2026-02-20T12:29:42.904Z

Allgemeines

„Der Verein liegt am Boden“: 1. FC wechselt erneut den Trainer

Trainerchaos beim FC

von Oliver Rabuser · Heute, 06:02 Uhr · 0 Leser
Seine Ansätze kamen beim Verein nicht gut an: Khaled Abdo ist schon wieder Geschichte.
Seine Ansätze kamen beim Verein nicht gut an: Khaled Abdo ist schon wieder Geschichte. – Foto: Oliver Rabuser
Der 1. FC Garmisch-Partenkirchen trennt sich nach nur vier Wochen von Khaled Abdo. Der Nachfolger ist abermals ein alter Bekannter.

Man muss es ob der Surrealität klar deklarieren: Von einem vorgezogenen Aprilscherz kann keine Rede sein. Doch produziert der 1. FC Garmisch-Partenkirchen in der Woche vor dem Restart der Punktrunde mal wieder Schlagzeilen. Khaled Abdo, vor einem Monat als neuer Cheftrainer des Landesliga-Teams vorgestellt, ist bereits wieder Geschichte. Der Blick auf die Nachfolgeregelung krönt die Posse endgültig: Denn der neue Trainer ist gleich der alte. Stefan Schwinghammer junior betreut das Team nun doch bis zum Saisonende. Der 32-Jährige sprang nach der Demission von Markus Ansorge ab dem 13. Spieltag an der Seitenlinie ein, verkündete aber wegen des für ihn enormen Zeitaufwands seinen Rückzug zur Winterpause. Jetzt folgt die Kehrtwende.

Abdo entpuppt sich nicht als Hoffnungsträger

Das Verkünden von Abdos Abberufung war für Arne Albl alles andere als ein Schmankerl. War er es doch, der den 46-Jährigen als Hoffnungsträger für den Klassenerhalt präsentiert hatte. „Man muss immer mal etwas Neues ausprobieren. Die Zeit als Stützpunkttrainer und seine Vita, das hätte passen können“, insistiert Albl. Um sogleich einzuräumen: „Hat es aber nicht.“

Die Auffassungen, wie man den Klassenerhalt schaffen will, haben nicht zusammengepasst.

Arne Albl

Gleich eine ganze Reihe an Gründen führte zur schnellen Trennung. „Die Auffassungen, wie man den Klassenerhalt schaffen will, haben nicht zusammengepasst“, fasst der FC-Chef zusammen. Da wären Verspätungen des Coaches beim Training („ist natürlich nicht förderlich“) sowie lange taktische Besprechungen vor Übungsbeginn. Aber auch auf dem Rasen hätten Spielformen, die „nicht zur Landesliga passen“ und „Irritationen bei der Aufstellung“ ihr Übriges getan. Zudem habe sich Abdo innerhalb des Clubs „von den falschen Leuten“ beraten lassen.

Verein und Spieler kommen nicht ungeschoren davon

Nun ist Albl nicht für derlei Schnellschüsse bekannt. Weswegen wohl auch von einem Interagieren seitens des Teams auszugehen ist. „Da musste ich mich einmischen“, verteidigt der 59-Jährige die drastische Entscheidung. Abdo selbst nimmt die Entlassung durchaus gefasst hin. Er habe in seiner Laufbahn bereits „ähnliche Situationen“ erlebt, die häufig „demselben Muster“ unterliegen. Er zeigt mit dem Finger aber klar auf die aus seiner Sicht verheerenden Missstände innerhalb des 1. FC. Unter anderem kreidet er den Fußballern mangelnde Selbstreflexion an. „Spieler kommen nicht zum Training, erfinden dafür Ausreden“, moniert Abdo. So vermisste er Christoph Schmidt über weite Strecken der Vorbereitung, auch Jonas Poniewaz vergnügte sich lieber längerfristig im Urlaub auf einem anderen Kontinent. „Spielen möchten sie dann aber schon immer.“ Vergangenen Montag zählte Abdo fünf Akteure im Training. Für ihn ein Unding: „Ich hasse das: Spieler kassieren Geld, wollen aber nicht trainieren.“ Die weitreichende Erkenntnis seiner einmonatigen Trainertätigkeit: „Die Mannschaft will sich lieber selbst trainieren, als sich von einem Trainer etwas sagen zu lassen.“

Auch der Verein kommt nicht ungeschoren davon. Abdo listet zwei gescheiterte Szenarien auf. „Entweder die Mannschaft steht hinter mir oder der Vorstand – bei mir war beides nicht der Fall.“ Konkret wurde der 46-Jährige nur in einem Fall: Als er Momo Ndiaye in einem Testspiel in den Angriff beorderte, intervenierte zu seiner Überraschung zunächst Platzwart Heinz Hanke, dann Albl selbst. Tenor der beiden war wohl: „Das kannst du nicht machen.“ Das ernüchterte Abdo. „So kann ich nichts probieren.“

Überdies reibt er sich an der vermeintlichen Besserwisserei einiger Spielereltern. Die gegen ihn vorgebrachten Einwände kommentiert er insoweit, als die Verspätungen ob dringender Termine am Mannschaftsrat kommuniziert waren. Zudem wären Analysen vor dem Training gängiges Prozedere bei etlichen Proficlubs. „Jeder Trainer arbeitet anders.“

Schwinghammer junior soll den Verein retten

So stimmt Abdo die Entwicklung des Clubs traurig. „Hier laufen Dinge, die nicht einfach abzustellen sind.“ Zu seiner Zeit als Jugendleiter und -trainer habe er den 1. FC „auf Augenhöhe mit Murnau“ gesehen. Dies habe sich grundlegend geändert. „Der Verein liegt komplett am Boden.“ Daran würde auch der Klassenerhalt nichts ändern. Der sei für Abdo nur zu erreichen, wenn „alle mitziehen“.

Die Mannschaft will sich lieber selbst trainieren, als sich von einem Trainer etwas sagen zu lassen.

Khaled Abdo

Schwinghammer leitete am Dienstag sein erstes Training und stellte gleich mal eine hohe Bereitschaft der Spieler fest. Die sollen sie beibehalten. „Jeder muss bereit sein zu leiden – auch auf ihm fremden Positionen“, stellt der Ohlstädter zum Einstand klar. Fünf oder sechs Siege möchte er mit dem 1. FC einfahren: „Dann sieht es rosiger aus.“ Für ihn selbst ist die Rückkehr zeitlich der blanke Horror. Die erste Woche musste er sich „aus den Rippen“ schneiden, und auch künftig wird der eine oder andere Kompromiss nicht ausbleiben. Entsprechend umtriebig läuft die Suche nach einem Co-Trainer. „Ich muss schauen, dass mir jemand hilft.“ Warum dann aber die neuerliche Zusage? Weil er „ein Charaktermensch“ sei und große Teile seiner Seniorenlaufbahn beim FC verbracht hat, unterstreicht Albl. „Wir wollten ihn ohnehin behalten, jetzt freuen wir uns, dass er den Verein nicht im Stich lässt.“ Schwinghammer betont, dass er in den kommenden drei Monaten alles dafür tun werde, dass der FC am Ende „über dem Strich“ steht. „Ich habe das hier angefangen, und jetzt werde ich es auch zu Ende bringen.“