
Daheim vom FSV Vatan mit 15:0 verprügelt, gegen die Zweite Mannschaft des Platznachbarn DJK Novesia mit 0:6 verloren, Spielabbrüche gegen den BV Weckhoven (0:9) und den TSV Norf II (0:5), weil im Laufe der Partien die Anzahl der einsatzfähigen Kicker unter die Mindestmarke von sieben sank, dazu der Nichtantritt mangels Personal am Sonntag im Nachholspiel bei der TJ Dormagen – die Arbeitsnachweise des so ruhmreichen VfR 06 Neuss in den vergangenen sechs Wochen hatten nichts mehr mit dem von „Tradition stirbt nie“ in „Tradition mit Zukunft“ geänderten Vereinsmotto zu tun.
Doch der VfR 06 wäre nicht der VfR 06, wenn er nicht noch im größten Schlamassel trotzig den Kopf nach oben strecken würde. Mag die Tabelle der Kreisliga B die bis 1972 in der da noch zweitklassigen Regionalliga West spielenden Grün-Weißen nach 16 Partien auch mit nur einem Sieg (1:0 am ersten Spieltag beim TSV Norf II) als Schlusslicht ausweisen, den Vorsitzenden Markus Floer haut das nicht um. Sein Optimismus ist ungebrochen: „Wir packen das! Klar, die Klasse zu halten, wird schwer, ist aber machbar. Das kann eine richtig coole Rückrunde werden.“
Was ihn so zuversichtlich stimmt, ist der neue Trainer Serkan Aykanat. Der 46-Jährige hat für den vor anderthalb Wochen von seinen Aufgaben entbundenen Harald Bongers übernommen. Der Schritt, sich von dem erfahrenen Coach, der 2023 den SV Germania Grefrath nach 30 Jahren zurück in die Kreisliga A geführt hatte, zu trennen, sei ihm schwer gefallen. „Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt Floer. „Er hat alles richtig gemacht, aber ich musste ihn gehen lassen, wir hatten einfach keine Leute mehr.“ Und er stellt klar: „Wenn das so weitergegangen wäre, wären wir im Januar nicht mehr gestartet.“
Zuletzt bestand das Häuflein der Aufrechten nur noch aus zehn, elf Spielern – Floer eingerechnet, der als ehemaliger Bezirksliga-Keeper der DJK Gnadental mit 50 Jahren ins Tor zurückkehren musste. Aber im Nachholspiel bei der Türkischen Jugend sei dann gar nichts mehr gegangen, sagt der Vorsitzende. „Wir standen mit sieben Mann da.“
Doch Besserung ist in Sicht. Zum Dienstantritt von Serkan Aykanat vor einer Woche im Jahnstadion, der Floer fast schon an ein Casting erinnerte, waren 26 Spieler gekommen. Der neue Mann, zu dessen Stationen als Trainer der Nachwuchs des TSV Norf und die Zweitvertretung der SVG Weißenberg (Kreisliga B) gehören, verfügt über ein stabiles Netzwerk. Floer: „Es scheint fast so, als hätten die Jungs nur darauf gewartet, dass er bei uns übernimmt.“
Aykanat (Floer: „Ein cooler Typ.“) kann bei seiner Arbeit auf die Dienste von Kamill Niewolik (37) bauen. Der als Co-Trainer vorgesehene Stürmer trug zuletzt das Trikot der SG Hoisten/Helpenstein (Kreisliga B), war aber auch schon in der Bezirksliga für die DJK Gnadental, SG Kaarst und den TSV Norf im Einsatz. Als Torwarttrainer kommt Giulio Buscema (SV Uedesheim, SC Grimlinghausen) an Bord. Der 36-Jährige könnte im Notfall auch noch mal aktiv ins Geschehen eingreifen.
Die Perspektive, auf einen Schlag „wieder eine vernünftige und junge Mannschaft auf den Platz schicken zu können“, beflügelt Floer, der die Schwärmereien über 1967 und das nach 1:3-Rückstand noch mit 5:4 gewonnene Jahrhundertspiel vor 13.500 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf langsam nicht mehr hören kann. „Wir sind nicht mehr der Verein, der wir mal waren. Dieser Zug ist abgefahren.“
Die Realität sieht nämlich so aus: Nach dem gesundheitsbedingten Ausscheiden seines Stellvertreters Markus Wahle aus dem Vorstand stand Floer ziemlich alleine da und ist darum heilfroh, dass er jetzt Unterstützung bekommt: Paul Wenczek, Schiedsrichter beim SC Grimlinghausen, bekleidet kommissarisch das Amt des 2. Vorsitzenden, Florian Rath führt die Kasse des VfR 06 Neuss, der aktuell neben der Truppe in der Kreisliga B noch über eine E-Jugend verfügt. „Das sind Leute, die ich kenne und denen ich vertraue“, sagt Floer.
Weil es nach der gruseligen Hinrunde einiges zu tun gibt, starten die Grün-Weißen bereits am 3. Januar mit einer Laufeinheit in die Vorbereitung. Erster Härtetest ist dann das Vorrunden-Turnier der Kreishallenmeisterschaft, in der es die neue Mannschaft am 9. Januar in der Grevenbroicher Südstadthalle zunächst mit dem TSV Bayer Dormagen, FC Straberg und dem SuS Gohr zu tun bekommt. Darauf freut sich Floer wie Bolle, steht er doch, weil dem Kader bis auf weiteres kein spielfähiger Keeper angehört, wieder im Tor. Sein Traum: „Der VfR 06 Neuss in der Endrunde am 12. Januar in der Hammfeldhalle – das hätte was ...“