Meist mit mehreren Gegenspielern hat es TSV-Torjäger Sandro Hösl (in Gelb-Schwarz) zu tun, dennoch netzt er unverändert häufig ein.
Meist mit mehreren Gegenspielern hat es TSV-Torjäger Sandro Hösl (in Gelb-Schwarz) zu tun, dennoch netzt er unverändert häufig ein. – Foto: Dagmar Nachtigall

Die Steinwaldelf – ohne Zweifel ein Überraschungsteam

Rückblick Kreisliga Nord: Nach geführtem Überlebenskampf in der letzten Saison spielt der TSV Erbendorf aktuell im Konzert der Ambitionierten mit

Der TSV Erbendorf gehört in der aktuellen Spielzeit 2022/23 ohne Zweifel zu den positiven Überraschungen im Klassement der Fußball-Kreisliga Nord. In der vergangenen Spielzeit noch zeitweilig in den Abstiegskampf verwickelt, rangiert die Steinwald-Elf vor Beginn der Restrückrunde im März auf einem beachtlichen zweiten Tabellenplatz. Mit nur zwei Zählern Rückstand auf Tabellenführer FC Vorbach – den man übrigens zum Auftakt am 19. März gleich zuhause empfängt – hat man noch sehr gute Karten, um noch kräftig um die Plätze, die den Aufstieg in die Bezirksliga ermöglichen, mitzumischen.

TSV Erbendorf (2. Platz, 10/3/4, 41:30 Tore)

Als eine der wenigen Mannschaften des Spielkreises Amberg/Weiden wollte sich bei den Verantwortlichen der Gelb-Schwarzen niemand auf ein konkretes Saisonziel festlegen. Eine Spielzeit ohne den großen Druck wollte man spielen und einfach besser abschneiden als in der vergangenen Saison. Dass es bisher so ausgesprochen gut laufen würde, damit wäre nicht zu rechnen gewesen, erklärte Coach Roland Lang in einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Dass man nun natürlich weiter Höhenluft schnuppern wolle, ist klar, würde aber schwierig werden. Denn von allen ambitionierten Teams des oberen Tabellendrittes würden auf den TSV noch die schwierigsten Aufgaben warten, so der Erbendorfer Chefanweiser weiter.

In der Tat, schon das Auftaktprogramm nach Beendigung des „Winterschlafs“ hat es in sich. Nach den Partien gegen den FC Dießfurt, die DJK Weiden, den SV Kulmain und den FC Tremmersdorf wird man wissen, wohin der Weg der Steinwaldelf in der Rest-Saison noch führt. Wolle man wirklich bis zum Ende mit um Platz 1 und 2 kämpfen, wäre gegen jeden Gegner das volle Potenzial abzurufen. Denn die Liga wäre bis auf ein, zwei Mannschaften, die am Tabellenende doch zurückgefallen sind, sehr ausgeglichen. Jeder könne jeden schlagen, es gäbe keine Ausnahmemannschaft, die vorne einen Alleingang starten würde, sagt der 53-jährige bei der Bundeswehr tätige Berufssoldat Lang.

Ein Schlüssel für das Schwimmen auf der Erfolgswelle ist sicher die brandgefährliche „Abteilung Attacke“ um den seit Jahren die gegnerischen Abwehrreihen in Angst und Schrecken versetzten Top-Goalgetter Sandro Hösl, der in den bislang 17 Matches schon wieder 19 Mal eingelocht hat. Mit seinem Cousin Bastian Wiesent hat Hösl einen kongenialen Partner an der Seite, der ein ebenfalls wichtiger Faktor im sehr gut funktionierenden Umschaltspiel nach Ballgewinn wäre. Da würde schon richtig die Post abgehen, schwärmt Lang.

Vor allem in der Fremde schlägt der TSV eine scharfe Klinge, führt nicht umsonst Auswärtstabelle der Liga an. Probleme hätten die Seinen allerdings, wenn sich ein Gegner einigelt und man das Spiel machen müsse. Doch könne sich eine Heimmannschaft nicht auf Dauer hinten reinstellen, wenn man dann Raum hätte, kämen die Qualitäten zur Geltung, so der TSV-Übungsleiter. Eine Schraube an der in der Vorbereitung gedreht werden muss, ist da eher das Toreverhindern. Denn mit 30 Gegentoren hat man die meisten aller Teams an der Tabellenspitze kassiert.

Nicht mehr mithelfen, am Saisonende vielleicht sogar ganz oben zu stehen, wird Torhüter Michael Heisig. Der schon in Etzenricht, Amberg und Weiden in höheren Ligen zwischen den Pfosten stehende Schlussmann hatte dem TSV in einer Notlage geholfen, als man keinen einzigen einsatzbereiten Torhüter mehr hatte und hütete das Erbendorfer „Heiligtum“ für sieben Matches. Abteilungsleiter Stefan Klamt ist ihm für seine spontane Entscheidung, auszuhelfen, sehr dankbar: „Mittlerweile ist klar, dass Michl – so wie es von Anfang besprochen war – nach dem Winter nicht bei uns weitermachen wird. Da es ihm beim TSV super gefallen hat und auch der sportliche Erfolg da war, gab es seinerseits die Überlegung, entgegen der ursprünglichen Vereinbarung bis zum Saisonende weiter zu machen. Wir wären grundsätzlich auch bereit gewesen, das zu machen. Da er aber nun bei der Bundeswehr versetzt wurde, wäre der Aufwand für die Fahrerei zu groß gewesen und wir haben die Zusammenarbeit in beidseitigem Einvernehmen beendet. Somit wird nach der Winterpause wieder unser angestammter Torhüter Christian Dumler, der seinen Bänderriss auskuriert hat, zwischen den Pfosten stehen. Michl hat sich in den paar Wochen in Erbendorf vorbildlich verhalten, war sofort integriert und trug zur Erfolgsserie im Herbst bei. Das akute, große Keeper-Problem konnten wir im September mit seiner Verpflichtung optimal lösen, wir sind ihm für seine Bereitschaft, einzuspringen zu Dank verpflichtet“, so der Erbendorfer Fußballboss.

TSV-Coach Roland Lang stellte sich nun für ein Interview mit FuPa zur Verfügung. Aufgeräumt und zufrieden blickt er zurück auf das Geleistete und schaut optimistisch nach vorne auf die restlichen Partien, obwohl die mit Sicherheit nicht ohne sind.

Roland, kurze Einschätzung des bisherigen Saisonverlaufs, seid ihr zufrieden?

Roland Lang (53): Wir sind mit dem Saisonverlauf sehr zufrieden, hätte doch niemand gedacht, dass wir nach der letzten Saison in diesem Jahr auf Platz 2 überwintern.

Was habt ihr euch für die Restrückrunde vorgenommen?

Haben uns vorgenommen, wie bisher, von Spiel zu Spiel schauen und so viele Punkte zu holen wie möglich. Im besten Fall wollen wir natürlich den Platz halten.

Wird es im Winter personelle Veränderungen geben?

Zwei Spieler aus der Jugend, die bereits voll mittrainiert haben und im Januar 18 Jahre alt werden, stoßen zum Kader dazu. Beruflich bedingt wird uns Michael Heisig, der uns ja in der Not geholfen hat, als wir keinen einzigen einsatzfähigen Keeper mehr hatten, wieder verlassen. Ansonsten gibt es keine großen Veränderungen.

Wann beginnt die Vorbereitung und wie wird sie in groben Zügen aussehen?

Wir haben bereits am 14. Januar begonnen, zunächst stehen bis 11. Februar Einheiten in der Halle und auch Spinningeinheiten auf dem Programm. Ab Mitte Februar wollen wir dann – wenn es uns das Wetter erlaubt – auf den Platz. Anfang März ist ein Trainingslager in Bischofsgrün geplant.

Wo gibt's noch Verbesserungsbedarf im Spiel euerer Mannschaft?

Insgesamt konstanter werden, verbessern können wir uns in allen Bereichen. Hinten sollten wir weniger Gegentore bekommen und in der Offensive unsere Chancen noch besser verwerten.

Welches Team in der Liga hat bislang positiv, welches negativ überrascht?

Positiv haben mich Kohlberg, Eslarn und Vorbach überrascht, negativ der SV Plößberg.

Wer wird wohl am Ende ganz oben stehen, wer, meinst du, wird vermutlich die Liga verlassen müssen bzw. bis zum Schluss um den Abstieg kämpfen und wo wird sich euere Truppe in der Abschlusstabelle wiederfinden?

Wer in der Kreisliga zum Schluss oben steht, ist momentan nicht vorhersehbar. Ich denke Vorbach, Kulmain, Schirmitz, Tremmersdorf oder Erbendorf werden die Verteilung der ersten beiden Plätze unter sich ausmachen. Absteigen werden wohl Mantel und Plößberg.

Werdet ihr euer vor der Saison formuliertes Saisonziel erreichen?

Wir hatten ja ein konkretes Saisonziel nicht ausgegeben. Für uns war wichtig, eine stressfreie Saison zu spielen und das haben wir ja bereits erreicht.

Heißt der Coach beim TSV nach derzeitigem Stand auch in der kommenden Saison Roland Lang?

Ja, ich habe um ein Jahr verlängert (wir berichteten).

Aufrufe: 025.1.2023, 10:00 Uhr
Werner SchaupertAutor