Der Verein vom "Holleschbierg" hat die FLF und UEFA verklagt
Der Verein vom "Holleschbierg" hat die FLF und UEFA verklagt – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Der luxemburgische Sport und Fußball stehen am Scheideweg

Ein Kommentar zur Klage des FC Swift gegen die FLF und die UEFA

Wem die für viele Fußballfans scheinbar absurde Klage der Initiatoren einer europäischen „Super League“ gegen die UEFA bereits bizarr und unverständlich vorkam, dem wird das, was der luxemburgische Erstligist Swift Hesperingen am Donnerstag auf seiner Website veröffentlichte mindestens genauso spanisch vorkommen.

Um es kurz zusammenzufassen: der knapp an einer erneuten Europapokalteilnahme gescheiterte Verein vom „Holleschbierg“ zitiert den luxemburgischen Fußballverband FLF sowie die UEFA vor ein im Großherzogtum ansässiges Gericht, um über dieses eine Vorabentscheidung zum weiteren Verfahrensweg vor dem ebenfalls in Luxemburg ansässigen europäischen Gerichtshof zu erwirken. Grund für die Klage seien die Verletzung des freien Wettbewerbs, des freien Kapitalverkehrs und der Arbeitnehmerfreizügigkeit seitens der erwähnten Verbände.

Die Hintergründe der Klage wurden zunächst nur angedeutet und wollten vom FC Swift aktuell auch noch nicht kommentiert werden. Die Hesperinger verweisen auf eine Pressekonferenz, deren Datum noch nicht festgelegt wurde sowie darauf, dass sämtliche Kommunikation zu den erwähnten Themen ausschließlich über die Vereinsanwälte erfolgen würde, unter denen sich auch die aus dem „Bosman“-Fall bekannten Me. Jean-Louis Dupont und Martin Hissel befinden.

Wie es aber scheint, macht der Swift einen Vorstoß, der im Prinzip längst überfällig sei. Dies war zumindest die vorläufige Meinung, die uns der bekannte Sportanwalt Me. Marc Theisen in einem am Freitagnachmittag geführten Telefongespräch darlegte. Denn das grundsätzliche Problem, das der FC Swift anprangert, sei durchaus real, zumindest in der BGL Ligue, ggf. ebenfalls noch in der Ehrenpromotion sowie auch in anderen Sportarten. Bei vielen Verbänden würden die Satzungen der modernen Sportwelt hinterherhinken und Reformen seien dringend nötig. Me. Theisen wies im Gespräch auch darauf hin, dass die Problematik im Rahmen der Erneuerung der Sportgesetzgebung unbedingt angegangen werden müsse. „Jetzt bietet sich die Gelegenheit, ein für alle Mal für klare Verhältnisse beim Statut des bezahlten Sportlers in Luxemburg zu sorgen“ so der Anwalt.

Er hätte sich aber gewünscht, dass sich alle Akteure zunächst zu einem Austausch zusammengefunden hätten, um konkrete Reformvorschläge für alle Sportverbände auszuarbeiten. Denn mit einer Klage wie der des FC Swift riskiert ein Gericht eine Entscheidung zu treffen – auch wenn es noch sehr lange bis zu einer solchen dauern kann –, die Verbände, Vereine und auch Sportler in einem anderen Maße treffen könnte, als wenn man selber an der Ausarbeitung neuer Regeln beteiligt wäre.

„Dieser Fall kann hohe Wellen schlagen“ war sich Me. Theisen sicher. Eines scheint klar zu sein: wäre es nicht Swift Hesperingen gewesen, dann hätte früher oder später ein anderer Sportverein eine ähnliche Klage eingereicht. Denn dass Klarheit geschaffen werden muss, stehe außer Frage. Es gehe nur um das „wie“ – nämlich, wie man neue Gesetze und neue Regeln für Sportverbände schafft, die Rechtssicherheit mit sich bringen und keine Unsicherheit.

Was für viele Fans, Amateurvereine und -sportler durchaus als zu komplex erscheinen mag, ist bei Vereinen mit Umsätzen von mehreren hunderttausend bis Millionen Euro im Jahr ein Thema, das nicht mehr vernachlässigt werden darf. Denn wie Covid bereits aufzeigte, riskieren Sportler ohne richtige Arbeitsverträge schnell in die Bredouille zu geraten, wenn es um den Bezug von Sozialleistungen wie Krankengeldern oder Arbeitslosenunterstützung geht.

Etwas, das die Hesperinger indirekt auch kritisieren, da man laut ihrer Pressemitteilung aufgrund der FLF-Statuten keine Handelsgesellschaft gründen dürfe, welche eben in Bezug auf die im vorherigen Abschnitt erläuterten Themen ein wichtiger Schritt Richtung Professionalisierung wäre - ähnlich der Kapitalgesellschaften von Großvereinen, wie man sie z.B. aus der deutschen Bundesliga kennt. Ob dies wie auch das Transferrecht im luxemburgischen Fußball nun gegen geltendes Recht verstoßen, müssen die Gerichte klären. Die Prozedur könnte Jahre in Anspruch nehmen und vermutlich Geld verschlingen, das eigentlich dem Fußball zugute kommen könnte – sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebenen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die letzten Zweifler anfangen zu verstehen, dass es dringend eines neuen Regelwerkes bedarf, um den Sport hierzulande, zumindest was die bezahlten Sportler betrifft, bestmöglich zu organisieren.

Ob man aber den Zuschauern im „Volkssport Fußball“ damit neue Anreize gibt, sich mit ihrer Lieblingssportart auseinanderzusetzen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein Argument, das der FC Swift anführt („supporters = les consommateurs au sens du droit UE“ laut dem Presseschreiben), widerlegt sich mit einem Zuschauerschnitt von lediglich 314 pro Spiel am "Holleschbierg" in der Saison 2021-2022 quasi von selbst. Und bei allen gerichtlichen Verfahren und Prozeduren sollte nicht vergessen werden, dass Sport auf dem Platz betrieben wird und nicht vor einem Tribunal und so sollte man nicht übersehen, wenn die „Kunden“ fernbleiben, da es ihnen zu wenig um die Sache an sich geht.

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Aufrufe: 023.7.2022, 08:25 Uhr
Paul KrierAutor