
Der brütend heiße Sonntagnachmittag hat vermutlich für alle Weyarner Kicker den Rahmen für das Spiel ihres Lebens gegeben. Sehr wahrscheinlich das einzige Mal durften die Klosterdörfler gegen den großen TSV 1860 München antreten und hielten sich lange durchaus wacker.
Trotz der Aufforderung von Stadionsprecher Michael Eham („Einigen wir uns auf ein Unentschieden!“) gewann der Drittligist klar mit 15:0. „Es war großartig, gegen Sechzig spielen zu dürfen“, freut sich Weyarns Trainer Michael Hub. „Ihr glaubt gar nicht, welche Freude ihr meinen Spielern damit gemacht habt.“
Für den TSV 1860 München ist es zum 100-jährigen Jubiläum des TSV Weyarn ein willkommenes Testspiel gewesen. Nicht zuletzt, weil auch die prominenten Neuzugänge um Kevin Volland, der von Union Berlin an die Grünwalder Straße gewechselt ist, oder Florian Niederlechner, der von Hertha BSC zu den Blauen kam, dabei waren. Volland spielte übrigens in der ersten Hälfte, Niederlechner in der zweiten. Und beide trafen auch. „Jeder Spieler hat schöne Spielfreude gezeigt“, resümiert 1860-Trainer Patrick Glöckner. „Die Mannschaft hat das gut gemacht.“
Für einen im Weyarner Trikot dürfte es ein ganz besonderes Spiel gewesen sein: für Alexander Fauck. „Als ich auf die Welt gekommen bin, wurde ich gleich Mitglied bei den Sechzgern“, schwärmt er. „Das ist das größte Spiel für mich. Da kommt kein Aufstiegsspiel und keine Relegation ran.“ Immerhin machte sein TSV Weyarn vor wenigen Wochen erst den Aufstieg und damit die Rückkehr in die Kreisklasse perfekt. Nervös sei Fauck übrigens nicht gewesen. „Es war nur die pure Freude“, betont er, auch wenn es gerade bei den tropischen Temperaturen am Weyarner Fußballplatz mächtig Körner gekostet hat. „Sehr anstrengend war es“, gesteht Fauck. „Die Sechzger-Spieler waren alle absolut freundlich, aber die machen alles viel, viel schneller als wir.“

Da hatten es die 2060 Zuschauer in Weyarn durchaus besser. Denn: Kulinarisch war alles geboten. Es gab mehrere Grill- und Getränkestände oder eine Pasta-Station sowie Kaffee, Kuchen und Eis vor allem für die zahlreichen Kinder. Kurzum: alles, was das kulinarische Herz begehrte. „Wir sind sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist. Es war eine super Stimmung“, freut sich Cheforganisator Thomas Spiesl. „Während dem Spiel haben wir noch sämtliche Getränkemärkte leergekauft“, sagt er und muss lachen.
Ob es ein Ziel für den TSV Weyarn bei diesem besonderen Spiel gegeben hätte? „Ja, wir wollten pro zehn Minuten nur ein Tor kassieren“, berichtet Weyarns Fauck und fügt an: „In keinem Fall aber mehr als zwanzig.“ Daran hatte auch Weyarns Keeper in Hälfte eins, Peter Biechl, einen erheblichen Anteil. Auch er ist ein Blauer durch und durch. „Es hat mich so sehr gefreut, vor so vielen Leuten zu spielen“, betont er. „Ich habe früher auch mal in Sechzig-Bettwäsche geschlafen“, sagt er und muss lachen. Konnte er auch, denn es sei nicht wichtig gewesen, „wie viele Tore wir kassieren, jeder sollte einfach nur großen Spaß haben.“
Den hatte nicht nur der Keeper, sondern auch die zahlreichen Zuschauer am Weyarner Fußballplatz. Welches Trikot sich beide Weyarner 60er-Fans im Anschluss übrigens schnappten, das wollten sie nicht verraten. Nur so viel: Das Lachen und das Grinsen war nicht nur den beiden, sondern sehr vielen Zuschauern anzusehen bei diesem besonderen Spiel. Und das, obwohl dem TSV aus Weyarn der Ehrentreffer nicht vergönnt war.

