
Trotz der 1:4-Niederlage gegen den KFC Uerdingen brandete im VIP-Raum von Ratingen 04/19 Jubel auf, als Stadionsprecher Achim Pohlmann verkündete: „Soeben ist bei Hilden gegen Schwarz-Weiß Essen das 2:2 gefallen.“ Fast schon trotzig schallten dann „Spitzenreiter“-Rufe durch den Raum, denn durch die Pleite im Spitzenspiel hätte Hilden mit einem eigenen Sieg die Tabellenführung der Oberliga übernommen. Daraus wurde nichts, der VfB 03 unterlag sogar noch mit 2:4, und so bleibt Ratingen fünf Spieltage vor Saisonende einen Zähler vor Uerdingen und Hilden.
Diese drei haben auch die Lizenz für die Regionalliga-Saison 2026/27 beantragt, und das Titelrennen ist damit so spannend wie lange nicht – theoretisch auch noch darin eingreifen könnte der Tabellenvierte SC St. Tönis mit aktuell vier Punkten Rückstand auf 04/19. Seit Sonntag ist immerhin ein Sonderfall vom Tisch: Sollten Ratingen und Uerdingen die Saison punktgleich abschließen, wäre der KFC vorne, da er nach dem 2:2 im Hinspiel nun den direkten Vergleich für sich entschieden hat. Anders sähe das bei Punktgleichheit zwischen Hilden und Ratingen aus – da ist aus 04/19-Sicht nach einem 5:4 im Hin- und einem 1:2 im Rückspiel das Duell komplett ausgeglichen, es müssten Entscheidungsspiele her.
KFC-Trainer Julian Stöhr, der in Ratingen einen „alles in allem verdienten Auswärtssieg“ gesehen hatte, sagte zum Thema: „Wir haben den Aufstieg nicht in der eigenen Hand. Und obwohl wir bei diesem Ziel Konkurrenten sind, wünschen wir Ratingen nur das Beste. Das ist aus meiner Sicht die beste Mannschaft der Oberliga mit diesen Einzelspielern.“
Die hatten das allerdings in den 90 Minuten zuvor nicht konstant abrufen können, die Kulisse von knapp 2000 Zuschauern samt stimmungsvoller Atmosphäre verunsicherte die Gastgeber – einfache Fehler paarten sich mit einer erstaunlich schwachen Zweikampfführung, die es dem KFC einfach machte, zu Chancen und Toren zu kommen. „Wir hatten darauf spekuliert, dass Ratingen zum Start etwas nervös sein wird vor der Kulisse – wir kennen sie“, sagte Stöhr.
Sein Gegenüber Damian Apfeld musste zugeben: „Wir waren von Anfang an nicht da, hatten keine Präsenz in den Zweikämpfen, waren immer einen Schritt zu langsam. Ich kann das schwer greifen – wir hätten hier mit breiter Brust auflaufen können. Uerdingen hatte vor dem Spiel hier 48 Tore in 28 Spielen geschossen, wir hatten schon zur Halbserie 50 Tore. Der KFC kam hier mit sieben Niederlagen an, wir hatten nur drei. Und dann präsentierst du dich hier so mutlos – das kann ich nicht begreifen. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle.“
Der Traum-Freistoß von Emre Demircan in den Winkel zum 1:3 in der 81. Minute hätte zwar für „ein bisschen Hoffnung“ gesorgt bei 04/19, sagte Apfeld. Er musste aber letztlich konstatieren: „Wir waren heute nicht da, das müssen wir akzeptieren. Das ist nicht einfach für mich, aber ich habe sehr viel Energie in mir, und die werde ich auf jeden Einzelnen in der Mannschaft übertragen.“
Eingedenk des Ergebnisses in Hilden schloss Apfeld: „An der Situation hat sich nicht viel geändert, und wenn du so lange die Liga anführst außer an den Spieltagen eins und vier, dann ist die Erwartungshaltung auch, dass wir aufsteigen. Wir müssen Spiele gewinnen und auf uns schauen, nicht auf andere, und am Freitag am Uhlenkrug eine bessere Leistung bringen.“ Dort spielt ETB Schwarz-Weiß Essen seine Heimspiele – und wie schwer es der Tabellensechste einem aus dem Top-Trio machen kann, musste Hilden ja gerade erst erfahren.