
Mit dem EM-Pokal in der Hand tanzten sie am Sonntag noch durch die Straßen von Belfast, einen Tag später saßen sie bereits wieder im Flugzeug Richtung Deutschland. Nach der Landung in Frankfurt wurden die frisch gebackenen U17-Europameisterinnen Fiona Itgenshorst und Mia Giesen auf dem DFB-Campus von Präsident Bernd Neuendorf empfangen.
Anschließend ging es mit dem Zug weiter nach Duisburg, wo sie nach drei Wochen Abwesenheit von ihren Familien abgeholt wurden. Doch nach Europameistertitel und Empfang folgte schnell die Rückkehr in den Alltag: Am Dienstag saßen beide schon wieder im Unterricht, aber von einem normalen Schulalltag konnte keine Rede sein: Unter großem Applaus, vorbei an einem langen Spalier und zahlreichen Mitschülern im Deutschland-Trikot wurden Mia und Fiona am Friedrich-Spee-Gymnasium empfangen – die EM-Medaille trugen beide dabei um den Hals.
Verratet doch zunächst einmal, weshalb die deutsche Mannschaft „Chilis“ genannt wird.
Fiona Itgenshorst Den Namen haben wir uns schon in der U16 gegeben. Die Chili ist scharf und schmeckt irgendwie auch ein bisschen ekelig. Genauso wollten wir spielen – mit scharfen Pässen und unangenehm für die Gegnerinnen.
Mia Giesen Außerdem haben wir noch zwei tierische Maskottchen: ein Krokodil und einen Wolf. Das Krokodil schlägt unberechenbar zu. Und der Wolf steht fürs Rudel.
Sind schon die ersten Angebote aus der Bundesliga ins Haus geflattert?
Beide Wir haben noch gar nicht in den Briefkasten geguckt.
Wie waren die Bedingungen vor Ort – Hotel, Trainingsplätze, Organisation?
Beide Da gab es wirklich nichts zu meckern. Es hat alles gepasst. Wir haben uns rundum wohlgefühlt.
Welchen Eindruck habt ihr von Land und Leuten mitgenommen?
Beide Belfast fanden wir als Stadt jetzt nicht so toll. Aber die Küste war richtig schön – leider hat es an dem Tag, als wir einen Ausflug dorthin unternommen haben, geregnet.
Wie sah ein typischer Tag zwischen den Spielen aus?
Fiona Meistens standen Regeneration, Besprechungen und lockeres Mannschaftstraining auf dem Plan. Zu den Plätzen wurden wir immer mit dem Bus gebracht.
Mia Wir hatten auch einen eigenen Koch dabei, der sich oft mit den irischen Köchen abgesprochen hat. Und für die Schule mussten wir natürlich zwischendurch auch etwas machen – dafür gab es Apps.
Und wie lief der Tag vor einer Abendpartie ab?
Beide Etwa vier Stunden vor dem Spiel wurde die Mannschaftsaufstellung bekannt gegeben. Die Gegnerbesprechung fand meistens schon am Tag davor statt. Wir waren immer bestens vorbereitet.
Ist der Gewinn der Europameisterschaft für Euch eine große Überraschung? Oder habt Ihr schon früh gemerkt, das alles möglich ist?
Beide Ganz ehrlich: Nach der Qualifikation haben wir zusammengesessen und gesagt, dass wir immer hundert Prozent geben und den Titel holen wollen.
Gab es im Verlauf des Turniers diesen einen entscheidenden Moment, der die Mannschaft zusätzlich beflügelt hat?
Fiona Das war eindeutig das Spiel gegen England.
Mia Das sehe ich genauso. Da wussten wir, dass wir im Halbfinale stehen und uns für die Weltmeisterschaft in Marokko qualifiziert haben. Damit hatten wir unser erstes Ziel erreicht und konnten anschließend endgültig befreit aufspielen.
Wie lautet das Erfolgsrezept der deutschen Mannschaft?
Mia Wir sind ein richtig verschworener Haufen. Die Bundestrainerin hat dazu viel beigetragen. Wir haben uns auf und neben dem Platz super verstanden.
Wie habt Ihr die letzten Minuten im Finale gegen Frankreich erlebt?
Fiona Einfach alles reinhauen, was noch ging, alles wegverteidigen. An mehr habe ich gar nicht gedacht.
Mia Wir auf der Bank sind komplett verrückt geworden und haben jede gelungene Aktion laut gefeiert.
Wann ist Euch eigentlich klar geworden, dass Ihr wirklich Europameisterinnen seid?
Beide Das ist uns eigentlich bis heute noch nicht so richtig bewusst. Aber abends, wenn man Ruhe hat und Fotos von der EM sieht, macht einen das schon stolz und glücklich.
Wie wurde nach dem Finale gefeiert?
Beide Das war schon heftig. Das ging auf dem Platz los und in der Kabine weiter. Im Hotel haben wir mit Familie und Fans gefeiert und zusammen gegessen. Danach haben wir unter uns die ganze Nacht durchgemacht – geschlafen wurde nicht.
Wie war der Empfang in der Heimat?
Beide Wir sind montags nach Deutschland geflogen und in Frankfurt gelandet. Auf dem Campus gab es dann einen Empfang mit dem DFB-Präsidenten.
Welche Ehrungen oder Termine stehen noch an?
Fiona Ich war schon bei Bürgermeisterin Iris Itgenshorst und durfte mich ins Goldene Buch der Gemeinde Kerken eintragen.
Mia Bei mir steht die gleiche Ehrung in zwei Wochen in Issum an.
Im Herbst findet die Weltmeisterschaft in Marokko statt. Beschäftigt euch das schon?
Beide Der nächste Lehrgang findet erst im August statt. Die Freude, alle Mitspielerinnen wiederzusehen, ist schon jetzt riesig. Es klingt wie eine Floskel, aber wir konzentrieren uns immer auf unser eigenes Spiel. So war es in Nordirland – und so wollen wir es auch in Marokko machen.
Wie sehen die nächsten Wochen und Monate aus – Schule, Führerschein, Borussia?
Beide In der Schule stehen jetzt erst einmal wichtige Klausuren in Mathe, Deutsch und Englisch an. Den Führerschein fürs begleitete Fahren haben wir schon. Und bei Borussia startet am 29. Juni die Vorbereitung – vorher kommen noch die Laufpläne.