2026-04-16T10:11:10.190Z

Ligavorschau

Der Zug hat (k)eine Bremse

Kreisliga Heidelberg +++ Der VfB Leimen lechzt nach der Landesliga +++ Eberbach könnte am Sonntag der Spielverderber sein

von red. · Heute, 18:00 Uhr · 0 Leser
Haben die Leimener am Sonntag auch allen Grund zu jubeln?
Haben die Leimener am Sonntag auch allen Grund zu jubeln? – Foto: Foto Pfeifer

Seit 19 Jahren sehnt man sich beim Traditionsklub VfB Leimen nach der Rückkehr in den überregionalen Fußball. Nun ist die Mannschaft so nahe dran wie schon lange nicht mehr. Doch das macht die aktuelle Situation nicht leichter. In jedem Spiel könnte es um die entscheidenden Punkte gehen. Und in jedem Spiel ist der Gegner extra motiviert, so wie am Sonntag in Eberbach.

Erleichtert sinken die Spieler ins Gras an diesem Tag im Juni. Zwar verliert der VfB Leimen mit 1:2 beim FC Neureut. Aber der Relegationsplatz wurde dennoch erreicht. Als Tabellenzweiter nimmt man an den Aufstiegsspielen. Zum Ende der Saison 2003/04 steht der Traditionsverein kurz vor dem Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg.

Szenewechsel:

Enttäuscht lassen die Spieler die Köpfe hängen. Zwar gelingt am letzten Spieltag ein 0:0 gegen Vizemeister SG Dielheim, doch der Abstieg ist nicht mehr abzuwenden. Für die fußballinteressierten im Rhein-Neckar-Kreis hört es sich schwer begreifbar an. Doch der VfB Leimen muss zum Ende der Saison 2006/07 den schweren Gang in die Kreisliga Heidelberg treten.

"Der Zug hat keine Bremse", ein mittlerweile bekanntes Mallorca-Lied, passt in dramatischer Weise auf die Zeit, die zwischen den zwei Szenen lag. Dem mathekundigen Leser dürfte aufgefallen sein: Es waren nur drei Jahre. Vom siebten Fußball-Himmel stürzte der Klub von der Tinqeux-Allee in kurzer Zeit bis hinein in den Kreisfußball. Von dieser Fahrt hat sich der Verein bis heute nicht erholt.

Entsprechend nachvollziehbar ist, warum aktuell große Euphorie rund um das Otto-Hoog-Stadion herrscht. Denn nach all den Jahren hat der Leimen-Express wieder Fahrt aufgenommen. Nur dieses Mal in die andere Richtung.

Trainer Manuel Wengert führt mit seiner Elf die Tabelle an. Die Mannschaft wird von der Konkurrenz als Top-Favorit bezeichnet. Auch der Kader des Primus reicht den Ansprüchen eines Aufsteigers. Spielertrainer Martin Rau hat als Abwehrspieler bereits zehn Mal im Tor des Gegners eingenetzt. Im Mittelfeld zieht Ausnahmekönner Lukas Gischke die Fäden und findet mit Elloy Allimadi einen Abnehmer, bei dem diese Fäden zusammenlaufen. Der Sturmtank führt die Torjägerliste der Liga an.

Wengert möchte die Erwartung gar nicht dämpfen und läutet zur Schlussoffensive: "Ab jetzt zählt jedes Spiel. Wir befinden uns im Saisonendspurt", gibt der ehemalige Oberligafußballer selbstbewusst an und fügt an, "bei uns wird sich niemand gegen einen Aufstieg wehren."

Doch gerade das macht die Situation psychologisch nicht einfach. Jeder, der einmal Fußball gespielt weiß es: Gegen den Tabellenführer und Topfavoriten sind die Gegner meist besonders motiviert. Jeder möchte den fahrenden Zug ausbremsen. So auch am Sonntag um 15 Uhr, wenn es zum Eberbacher SC geht.

ESC-Trainer Daniel Merz macht keinen Hehl daraus, dass ihn das Spiel reizt: "Wir wollen uns immer mit den Besten messen. Und gegen so einen Gegner ist es immer nochmal ein bisschen extra heiß", gibt der 32-Jährige zu Protokoll. Trotz eines Platzes im gesicherten Mittelfeld ist Eberbach weit davon entfernt die Saison austrudeln zu lassen. "Wir wollen noch den fünften Platz, die beste Platzierung der Vereinsgeschichte erreichen", definiert Merz ganz klare Ziele.

Gegen Leimen macht gerade die Schwere der Aufgabe das Spiel attraktiv. Der Trainer verweist auf den Top-Kader und die Offensivpower der Leimener. Eine möglicherweise auszunutzende Schwäche konnte er beim Gegner nicht ausmachen. So bleibt nur eine Möglichkeit: "Wir brauchen einfach einen absoluten Top-Tag. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht", sagt Merz.

Wird Leimen diese Aufgabe meistern können? Die Antwort wird es erst am Sonntagabend geben. Schafft es der Zug ungebremst durch die Saison, dann hätte man für die Abschlussfahrt schon das passende Lied parat. Doch vor den Erfolg haben die Götter eben den Schweiß gesetzt.

"Ich sage der Mannschaft immer, dass es doch nichts Geileres gibt, als um etwas zu spielen", zeigt sich zumindest Wengert voller Vorfreude. Auch über den Matchplan ist er sich bereits im Klaren: "Es wird darum gehen, unser Spiel mit Tempo durchzukriegen."

Der Saisonendspurt, er hat begonnen, in Leimen. Erste Aufgabe: Eberbach!