
Für den FC Büderich (FCB) steht am Mittwochabend um 19.30 Uhr ein Spiel an, das in der Klubhistorie einen besonderen Platz einnehmen könnte. Im Halbfinale des Niederrheinpokals gastiert der Oberligist beim Ligakonkurrenten SC St. Tönis. Für Büderich ist es die Chance, erstmals in die Endphase dieses Wettbewerbs einzuziehen.
„Diese Partie bietet uns eine großartige Chance“, sagt der FCB-Vorsitzende Benedikt Niesen. „So weit ist noch nie ein Meerbuscher Verein im Niederrheinpokal gekommen, weil immer viele starke Mannschaften vertreten sind. Das Finale zu erreichen, wäre ein wahnsinniger Erfolg.“
Dass der FCB überhaupt an diesem Punkt steht, ist Teil einer bemerkenswerten Entwicklung. Vor vier Jahren spielte der Klub noch in der Bezirksliga. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir mal so dicht am Finale stehen werden, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt Niesen. Damals backten die Büdericher noch deutlich kleinere Brötchen. „Es war schon ein Highlight, wenn wir in den ersten Runden gegen einen Verein mit großem Namen spielen durften“, erinnert sich Niesen.
Tatsächlich trat Büderich 2014 sogar einmal auf dem Wuppertaler Sportplatz an, verlor jedoch mit 0:3 gegen den Wuppertaler SV. Vier Viertelfinale bedeuteten für den FCB die bisherige Bestmarke, ehe der Regionalligist überraschend mit 1:0 besiegt wurde. Damit erscheint auch der Weg ins Endspiel realistisch, da mit St. Tönis im Halbfinale ein Gegner auf Augenhöhe wartet. „Für mich ist das ein 50:50-Spiel, bei dem die Tagesform entscheiden wird“, meint Niesen.
Auch Trainer Sebastian Siebenbach fiebert der Partie schon lange entgegen. „Nicht nur für den Verein, sondern auch für mich ist das etwas Besonderes“, sagt der FCB-Coach. „Wenn du im Amateurfußball unterwegs bist, erreichst du so ein Pokalfinale wahrscheinlich nur einmal im Leben.“
Der Reiz liegt für ihn auch in der besonderen Bühne. Das Endspiel findet am bundesweiten Finaltag der Amateure am Pfingstsamstag (23. Mai) statt und wird live im WDR übertragen. „Allein dort dabei zu sein, wäre eine Riesen-Nummer“, sind sich Siebenbach und Niesen einig. Ein Finale würde durch zusätzliche Vermarktungsflächen im Stadion und höhere Zuschauerzahlen auch finanzielle Erlöse bringen.
Noch größer wäre der nächste Schritt: Der Sieger des Niederrheinpokals qualifiziert sich für den Pokal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Unter Umständen wäre das schon bei einem Finaleinzug der Fall, falls der MSV Duisburg am Samstag (15 Uhr) sein Halbfinalspiel beim 1. FC Bocholt gewinnt und die Saison in der 3. Liga unter den ersten Vier beendet.
Dann wäre Büderich automatisch für die erste Runde des DFB-Pokals qualifiziert und könnte im August auf Vereine wie FC Bayern München oder Borussia Dortmund treffen. „Natürlich ist das ein Traum, den man im Hinterkopf hat, aber erst einmal beschäftigt uns das noch nicht“, sagt Niesen.
Ob ein mögliches DFB-Pokalspiel am heimischen Eisenbrand stattfinden könnte, würde stark vom Gegner abhängen. Niesen: „Gegen einen großen Traditionsklub wäre unsere Anlage vermutlich zu klein, das wäre genehmigungstechnisch schwierig.“
Zunächst richtet sich Büderichs Fokus vollständig auf das Halbfinale. Auch neben dem Platz will der Verein die Mannschaft bestmöglich unterstützen. Mit Plakaten im Ort und einer organisierten Fanfahrt sollen möglichst viele eigene Anhänger auf die Jahn-Sportanlage in St. Tönis gelangen. „Je mehr Leute uns begleiten, desto eher können wir den Auswärtsnachteil ausgleichen“, meint Niesen.
Rein sportlich erwartet der FCB eine schwierige Aufgabe. Die letzten vier Oberliga-Duelle gegen St. Tönis verlor er allesamt. Gleichzeitig erinnert Siebenbach an das jüngste Liga-Duell vor wenigen Wochen, als sein Team beim 3:4 eine starke Leistung zeigte. „Das hat uns schon Auftrieb gegeben.“
In der Kabine ist die Bedeutung des Spiels längst angekommen. „Ich habe das Thema häufig selbst angesprochen, um die Jungs zu motivieren“, sagt Siebenbach. „Es ist für uns alle etwas Besonderes. Das sollte man auch nicht kleinreden, es ist das größte Spiel, das wir jemals hatten.“
Spiele:
Der FC Büderich 02 startete mit einem 6:0-Sieg bei dem Bezirksligisten VfL Repelen in den Verbandspokal. In der zweiten Runde kämpften sich die Büdericher nach einem 0:1-Halbzeitrückstand beim SV Uedesheim zurück und gewannen am Ende mit 10:2. Im Achtelfinale gegen den Oberliga-Konkurrenten BV Dingden drehte Büderich erneut einen 0:1-Rückstand und setzte sich mit 2:1 nach Verlängerung durch. Den größten Coup landete der FCB im Viertelfinale: Jan-Niklas Schulte erzielte in der fünften Minute der Nachspielzeit das entscheidende 1:0 gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV.