
Der Kreisligist SV Polling befindet sich dank seiner kollektiven Kompaktheit im Höhenflug. Trainer Schuster will trotzdem auf dem Boden bleiben.
Polling – Die Tabellenkonstellation ist ungewohnt. Der SV Polling gehört nach vier Spieltagen zum Spitzentrio der Kreisliga 1. Fraglos passt der Begriff „gestandener Kreisligist“ zur Equipe vom Jakobsee. Die Platzierung auf den vorderen Rängen ist jedoch neu für den Verein. Im Auftaktspiel gegen den TSV Peißenberg (0:3) lieferten die Klosterdörfler gleich wieder ein Indiz, dass sie ein weiteres Mal den bewährten Treffpunkt im unteren Bereich des Klassements ansteuern könnten. Schnell aber schoben die Pollinger eine Reihe an Argumenten für einen anderen Saisonverlauf nach.
Mathias Schuster ist eines der Sprachrohre des Teams. Als Torsteher kommandiert und ordnet der 28-Jährige seine Vorderleute. Was genau plötzlich anders ist, vermag er nicht präzise zu erklären. „Egal, was wir machen, es funktioniert.“ Exemplarisch nennt Schuster die Partie vom zweiten Spieltag in Beuerberg (4:0), als die Mannschaft in der Pflicht stand, dann aber trotz Schusters Absenz und des Fehlens von Christian Baierlacher und Julian Jäcker eine bärenstarke Reaktion zeigte. Schuster verrät, dass sich die SVP-Kicker zu Beginn der Vorbereitung „zusammengerauft“ hätten. Tenor: „Wir wollen die Hinrunde voll durchziehen.“ Das scheint zu klappen. „Der Zusammenhalt im Team ist sehr gut“, versichert Schuster.
Das sind ganz neue Töne. Höhere Ambitionen daraus abzuleiten, hält Schuster zu diesem Zeitpunkt für verfrüht. Vielmehr erachtet er es für ratsam, „mit beiden Beinen auf dem Boden“ zu bleiben. „Dass es gleich so gut läuft, war nicht zu erwarten.“ Es könne aber acht Spiele später wieder ganz anders ausschauen. Deswegen versuche man, den „riesen Teamspirit“ über einen möglichst langen Zeitraum zu transportieren. Und zwar aus einem ganz einfachem Grund: „Je öfter du gewinnst, umso selbstbewusster bist du.“
Mit seiner eigenen Selbstsicherheit passt es sowieso. Schuster ist einer der Leitwölfe des Teams, ohne sich selbst in irgendeiner Form ins Schaufenster zu stellen. Es gab Jahre, da kommentierte er nahezu jede Spielszene. Jetzt aber sei er „etwas ruhiger“ geworden. Er betont, wie angenehm es für einen Schlussmann sei, „zu Null“ zu spielen. In diesem Zusammenhang verweist Schuster aber geflissentlich auf die starke Defensivleistung des Teams insgesamt, die sich auf sämtliche Akteure auf dem Platz erstrecke. „Ich musste nichts Überragendes rausholen, weil nicht viel bei mir angekommen ist“, sagt er.
Für einen Konkurrenten ist es somit auch schwierig, den Platzhirsch im Tor zu attackieren. Zur Vorbereitung schloss sich Thomas Kriner den Pollingern an. Eigentlich ist er einer, der beim Landesligisten 1. FC Garmisch-Partenkirchen als Torhüter auf lange Sicht eine Perspektive hat, der aber berufsbedingt nicht immer verfügbar ist. Pollings Trainer Willi Link verriet zu Saisonbeginn, dass es bei der Bestückung der Stammelf vielleicht eng geworden wäre, hätte Kriner die gleiche Anzahl an Trainings absolviert wie Mathias Schuster. „Qualität ist definitiv da“ bestätigt auch Schuster. Gerade weil Kriner „einige Jahre jünger“ sei. In jedem Fall sei er einer, der den Konkurrenzkampf belebe.
Auch über den zweiten Neuzugang ist der SVP-Keeper voll des Lobes. Benedikt Veicht, der vom Kreisklassisten TSV Benediktbeuren kam, passe „sportlich wie menschlich super zu uns“, wie Schuster versichert. In diesem Zusammenhang stellt der Torhüter noch einmal heraus, dass ausnahmslos alle Kaderspieler ohne Unterlass an einem Strang ziehen würden.
Wächst da in Polling gerade eine neue Generation heran? Coach Link gibt seinen Talenten, wie etwa Niklas Hindelang, immer wieder Einsatzzeiten. Wie lange Schuster diesen Umbruch noch begleiten wird, ist hingegen offen. Mit 28 Lenzen befindet er sich gerade im besten Torhüteralter. Aber er musste auch schon eine schwere Achillessehnen-Verletzung durchstehen. „Nochmal sollte so etwas nicht passieren“, stellt er klar. Auch die Entwicklung seines Privatlebens fließt in Schusters Betrachtungen ein. Dass es sein letztes Jahr am Jakobsee werden könnte, glaubt er – Stand heute – allerdings nicht. Eine Einschätzung, die bei den Pollinger Verantwortlichen sicher mit Wohlwollen vernommen wird.