2026-04-14T12:48:59.332Z

FuPa Portrait

Der bunte Hund namens „Berti“ beobachtet nur noch

Der Kiedricher Andreas Bertram beendet seine Schiri-Karriere mit 58 Jahren ziemlich abrupt +++ Warum und wie er der Schiedsrichterei in anderen Funktionen erhalten bleiben will

von Torsten Muders · Heute, 17:00 Uhr · 0 Leser
Andreas Bertram (links) bei der Verabschiedung des langjährigen Schiedsrichters Heinz Zott. Mittlerweile hat „Berti“ selbst seine aktive Karriere als Referee beendet.
Andreas Bertram (links) bei der Verabschiedung des langjährigen Schiedsrichters Heinz Zott. Mittlerweile hat „Berti“ selbst seine aktive Karriere als Referee beendet. – Foto: Andreas Betram

Kiedrich. Wenn im Rheingau und der hiesigen Fußball-Region die Rede von „Berti“ ist, dann ist im Allgemeinen nicht der „Bundes-Berti“ alias Hans-Hubert Vogts gemeint, wie er mit bürgerlichem Name heißt. Nein, Andreas Bertram, von allen eben einfach nur „Berti“ gerufen, ist hierzulande bekannt wie der berühmte bunte Hund.

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Fast 40 Jahre als aktiver Schiedsrichter mit geschätzt rund 3500 Spielen trugen dazu bei, dass man ihn kennt und dass der heute 58-Jährige eben auch alle sowie die Sportplätze der Region in- und auswendig kennt. „Es sind dadurch viele Kontakte und Freundschaften entstanden“, fällt dem Kiedricher in seiner Bilanz zuallererst das Positive ein.

Mit 18 Jahren gab er damals sein Debüt. „Ich habe halt gemerkt, dass es fußballerisch nur für die Reserve reicht“, schmunzelt Bertram. Also versuchte er es mit der Pfeife statt mit dem Fuß. Bis zur Gruppenliga als Spielleiter und an der Linie bis zur Hessenliga an der Seite von Klaus Holz oder Thorsten Weber führte die aktive Karriere, die dann im vergangenen Herbst früher als geplant enden sollte.

Von hinten auf den Kopf geschlagen

Sein letztes Spiel hatte nämlich ein unrühmliches Ende. Bei einem A-Liga-Spiel in Wiesbaden wurde Bertram beim Gang in die Kabine von einem von hinten ausgeführten Schlag am Kopf getroffen. Körperlich blieb Bertram zwar unversehrt, doch dieser Vorfall brachte den leidenschaftlichen Schiedsrichter zum Nachdenken. Vor 13 Jahren hatte er schon mal pausiert, nachdem er ebenfalls nach einem Spiel in Wiesbaden von Unbekannten verfolgt wurde. Jetzt zog er endgültig den Schlussstrich unter seiner aktiven Karriere, war der 58-Jährige doch nach dem jüngsten Vorfall mental ziemlich angefasst. Seine angeborene Frohnatur hat Bertram aber auf keinen Fall verloren. „Manche haben vielleicht gesagt, Gott sei dank, endlich hört der auf. Doch andere haben es auch bedauert“, sagt Bertram mit seinem typischen verschmitzten Lächeln.

Rote Karte: Andreas Bertram in einem seiner geschätzten 3500 Spielen.
Rote Karte: Andreas Bertram in einem seiner geschätzten 3500 Spielen. – Foto: Andreas Bertram

Generell bereitet ihm aber die gesellschaftliche Entwicklung auf den Fußballplätzen Sorge. „Früher war ein anderes Miteinander. Es wurde noch mehr miteinander geredet“, bringt es der Rheingauer auf eine Formel. Und schiebt nach, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, wenn man die Leistung von einem Unparteiischen bewertet, gerade wenn er alleine irgendwo auf einem Kreisliga-Sportplatz die „ärmste Sau“ auf der Welt und eben keine „schwarze Sau“ ist, die durchs Dorf getrieben werden kann: „Schiedsrichter sind Menschen. Und Menschen machen Fehler. Auch im Kölner Keller wird ja nicht alles richtig beurteilt.“

Obmann von derzeit 141 Schiedsrichtern im Kreis

Doch Bertram bleibt der Schiedsrichterei in seinen anderen Funktionen weiter treu. Als Schiedsrichter-Obmann des Kreises Rheingau-Taunus hat er derzeit 141 Schäfchen im Alter zwischen 13 und rund 75 Jahren zu führen. „In Hessen haben wir sogar derzeit wieder einen leichten Zuwachs. In unserer Vereinigung hält es sich die Waage“, ist Bertram froh, dass er viele zuverlässige Schiedsrichter in seinen Reihen hat, die am Wochenende auch mal zwei Spiele pfeifen. „Wenn die Eintracht oder Mainz spielt, ist es aber schon schwieriger, Spiele zu besetzen“, berichtet der Obmann.

Und wenn Bertram auch nicht mehr direkt an der „Front“ steht, ist er weiter auch auf den Sportplätzen präsent. Als Schiedsrichter-Beobachter bis zur Verbandsliga hat er auch schon mehrere Hundert Spiele gesehen. Und so gibt „Berti“ seine Erfahrung auf diesem Wege weiter.