
Transfer-Coup für die Schaltzentrale der Löwen: Thore Jabobsen (27) kommt ablösefrei. Eine Vertragsverlängerung von Tim Rieder (30) wird dadurch unwahrscheinlich.
Halbzeit in der Sommerpause des TSV 1860 – und der Sport sendet zumindest wieder kleinere Lebenszeichen inmitten des politischen Tohuwabohu. Drei NLZ-Talente wurden am Dienstag befördert (wir berichteten), Freiburg-Rückkehrer Niki Lang nach Sandhausen weitergelobt. Der Kader 2024/25 nimmt Konturen an, denn seit gestern ist auch Sportchef Christian Werners siebter Transferstreich perfekt. Unsere Redaktion kennt den Namen: Thore-Andreas Jacobsen (27). Der frühere DFB-Nationalspieler (U15 bis 20), ausgebildet bei Werder Bremen, kommt von Zweitligist SV Elversberg. Im Aufstiegsjahr der Saarländer schnitt der Schleswig-Holsteiner in der Rangliste des kicker als drittbester defensiver Mittelfeldspieler ab. Ein Toptransfer, wenn man bedenkt, wie sparsam der Vorjahrs-15. künftig haushalten muss.
Löwen-Fans dürfte der Name Jacobsen seit dem 8. Spieltag der vorletzten Saison ein Begriff sein. Als Tabellenführer vor Elversberg wurden Michael Köllners Himmelsstürmer (Startrekord) im Duell Topfavorit vs. Neuling ordentlich gestutzt. Jacobsen zog im Elversberger Mittelfeld die Fäden, überzeugte mit der nordisch-kühler Ausstrahlung eines Strategen und verwandelte auch den Strafstoß zum 3:0, der das Spiel frühzeitig entschied (Endstand 4:1). Im Aufstiegsjahr der Saarländer fehlte Jacobsen nur einmal (Gelbsperre), glänzte mit einem für einen Sechser immensen Offensivdrang (sechs Tore, sechs Assists). Auch im abgelaufenen Zweitligajahr des SVE konnte Jacobsen sein hohes Niveau halten, bestritt 30 von 34 möglichen Spielen und hatte mit fünf Torbeteiligen seinen Anteil am guten elften Platz des Aufsteigers. In der Rückrunde rutschte Jacobsen allerdings in die Joker-Rolle, was seinen Wunsch nach einer Luftveränderung verstärkt haben dürfte.
Die erhält er nun beim TSV 1860, der sich auf einen ablösefreien Führungsspieler freuen darf. Die Schattenseite aus Sicht der Fans: Eine Vertragsverlängerung mit Platzhirsch Tim Rieder (30) dürfte durch den Jacobsen-Deal unwahrscheinlich geworden sein. Denkbar, dass Rieder nun nach Saarbrücken wechselt, wo auch Jacobsen im Gespräch war. Auch weitere Mittelfeld-Transfers, etwa eine Rückholaktion von Marius Wörl (Quelle: db24), sind für 1860 nun kaum noch zu finanzieren. Das defensive Mittelfeld, eine der Schlüsselpositionen im modernen Fußball, steht. Jacobsen ist auf der Sechs gesetzt, Marlon Frey wird ihn ergänzen oder sein Backup sein (je nach System). Neben dem genannten Duo käme auch der offensiv(er) denkende Halle-Zugang Tunay Deniz (30) als Sechser infrage – oder einer der aufgerückten Junglöwen: Moritz Bangerter (19), Tim Kloss (20), vielleicht sogar der aus der U19 hochgezogene Sean Dulic (18).
Den 14 Abgängen der Löwen stehen somit sieben Neuzugänge gegenüber. Das stark reduzierte Budget für den Drittliga-Spielbetrieb dürfte somit weitgehend ausgeschöpft sein. Leidglich nach einem zweiten Rechtsverteidiger (neben Lukas Reich, 17) halten die Löwen weiterhin Ausschau. Denkbar wäre ein Leihgeschäft. Kräfte und Ressourcen bündeln lautet das Gebot der Stunde, das man auch anderswo künftig zu spüren kommen wird. Unsere Redaktion weiß: Auch auf der Geschäftsstelle wird es (schmerzhafte) Einschnitte geben, insbesondere in der bisher mit vier Personen besetzten Pressestelle.