
Ein eher theoretisches Szenario hat seit dem Wochenende ein Detail erfüllt, dass es nun tatsächlich wahrscheinlicher macht als zuvor: Der SC Wiedenbrück ist in der Regionalliga West nach seinem 1:0-Siegtreffer in der Nachspielzeit in Rödinghausen an Schlusslicht SSVg Velbert und dem Vorletzten Wuppertaler SV vorbeigezogen und steht nun auf Rang 16. Auch das ist im Normalfall ein Abstiegsplatz, es ginge dann für Wiedenbrück in die Oberliga Westfalen.
Außer, der zweite Teil des ursprünglich theoretischen Szenarios erfüllt sich auch noch: Steigt Fortuna Düsseldorf aus der 2. Bundesliga ab, müsste ihre zweite Mannschaft, die den Klassenerhalt in der Regionalliga West sportlich erreicht hat, dennoch die Spielklasse nach unten verlassen. Das regeln die Statuten: Ein Verein kann nicht eine Mannschaft in der 3. Liga und eine Zweitvertretung in der Regionalliga haben.
So würde die Düsseldorfer U23 bei einem Abstieg der Profis ans Tabellenende der vierten Liga rücken, was in der aktuellen Konstellation Wiedenbrück retten würde - und zu drei Absteigern in die Oberliga Niederrhein führen würde. Aus der müssten dann wiederum vier Mannschaften in die Landesliga absteigen, aktuell träfe es zusätzlich zum bereits abgestiegenen Schlusslicht SV Biemenhorst noch den VfB Homberg, den 1. FC Kleve und den FC Büderich auf Platz 15.
Die Profi-Teams aus Wiedenbrück und aus Düsseldorf verschärfen also den Abstiegskampf in der Oberliga - nicht nur für die genannten Klubs, sondern für die halbe Liga. Denn selbst der Tabellen-Neunte in der höchsten Amateur-Spielklasse, der SV Sonsbeck, ist mit seinen aktuell 39 Punkten keineswegs gesichert, bei noch drei ausstehenden Spieltagen und fünf Zählern Vorsprung auf den möglichen Abstiegsplatz 15.
Mittendrin stehen auch die Sportfreunde Baumberg als Tabellen-Elfter und der 1. FC Monheim als 14., die beide am Wochenende nicht gewannen. Was in der Oberliga - anders als in den Profiligen - noch erschwerend hinzukommt, ist, dass die Wertung über die Auf- und Abstiegsplätze am Saisonende bei Punktgleichheit nicht anhand der Tordifferenz vorgenommen wird, sondern anhand des direkten Vergleichs. Das soll Absprachen an den letzten Spieltagen verhindern, aber ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, sei einmal dahingestellt.
Monheim beispielsweise hat mit minus 10 das klar bessere Torverhältnis als Büderich mit minus 19, hat aber beide Ligaspiele gegen diesen Gegner verloren und würde deshalb bei Punktgleichheit hinter ihn fallen, sollte es um einen Abstiegsplatz gehen - was bei Rang 15 dann der Fall würde, sollte Fortuna aus Liga zwei absteigen und Wiedenbrück in der Regionalliga vor Wuppertal und Velbert bleiben. Sollten die Monheimer also etwa ihr Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den SC St. Tönis unentschieden spielen, die Büdericher aber ihr Derby zu Hause gegen den TSV Meerbusch gewinnen, wären beide Teams tatsächlich punktgleich.
Immerhin wüssten sie dann am Sonntagnachmittag möglicherweise schon, ob Rang 15 ein Abstiegsplatz wird oder Fortuna Zweitligist bleibt. Die Düsseldorfer, selbst Tabellen-15. in Liga zwei, haben da ab 15.30 Uhr ihr letztes Saisonspiel, den Kellerkracher gegen den Vorletzten SpVgg Greuther Fürth, und können dabei den Klassenerhalt schaffen. Angesichts dessen, dass die Fortuna Anfang März zuletzt ein Auswärtsspiel gewann, beim 1:0 in Nürnberg, können trotz des zuletzt souveränen 3:1-Heimsieges gegen den Tabellenzweiten SV Elversberg Zweifel daran nicht vollends ausgeräumt werden.
Möglich ist - übrigens auch neben einem direkten Abstieg der Fortuna in Fürth - auch ihr Abrutschen auf den Relegationsrang 16. Die Spiele um den Klassenerhalt gegen den Tabellendritten der 3. Liga - da steht aktuell der MSV Duisburg punktgleich vor Rot-Weiss Essen - finden am Freitag, 22. Mai, und Dienstag, 26. Mai, statt, und demnach vor den beiden letzten Saisonspielen der Oberliga. Denkbar also, dass die Fünftligisten erst kurz davor wissen, ob Rang 15 bei ihnen zum Klassenerhalt reicht.
Und dann gibt es am letzten Oberliga-Spieltag noch die Konstellation, dass die Sportfreunde Baumberg in Büderich antreten - sollten die beiden beim Saisonfinale punktgleich sein und einer von ihnen auf einem möglichen Abstiegsplatz stehen, würde Büderich ein Unentschieden reichen, um an Baumberg vorbeizugehen, da es das Hinspiel 2:1 gewonnen hatte. Aktuell haben die Sportfreunde drei Punkte Vorsprung - wie auch die Adler Frintrop. Die hatten gegen Büderich daheim 3:2 gewonnen, aber auswärts 2:3 verloren, womit der direkte Vergleich ausgeglichen ist. Sollte es zwischen diesen beiden Teams Punktgleichheit um einen Abstiegsplatz geben, müssten Entscheidungsspiele her.
Dieses Szenario droht auch dem Führungsduo Ratingen 04/19 und VfB 03 Hilden - beide gewannen das Auswärtsspiel, das Torverhältnis lautet 6:6. Sollten die Hildener den einen Zähler Rückstand auf die Ratinger wettmachen, ginge die Titeljagd in die Verlängerung. Aber was oben wie unten in der Oberliga gilt: Es sind noch neun Punkte zu vergeben.