
Aufgrund seines fußballerischen Talents in einem Atemzug mit Jamal Musiala genannt zu werden, ist vergleichbar mit einem Adelstitel. Den trägt Bright Akwo Arrey-Mbi nun schon seit Juli 2019, als Nachwuchschef Jochen Sauer den Wechsel der damals 16-Jährigen zum FC Bayern München so kommentierte: „Mit Jamal und Bright haben wir zwei hoffnungsvolle Talente für unsere Nachwuchsteams gewinnen können.“
Zugegeben, auf Augenhöhe sind die beiden nicht mehr: Während Musiala, mit den Bayern gerade ins Viertelfinale der milliardenschweren FIFA Klub-WM eingezogen, gemeinsam mit Florian Wirtz die Zukunft des deutschen Fußballs verkörpert, saß Arrey-Mbi beim portugiesischen Erstligisten Sporting Braga seit Ende Februar zumeist auf der Tribüne. Das allerdings könnte sich schon sehr bald ändern, denn hinter dem 22-Jährigen liegt eine starke U21-EM. Von Nationaltrainer Antonio di Salvo trotz komplett fehlender Einsatzzeiten nominiert, stand der mit einer herausragenden Physis ausgestattete Verteidiger, über den Bayern-Profi und Nationalmannschaftskapitän Joshua Kimmich einst sagte: „Bright ist schon ein Biest“, in der Slowakei fast immer in der Startelf – natürlich auch im Finale, das gegen England erst in der Verlängerung mit 2:3 verloren ging.
Was der im kamerunischen Kumba geborene Junge drauf hat, ahnte Markus Stenten, sein Trainer bei der SG Kaarst bis 2014, schon vor den Bayern. „Er kam in der F-Jugend zu uns und konnte noch nicht wirklich viel mit dem Ball anfangen“, erinnert sich der Steuerberater noch gut an die Anfänge. „Aber dann hat er sich überragend entwickelt. Die Verbindung von fußballerischer Qualität und körperlichen Voraussetzungen ließ erahnen, was für ein Potenzial in ihm steckt.“
Gegen einige Widerstände brachte er seinen Schützling im Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach, wo er zunächst genauso durchgefallen war wie bei Fortuna Düsseldorf, unter. Doch das Trikot mit der Raute trug Arrey-Mbi nie. Seine auf der Insel beruflich engagierte Mutter nahm ihn im Sommer 2014 mit nach England, wo sein Vater als Anwalt praktizierte. Dort ging es für ihn über die Stationen Bedford FC und Norwich City zunächst zum großen FC Chelsea und dann zur U19 von Bayern München.
An der Isar schlug er prächtig ein, nahm im Januar 2020 mit erst 16 Jahren am Wintertrainingslager der Profis teil. Am 1. Dezember 2020 lief er unter Trainer Hansi Flick in der Champions League bei Atlético Madrid (1:1) als Linksverteidiger auf. Bei seinem Königsklassen-Debüt war er 17 Jahre und 250 Tage alt und damit sogar noch einen Tag jünger als sein Kumpel Musiala. Aber so strahlend ging es nicht weiter: Beim 1. FC Köln wurde er nicht glücklich, beim Zweitligisten Hannover 96, an den ihn die Bayern für sehr moderate 600.000 Euro abgegeben hatten, schaffte erst im zweiten Jahr den Durchbruch.
Dem auch schon mal in der Champions League tätigen SC Braga waren die Dienste des Innenverteidigers im vergangenen Sommer immerhin die Ablösesumme von 6,2 Millionen Euro wert. Dass ihn Coach Carlos Carvalhal im Winter aussortierte, traf ihn wie ein Schock. Ihm sei bis heute nicht klar, was das Problem gewesen sei, erklärt er während der EM.
Die Einsätze in der Slowakei und das von Antonio di Salvo in ihn gesetzte Vertrauen haben ihm darum besonders gut getan. Im Halbfinale gegen Frankreich (3:0) meldete er den kürzlich für 35 Millionen (zuzüglich möglicher Bonuszahlungen von bis zu 5 Millionen) von Bayern München zu Tottenham Hotspur gewechselten Mathys Tel ab. Kein Nachteil ist sicher auch, dass Carvalhal in Braga seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Sein Nachfolger ist Carlos Vicens, der zuvor Teil des Trainerstabs von Pep Guardiola bei Manchester City war.
In Kaarst drückt Stenten seinem ehemaligen Spieler, der schon als Jugendlicher von zu Hause ausgezogen war und in einer Gastfamilie lebte, ganz fest die Daumen, „denn Bright ist ein supernetter Kerl. Er hat verstanden, dass ihm nichts in den Schoß fällt und er für alles hart arbeiten muss.“
Geboren 26. März 2003 in Kumba/Kamerun), mit 6 Jahren Umzug nach Deutschland (Kaarst)
Vereine als Nachwuchsspieler SG Kaarst (2009 bis 2014), Bedford FC (2014), FC Chelsea (2014 bis 2019, innerhalb dieser Zeit Pflichtspiele für Leicester City, West Ham United und Wolverhampton Wanderers), FC Bayern München (2019 bis 2020)
Vereine als Profi FC Bayern München (2020 bis 2020, innerhalb dieser Zeit Leihe an 1. FC Köln), Hannover 96 (2022 bis 2024), Sporting Braga (seit Sommer 2024, Vertrag bis 30. Juni 2029)
Nationalmannschaft 2018 England U15 (8 Spiele/0 Tore), 2018 bis 2019 Deutschland U16 /6/0), 2019 bis 2020 Deutschland U17 (9/0), 2021 bis 2022 Deutschland U19 (9/0), 2023 bis 2025 Deutschland U21 (17/1)