
Das erste der beiden Top-Spiele des KFC Uerdingen gegen den VfB Hilden fing zuletzt erst mit einer Viertelstunde Verspätung an. Zu groß war der Zuschauerandrang für das Spiel am vergangenen Samstagabend. Knapp 2400 Menschen waren in die Grotenburg gekommen, an einen Ort, der solche Zuschauerzahlen eigentlich gut kennt. Nun, am Sonntag (15 Uhr), kommt dieser organisatorische Aufwand auf den Tabellenführer der Oberliga Niederrhein zu, auf Ratingen 04/19. Schließlich hatten die KFC-Fans schon mit einem Banner im Vorfeld die gemeinsame Abfahrt vom Krefelder Hauptbahnhof um 11.30 Uhr angekündigt. Die Ratinger selbst erwarten mehr als 1500 Zuschauer.
Und auf diese wartet vermutlich das nächste spektakuläre Top-Spiel. Schließlich könnte die Mannschaft von Trainer Julian Stöhr bis auf einen Punkt an das bisher stärkste Team der Liga herankommen. Seit dem fünften Spieltag schon stehen die Ratinger an der Spitze. Mit sage und schreibe 76 Toren aus 28 Spielen stellt die Germania den besten Angriff der Liga. Emre Demircan und Sven Kreyer gehören zu den besten Offensivspielern. Beim 2:2-Unentschieden im Hinspiel haben die Krefelder in jedem Fall gezeigt, wie man mit beiden umgehen kann, wenngleich Ex-Profi Kreyer für den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich verantwortlich war. „Er ist im besonderen Moment dann da“, sagt Stöhr. „Das fehlt uns: auch aus dem Nichts mal ein Tor zu machen.“
Gegen den VfB 03 Hilden hat der KFC aber wieder einmal gezeigt, dass er sich mit den stärksten Mannschaften der Liga messen kann. Zumal Hilden mit dem Rückenwind aus zehn gewonnenen Rückrundenspielen in die Grotenburg kam. „Ich glaube, wenn wir die Leistung wieder zeigen können, haben wir echt viel gewonnen“, zeigt sich Stöhr hoffnungsvoll. „Die Einstellung, die Leidenschaft, die Grundtugenden, die uns da ausgezeichnet haben – das haben wir im Hinspiel gezeigt und in den Top-Spielen auch öfter. Das müssen wir auch jetzt abrufen gegen eine Mannschaft, die individuell ganz oben anzusiedeln ist.“ Hilden sei mehr über die geschlossene Mannschaftsleistung gekommen. „Ratingen ist auch mal auf die Einzelspieler fixiert, aber das machen sie echt gut. Ich bin überrascht, dass wir noch einmal rangekommen sind, weil ich dachte, dass sie noch weiter oben stehen würden.“
Mit einem Sieg am Sonntag wäre ja schließlich der Anschluss auf gerade einmal noch einen Punkt drin. Der VfB Hilden ist vor dem Spiel am Sonntag gegen den ETB Schwarz-Weiß Essen noch drei Punkte entfernt. Dass der eine oder andere Fan schon von einem Aufstieg träumen mag, ist dabei nicht vermessen. Druck, betont Stöhr, haben er und seine Mannschaft aber noch nicht. „Das sehe ich noch nicht. Hoffentlich haben wir diesen drei Spiele vor Schluss, das wäre schön. Wir wollen oben dran bleiben.“
Und dann ist da ja noch das persönliche Duell. Stöhr war beim ETB Co-Trainer des heutigen Ratingen-Coaches Damian Apfeld. Nach dessen Rücktritt wurde er am Uhlenkrug zum Cheftrainer befördert. Eine Rolle spielt das für ihn aber nicht. „Damian und ich haben drei Monate zusammengearbeitet. Für mich ist das ein Spiel wie jedes andere – eher mit der Portion Würze der Tabelle.“ Stöhr bestätigte dabei Apfelds Kommentar im Interview mit dem „Reviersport“, in dem er das Verhältnis zwischen den beiden als „immer respektvoll“ bezeichnete. Auch sportlich – man könnte die Spielphilosophie des anderen jeweils kennen – sei das kein Thema. „Das spielt aus meiner Sicht gar keine Rolle. Es ist ein anderes Team, es sind andere Charaktere.“
Verzichten muss Stöhr derweil weiterhin verletzungsbedingt auf Dave Fotso Youmssi, Justin Möllering, Ulrich Bapoh und Derick Gyamfi. Jesse Sierck fehlt noch zwei Spiele gesperrt.