
600 Punktspiele hat er laut Vereinsstatistik bestritten. Tatsächlich werden es sogar weit über 750 gewesen sein. Der scheinbar unverwüstliche Michael Ernst spielt seit gut 41 (!) Jahren im Herrenbereich für den MTSV Selsingen.
Michael Ernst ist ein Kämpfer, ein Teamspieler, einer dieser Fußballer, die vor allem dann auffallen, wenn sie nicht dabei sind, weil sie zu den Spielern zählen, deren Wert für ihre Mannschaft dann zu erkennen ist, wenn sie fehlen.
Nur zum Glück für seinen Verein fehlte er fast nie. Fast nichts kann ihn aufhalten, an den Wochenenden für den MTSV Selsingen aufzulaufen und das schon seit mehr als 4 Jahrzehnten, so feierte Ernst vor kurzem sogar noch einmal ein Comeback in der 3. Herren des MTSV.
600 Pflichtspiele hat der 58-Jährige laut Vereinsstatistik in den letzten Jahrzehnten für den MTSV Selsingen bestritten und das ist nur die Zahl der Pflichtspiele, die seit dem Jahre 1993 dokumentiert sind. Aber die Laufbahn des gebürtigen Ober Oberochtenhauseners begann im Selsinger Fußball schon fast ein Jahrzehnt früher. Im Sommer 1985 bestritt der damals nicht mal 18-Jährige sein 1. Punktspiel für die im Jahr zuvor neu gegründete 3. Herren des MTSV. "Mein älterer Bruder Ulf hatte mich damals dazugeholt", erinnert sich Ernst.
Dabei hatte er eigentlich schon mit 14 Jahren mit dem Vereinsfußball aufgehört. "Ich spielte damals bei den "Knaben" der JSG Sandbostel/Selsingen", so Ernst. "Da fühlte ich mich aber wie das 5. Rad am Wagen, wurde nicht gebraucht."
Doch dann folgte eine der längsten Karrieren im Selsinger Fußball. Der mittlerweile 58-Jährige war nie der beste Fußballer auf dem Platz, aber er war einer dieser Spieler, die eine Mannschaft unbedingt braucht, die auf und neben dem Platz ein Team tragen, es zusammen halten. Zuerst in der 3. Herren, für die er fünf Jahre spielte und in dieser Zeit "Fußballer des Jahres" wurde, dann jahrelang in der 2. Herren - lange als Kapitän.
Unter anderem war damals der legendäre Leo van den Hoogenband Senior Trainer dieser Elf, von dem nicht nur Ernst sagt: "Leo war auf seine Weise ein herausragender Trainer. Wie er mit uns umging, war zutiefst menschlich - überragend!"
Ernst gehörte aber auch zu dieser Selsinger Fußballer-Generation, die es irgendwie schaffte, nie Meister zu werden. "Wir wurden damals ja ständig Zweiter oder Dritter", erinnert er sich.
Dafür stand Ernst bei einem der legendärsten Spiele des Selsinger Fußballs auf dem Platz,. "Ja, das Spiel in Ahausen ...", erinnert er sich. Die 2. Herren -des MTSV trat damals mit dem praktisch "letzten Aufgebot" beim bis dahin ungeschlagenen TuS Ahausen an und gewann wider aller Wahrscheinlichkeit nach gleich zwei unberechtigten Platzverweisen fast 40 Minuten in Unterzahl spielend mit 3:1.
Titel sollte der mittlerweile 58-Jährige erst als Altherren-Fußballer gewinnen. Los ging es dabei im Jahre 2001. Ernst holte mit der S32 seine erste Meisterschaft. "Das war damals eine tolle Mannschaft mit Hotte Müller als Trainer und Spielern wie Thomas Reithmann", erinnert er sich. "Das hat einfach Spaß gemacht."
Und es wurde noch besser: In den Jahren 2005 und 2009 gewann Ernst mit den Altherren den Kreispokal. "Vor allem 2009 war etwas Besonderes. Der Tag der Endspiele fand bei uns in Selsingen statt. Wir gewannen mit 5:1 gegen die SG Ummel und ich durfte als Kapitän die Mannschaft anführen", so Ernst, der zwischendurch noch einen besonderen "Rekord" aufstellte, denn im Jahre 2006 war er der erste Selsinger Herrenspieler, der in einem Jahr in allen 5 Herrenteams - von der 1. bis zur S40 - zum Einsatz kam.
Mit anderen Worten: Ernst hat in diesen Dekaden praktisch mit allen Selsinger Fußballern zusammen gespielt und mit wirklich allen pflegte er - ja, tut es bis heute - ein gutes Verhältnis, denn alle wussten oder spürten auf den Michael Ernst aus Ober Ochtenhausen konnte man sich jederzeit verlassen - auf und außerhalb des Platzes, eine ehrliche Haut. einer, der es gut meinte, der eine Mannschaft führte, weil er seine Mitspieler so zu nehmen wusste, wie sie waren.
"Ich kam eigentlich mit allen gut aus", so Ernst, der auf Nachfrage dann doch einige Mitspieler nennt, mit denen er besonders gut konnte. "Das ist eigentlich eine gemeine Frage. Aber wenn ich schon Namen nennen soll, dann fallen mir als erstes Bernd "Bomber" Schlesselmann, der mich mit seiner herzlichen Art in der 3. Herren aufnahm oder später Ralf Cordes, Andreas Augustin und Robert Brünjes ein. Mit Robert habe ich zwar in der 1. Herren nicht sehr oft zusammen gespielt, aber es war toll, sich mit ihm im Training zu duellieren."
Und dann gibt es ja noch die andere Seite des Michael Ernst - die Trainerseite. Mehr als 20 Jahre lang bildete er gemeinsam mit Harry Mahlkow ein Trainergespann, dem der Selsinger Fußball so viel zu verdanken hat. Viele spätere Herrenspieler durchliefen die Ernst-Mahlkow-Schule, die auf dem ersten Blick vielleicht manchmal etwas rauh wirkte, aber von einer zutiefst menschlichen und herzlichen Art geprägt war. "20 Jahre haben wir zusammen Jugendmannschaften trainiert und dann noch 5 Jahre die 2. Herren", so Ernst, der später auch noch siebeneinhalb Jahre bei den Sandbosteler Frauen als Trainer wirkte ("Eine Zeit, die ich nicht missen möchte") und nun wieder seit gut vier Jahren als Jugendtrainer beim MTSV arbeitet. "Ich habe dem Verein so viel zu verdanken, denn ich habe auch immer das nötige Vertrauen und den Zuspruch gespürt. Es macht mir in Selsingen einfach unheimlich viel Spaß", so Ernst. "Aber ohne die besondere Unterstützung durch meine Familie wäre das alles nicht möglich gewesen. Dafür bin ich zutiefst dankbar."