
DFB-Lehrwart Lutz Wagner spricht in Warngau zur Schiedsrichtergruppe Bad-Tölz Wolfratshausen.
Warngau/Landkreis – Diesen Vortrag werden die Unparteiischen der Schiedsrichtergruppe Bad Tölz, zu der auch die Referees aus dem Kreis Miesbach gehören, so schnell wohl nicht vergessen. Mit DFB-Lehrwart Lutz Wagner sprach im Warngauer Gasthof zur Post eine Schiedsrichter-Legende zu den rund 50 Gästen und erzählte nicht nur einige Anekdoten aus seinen 18 Jahren als Bundesliga-Schiedsrichter, sondern gab den jungen Referees auch wichtige Tipps mit.
„Der Schiedsrichter sollte das Spiel zwischen sich und den Assistenten haben, dann hat man zwei Blicke auf die Situation“, empfahl Wagner. Mit zahlreichen Video-Clips untermalte er seinen Vortrag und gab den Schiedsrichtern einige Schlagwörter mit auf den Weg: „Erahnen, erkennen, bewerten und entscheiden – in dieser Reihenfolge.“ Das sei auf dem Feld der beste Weg für einen Unparteiischen. Und weiter: „Ehrlichkeit währt am längsten. Wenn man einen klaren Fehler gemacht hat, muss man diesen zugeben und dazu stehen.“
Zu seinem Leitfaden gehören nicht nur die richtige Vorbereitung auf ein Spiel, sondern unter anderem auch das Erkennen von Gruppenstrukturen, das Automatisieren, das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz sowie keine Angst vor den eigenen Fehlern. „Es gibt keine fehlerfreien Spiele“, machte Wagner deutlich.
Wichtig ist dem Lehrwart, dass junge Kollegen in ihrer Rolle als Schiedsrichter begleitet werden. Denn: „Wir verlieren die meisten Schiedsrichter im ersten halben Jahr, weil sie mit den Zuständen auf unseren Plätzen nicht zurechtkommen. Dabei seid ihr hier noch im gelobten Land.“ Der Alt-Internationale, der sogar einst das Finale der koreanischen K-League pfiff, forderte „ein positives Herangehen, einen positiven Ansatz“.
Natürlich durften auch unterhaltsame Geschichten aus seiner Zeit als Schiedsrichter nicht fehlen. So stellte er beispielsweise ganze vier Mal Diego Klimowicz vom Feld und zeigte die entsprechenden Szenen als Video. Neben diversen Talkrunden war Wagner einst sogar bei „Wetten, dass…“ zu Gast, als ein Teilnehmer die deutschen Schiedsrichter am Schlusspfiff erkennen wollte.
Was die aktuelle Lage betraf, forderte er mit Blick auf das zuletzt überreglementierte Handspiel: „In Deutschland gibt es für alles eine Anweisung, aber lasst den Menschen noch einen Ermessensspielraum.“ Zudem brach er eine Lanze für den Videoschiedsrichter. Bei 1623 Checks in der Saison 2022/23 gab es laut Wagner fünf falsche und 13 unerkannte Entscheidungen. „Der VAR macht den Fußball gerechter, auch wenn er nie die 100 Prozent Richtigkeit erreichen kann.“
Nach kurzweiligen zwei Stunden überreichte Schiedsrichter-Obmann Thomas Sonnleitner dem heute vor allem in der Ausbildung tätigen Wagner ein Handtuch der Tölzer Schiedsrichtergruppe und schloss: „Es war sehr lehrreich, da konnte jeder etwas für die nächsten Spiele mitnehmen.“ (ts)