
Der TSV Wiepenkathen hat eine schwierige wie starke Saison hinter sich. Nun kommt das Bonusspiel um den Aufstieg. Kann das Team nochmals erfolgreich an seine Grenze gehen?
Ist die Mannschaft des TSV Wiepenkathen besonders widerstandsfähig und leidensfähig? Die Frage irritiert Trainer Nils Zielesniak im ersten Moment ein wenig, er reagiert mit einem freundlichen Seufzer. Aber ja, wenn man auf die drei vergangenen Saisons zurückblickt, ist da was dran.
Kann der TSV Wiepenkathen auch sein zweites Relegationsspiel innerhalb von zwei Jahren gewinnen? Der Gegner am Samstag, 16 Uhr in Oldendorf, ist der TSV Geversdorf. Die beiden Teams kennen sich bestens. Und der Vizemeister der Kreisliga Cuxhaven dürfte leicht favorisiert sein.
In die Kreisligasaison 2023/24 war der TSV Wiepenkathen als einer der großen Titelanwärter gegangen. Letztlich wurde der größte Konkurrent Deinster SV verdienter Meister.
Dass der damals schon 40-jährige Viktor Pazer für die gesamte Rückrunde reaktiviert werden musste, steht beispielhaft dafür, mit welchen Widerständen der TSV zu kämpfen hatte.
Trotzdem hatten die Wiepenkathener damals am letzten Spieltag noch ein Endspiel um Platz 2. Gegen den VfL Güldenstern Stade II. Es endete unentschieden. Stade wurde punktgleich mit Wiepenkathen Vizemeister, konnte aber nicht aufsteigen, weil die erste Mannschaft aus der Landesliga abgestiegen war.
„Es war eine lange, schwierige Saison“, sagt Zielesniak. Angeschlagen ging der TSV in das Relegationsspiel gegen den TSV Lamstedt in Hammah. Und gewann 2:0. „Dabei lief es überhaupt nicht rund“, erinnert sich Zielesniak. Er musste schon früh verletzungsbedingt wechseln. Und Pazer rieb sich als defensiver Sechser auf.
Der Aufsteiger musste den Ausfall von Taktgeber Manuel Detje kompensieren. Für den TSV ging es nur um den Klassenerhalt. Am 31. Spieltag verloren die Wiepenkathener ihr vorweggenommenes Endspiel gegen Geversdorf. Am Ende stiegen die beiden jetzigen Relegationsgegner zusammen ab.
„So eine Abstiegssaison muss eine Mannschaft auch erst mal wegstecken“, sagt Zielesniak. Der Anspruch war, mit diesem Team die Klasse zu halten. Es fehlten die wenigen, nötigen Prozentpunkte.
„Aber die Jungs haben daraus die Energie gezogen, das war der Ansporn für unseren guten Start in die jetzige Saison“, urteilt Zielesniak. Großes Kompliment, lobt er.
Zielesniak war aufgrund des Abstiegs zurückhaltend. Seine Vorgabe war, dass sich der TSV erst mal fangen und in der umkämpften Kreisliga - mit gleich drei Absteigern und anderen Favoriten - zurechtfinden müsse.
„Auf dem Papier waren für mich Bützfleth und Stade die Favoriten“, sagt Zielesniak. Bützfleth wurde bekanntlich auch Meister. Wie schon vor zwei Jahren spielten Stade und Wiepenkathen am letzten Spieltag um den Vizetitel, Stade setzte sich durch ein abermaliges Remis durch und darf wieder nicht aufsteigen aufgrund des Abstiegs der Ersten.
Dass Wiepenkathen aber überhaupt wieder Relegation spielen darf, war zwischenzeitlich nicht absehbar.

Durch den angesprochenen starken Saisonstart mit neun Siegen am Stück und der Widerstandsfähigkeit wurde der TSV Wintermeister. Drei Remis gegen Bützfleth, Lühe und die abstiegsbedrohten VSV II läuteten die erste Niederlage am 14. Spieltag gegen den ASC ein. Für Zielesniak war dies keine Schwächephase aufgrund der angespannten Personallage.
Nachdem Wiepenkathen dann am zweiten Spieltag nach der Winterpause in Immenbeck verloren hatte, wollte er nichts mehr vom Titelkampf wissen. „In unserer Lage wäre es vermessen, noch den Anspruch zu haben“, sagte er damals. Der TSV könne froh sein, wenn er die Personalnot übersteht und den Anschluss nicht komplett verliert.
Der TSV schaffte es. „Das kann eine Mannschaft aus der Bahn werfen, wenn sie so einen Vorsprung verspielt“, sagt Zielesniak, „die Jungs haben sich da aber rausgezogen, das spricht für ihren Charakter.“
Es wäre nach einer „schwierigen und guten Saison“ der unerwartete Triumph. „Es wird ein Duell auf Augenhöhe“, sagt Zielesniak. Geversdorf wurde Vizemeister mit großem Abstand auf die Cuxhavener Konkurrenz. Das Prunkstück ist die Offensive, aus der 20-Tore-Mann Fabian von Essen heraussticht. Der 24-Jährige spielte bis 2024 für D/A und durfte da sogar mit Kurzeinsätzen Regionalligaluft schnuppern.
„Wir haben die Saison mit fünf Siegen (auch gegen Meister Bützfleth) und einem Remis (Stade) beendet“, sagt Zielesniak. Die schweren Wochen hat der TSV Wiepenkathen überstanden. Jetzt muss das widerstandsfähige Team noch einmal alles investieren.