mit seiner Verpflichtung von Ailton (13 Spiele, vier Tore der Oberliga) im Jahr 2009 in gleicher Weise widerfuhr. Dafür aber war in beiden Fällen die mediale Aufmerksamkeit gigantisch.
Großen Respekt zollt Bommer der Leistung, die der MSV in den ersten zehn Spielen nach seiner Rückkehr in die dritte Liga abgeliefert hat. „Sieben Siege und drei Unentschieden und somit umgeschlagen, die Leistung von Trainer Dietmar Hirsch verdient mehr als Anerkennung“, sagt Bommer. „Darüber habe ich mich zuletzt auch noch mit Friedhelm Funkel, bei dem Hirsch in dessen Duisburger Trainerzeit Spieler war, ausgetauscht. Auch er war voll des Lobes.“
Die Wege der beiden Vereine mit Beteiligung von Rudi Bommer kreuzten sich einmal, und zwar am 22. Januar 2008. Damals steckte der KFC Uerdingen in der dritten seiner mittlerweile fünf Insolvenzen und es gab Retterspiele gegen Rot-Weiß Oberhausen und eben den MSV Duisburg. Es war die Zeit, in der sich TV-Star Elton – damals noch Praktikant bei Stefan Raab – zu seiner Liebe zum Uerdinger Fußball bekannte. Im ersten Retterspiel gegen Oberhausen wurde er sogar eingewechselt, im zweiten, gegen den MSV Duisburg wurde auf diese Klamaukeinlage verzichtet. „Wir steckten damals in der Vorbereitung auf die Rückserie der Erstligasaison 07/08 und da hätte ich das als unangemessen empfunden“, erinnert sich Bommer.