
Hennes Weisweiler, Gladbachs legendärer Meistertrainer, wäre in diesem Jahr 105 Jahre alt geworden. Am Freitag hat die Saison begonnen, die in einem für Borussia bemerkenswerten Jubiläumsjahr mündet: Der Klub, den Weisweiler mit seiner Fohlenelf prägte, wird 2025 125 Jahre alt und hatte vor 50 Jahren seine größte Saison, die zugleich das Finale der Weisweiler-Ära war. Zum dritten Mal Meister und erstmals Uefa-Cup-Sieger wurde Gladbach, nach dem 5:1-Finalsieg in Enschede gab Weisweiler bekannt, dass er gehen würde zum FC Barcelona.
Seit 1991 pflegt die Weisweiler Elf, Borussias Traditionsmannschaft, das Gedenken an den Trainer, dessen Namen sie trägt – immer wieder erneuert sie sich, inzwischen ist die sechste Generation von ehemaligen Borussia-Profis am Ball. Ewald Lienen, der letzte Aktive aus den goldenen 70ern, hat ebenso aufgehört wie Peter Wynhoff, einer der Pokalsieger von 1995. Doch der „Nachwuchs“ steht bereit.
Marcel Ndjeng, Michael Delura, Eugen Polanski, jetzt U23-Trainer, und der aktuell nach seiner Knie-OP verhinderte Oliver Neuville, spielten in den Anfangsjahren der Borussia-Park-Zeit für Gladbach, Mike Hanke, Filip Daems, Roel Brouwers, Raffael, Martin Stranzl und Torwart Christofer Heimeroth, der im Juni sein Debüt gab, vertreten Borussias Europapokal-Generation der Moderne.
Patrick Herrmann, der soeben seine Karriere beendet hat, wird, wenn er von seiner Knie-OP genesen ist, dazu kommen, ebenso wie Tony Jantschke, neuerdings Trainer-Azubi, das ist abgemachte Sache. „Sie haben uns zugesagt“, sagt Jörg Jung, neben Wynhoff und Karlheinz Pflipsen einer der Geschäftsführer der Weisweiler Elf. Auch Rekordkapitän Lars Stindl, der in diesem Jahr ebenfalls aufgehört hat, soll künftig mittun, wenn es seine Jobs als Co-Trainer der U20 des DFB und TV-Experte es zulassen.
Die Weisweiler Elf kann Umbruch. „Die neue Generation ist bei uns angekommen“, sagt Jung. „Dass die Jungs nach ihrer Karriere zu uns kommen, zeigt den Wert der Weisweiler Elf. Bei uns können sie mit Freude kicken und man kann viel über alte Zeiten plaudern, das macht es aus. Natürlich wird auch die aktuelle Borussia analysiert“, sagt Jung. Aktuell umfasst der Kader des Traditionsteams knapp 30 aktive Spieler.
Bis zum Jahresende sind noch 20 Spiele angesetzt. Am 7. September gibt es ein Novum. „Wir spielen mit einer Gruppe beim Beachsoccer-Turnier in Norddeich, Vier gegen Vier, das hatten wir so noch nicht“, berichtet Jung. Der Hamburger SV, Borussia Dortmund, Schalke 04 und Werder Bremen machen da unter anderem mit. Dass die Brasilianer Raffael und Chiquinho wohl für die Weisweiler Elf dabei sein werden, liegt auf der Hand auf diesem Untergrund. Parallel tritt eine Abordnung beim SC Waldniel an.
Für die Fans ist es stets ein Fest, die Alt-Borussen spielen zu sehen. „Die Fans schwelgen dann in den guten alten Zeiten. Mache sagen: Spielt ihr doch in der Bundesliga“, sagt Jung. „Die können es noch“, wird oft am Rande geraunt, und meist bekommen die Gegner das auch zu spüren.
Wie zuletzt beim Spiel gegen ein Allstar-Team in Gerderath. 2:0 stand es zur Pause, dann legten die Ex-Profis noch mal zu und siegten 9:0. Klar, dass zwischendurch auch mal gezaubert wird. „Wichtig ist aber auch die dritte Halbzeit, der Kontakt zu den Fans nach den Spielen“, sagt Jung. Die Weisweiler Elf bietet Stars zum Anfassen, Autogramme, Selfies, kurze Gespräche, all das gibt es inklusive.
Gerade, wenn es bei den Profis nicht gut läuft wie in der vergangenen Saison, ist die Weisweiler Elf ein Werbefaktor für den Klub. Die Traditionsmannschaft steht immer für die guten Zeiten des Klubs, auch wenn der Blick zurück sicherlich zuweilen verklärt ist. Für die Fans sind da Spieler, die für Borussia stehen. „Es ist sicherlich ein Vorteil, dass viele Spieler vergleichsweise lange in Gladbach spielen und sich stark mit Borussia identifizieren. Oft bleiben sie auch nach der Karriere im Umfeld des Klubs und entscheiden sich dann, für uns zu spielen“, sagt Jung.
Bei Borussias Auftaktgegner vom Freitag, Meister Bayer Leverkusen, spielten zwei Herren mit, die Jung auch schon als mögliche Weisweiler Elf-Kandidaten im Auge hat: Granit Xhaka und Jonas Hofmann. Der eine war vier, der andere siebeneinhalb Jahre Borusse. „Das werden dann sicher harte Verhandlungen mit Bayers Traditionsmannschaft“, sagt Jung und grinst.