2026-03-13T07:45:35.464Z

Spielvorbericht

Derby im Landkreis: Wenn die Defensivallrounder den Ton angeben

In einem Derby sind es oft nicht die klassischen Torjäger, die den Unterschied machen. Es sind die Spieler, die hinten alles zusammenhalten, die Nerven behalten, die den Rhythmus bestimmen – und im richtigen Moment auch offensiv zuschlagen können. William Simon und Björn Weißbrodt sind genau solche Spieler.

von André Hofmann · Heute, 10:30 Uhr · 0 Leser

Am Sonntag ist Derby-Zeit im Landkreis Hildburghausen. Der FSV 06 Eintracht Hildburghausen empfängt den Erlauer SV Grün-Weiß, das einzige Kreisderby in der Landesklasse 3. Zwei Spieler rücken in den Mittelpunkt, die sonst eher im Hintergrund wirken: William Simon und Björn Weißbrodt. Zwei Defensivallrounder, die ihre Mannschaften tragen – und die auch in diesem Derby entscheidend sein könnten.

Zwei Spieler, viele Aufgaben

William Simon ist 27, seit 2017 bei Hildburghausen und in dieser Saison eine feste Größe in der Innenverteidigung. „In dieser Saison wurde ich auf der Sechs und überwiegend in der Innenverteidigung eingesetzt“, sagt er. „Im Verteidigen und im Spielaufbau habe ich einen gewissen Reiz gefunden, deshalb fühle ich mich aktuell in der Innenverteidigung sehr wohl.“ Björn Weißbrodt, 38, ist ein erfahrener Spieler, der bei Erlau seit 2016 spielt. „Welche Position hab ich noch nicht gespielt, wäre die bessere Frage“, lacht er. „Überall, wo mich der Trainer im Defensivbereich braucht, helfe ich aus. Auf der Sechs kann ich für die Mannschaft laufen und ackern.“

Beide eint ihre Vielseitigkeit, ihre Erfahrung und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment auch offensiv Akzente zu setzen. Dass Defensivspieler auch Tore schießen können, haben beide in dieser Saison gezeigt. Simon hat bereits sieben Treffer erzielt – alle nach Standards. „Positionsbedingt habe ich wenig Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen, deshalb bin ich besonders motiviert, wenn sich die Gelegenheit bietet“, erklärt er.

Weißbrodt erzielte in dieser Saison zwei wichtige Tore – sein spätes Tor gegen Sonneberg bleibt unvergessen: „Letzte Minute, halb fallend in den Winkel – danach wurde gelacht, als ich meinte, dass es so gewollt war.“ Solche Momente zeigen: Auch die Spieler aus der Defensive können Spiele entscheiden. Gerade in einem Derby, wo jeder Zentimeter umkämpft ist.

Das Hinspiel als Warnung

Das Hinspiel hatte alles, was ein Derby braucht: Spannung, Tore, Drama. Simon sorgte früh für einen Paukenschlag: ein Freistoß fast von der Mittellinie. „Ein perfekter Start! So ein Tor zu Spielbeginn gibt dir und der Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen.“ Für Erlau dagegen war es bitter. „Ein Freistoß von der Mittellinie glitt Gerthi durch die Hände“, erinnert sich Weißbrodt. Hildburghausen führte schnell 3:0, doch Erlau kämpfte sich noch auf 2:3 heran, spät viel das 2:4 für die Eintracht.

Am Ende blieb den Grün-Weißen der Punkt verwehrt – aber die Moral stimmte. „Wir hatten nichts zu verlieren, haben alles reingeschmissen und sind auf 2:3 rangekommen. Darauf kann man aufbauen“, sagt Weißbrodt. Simon hat aus der Partie eine Lehre gezogen: „Wir haben nach dem Anschlusstreffer von Erlau den Sieg fast noch aus der Hand gegeben. Hier müssen wir deutlich souveräner agieren.“

Hildburghausen steckt aktuell in einer kleinen Durststrecke. Nach dem Sieg zum Jahresstart gegen Meiningen blieb die Eintracht drei Spiele sieglos, rutschte von Platz Eins auf Rang Vier ab. „Solche Phasen durchlebt jedes Team“, sagt Simon. „Wir haben am Sonntag die Chance zur Wiedergutmachung.“ Erlau wartet nach der Winterpause auf den ersten Sieg. Weißbrodt analysiert nüchtern: „Wir nutzen aktuell nicht unsere Chancen, halten unsere Positionen nicht, sodass Lücken entstehen, die die Gegner ausnutzen.“ Trotzdem bleibt die Hoffnung: Beide Teams wissen, dass ein Derby seine eigenen Gesetze hat.

Während Hildburghausen noch mittendrin im Aufstiegsrennen steckt, kämpft Erlau darum, den Klassenerhalt sicher zu machen. Simon betrachtet das mit pragmatischem Blick: „Die Liga ist unberechenbar, Konstanz wird im Aufstiegsrennen der entscheidende Schlüssel sein.“ Für Weißbrodt geht es um einen würdigen Abschluss seiner wohl letzten Saison: „Persönlich wird es wohl meine letzte Saison, und ich will alles mobilisieren, um mit dem Klassenerhalt abzutreten und Ciao zu sagen.“ Beide Teams haben also etwas zu gewinnen. Hildburghausen träumt vom Thüringenliga-Aufstieg, Erlau hat das Ziel, erstmals den Ligaverbleib ohne Zittern zu sichern. Diese unterschiedliche Motivation wird das Derby zusätzlich emotional aufladen.

Simon blickt voraus: „Wenn wir wie in der Hinrunde mit einem freien Kopf, Spielwitz und einer gesunden Schärfe auftreten, rechne ich uns sehr gute Chancen aus.“ Weißbrodt ergänzt: „Hibu wird versuchen, das Spiel zu machen. Für uns zählt defensive Kompaktheit, enge Räume, klare Kommunikation. Wenn wir hinten den Kasten dicht halten und einer für den anderen läuft, ist was möglich.“