2026-03-13T07:45:35.464Z

Spielvorbericht

Den letzten Strohhalm greifen

Am kommenden Wochenende kommt es in der Landesklasse 1 zu einem echten Abstiegskracher. Dazu empfängt der FSV Grün-Weiß Stadtroda als Vorletzter den Tabellenletzten Neustadt/Orla II. Der Ball rollt am Samstag ab 14 Uhr.

von Fabian Göb · Gestern, 14:00 Uhr · 0 Leser

Wenn der Tabellenletzte auf den Vorletzten trifft, ist die Ausgangslage klar: Es geht um mehr als nur drei Punkte. Ein Spiel, das im Abstiegskampf der Landesklasse 1 richtungsweisend sein wird. Neustadt-Kapitän Martin Köhler und dessen Trainer Felix Anton geben im Gespräch Einblicke in Stimmung, Erwartung und Herangehensweise vor dem wichtigen Duell.

„Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir alles reinknallen“

Für Neustadt/Orla II ist die Situation im Tabellenkeller alles andere als neu. Dennoch gibt man sich beim Schlusslicht kämpferisch. Kapitän Martin Köhler macht deutlich, dass aufgeben keine Option ist. „Solange es rechnerisch noch möglich ist, werden wir alles reinknallen“, betont der Spielführer. Natürlich sei das Duell gegen Stadtroda besonders brisant. „Sicherlich ist es das nächste wichtige Spiel gegen einen direkten Tabellennachbarn“, doch grundsätzlich spiele das für die Mannschaft keine große Rolle. „Für uns ist egal, gegen wen wir spielen. Wir brauchen dringend Punkte, um den Anschluss an die anderen Mannschaften nicht komplett zu verlieren“, so Köhler. Auch Trainer Felix Anton weiß um die Bedeutung der Partie. Gleichzeitig ordnet er die Situation ein: „Es ist tatsächlich das dritte Mal innerhalb weniger Wochen, dass wir ein Spiel Letzter gegen Vorletzter haben. Das ist natürlich nicht schön und auch sehr frustrierend, wenn man daraus nichts Zählbares mitnehmen konnte.“ Dennoch sei die Marschroute klar: „Jeder wusste, dass es für uns ein sportliches Abenteuer wird. Aber wir werden uns nicht aufgeben. Auch wenn es der sprichwörtlich letzte Strohhalm ist – er wird fest umklammert.“

Gute Stimmung trotz sportlicher Talfahrt

Die sportliche Lage ist schwierig, doch intern scheint die Mannschaft stabil zu sein. „Trotz der aktuellen Situation herrscht eine gute Stimmung in der Mannschaft“, berichtet Köhler. „Jeder gibt im Training Vollgas und versucht sich anzubieten. Leider bekommen wir die guten Leistungen aus dem Training im Punktspiel noch nicht umgesetzt.“ Ein paar Erfolgserlebnisse könnten viel bewirken, glaubt der Kapitän: „Ein, zwei erfolgreiche Spiele könnten einiges in der Mannschaft auslösen.“ Auch Trainer Anton bestätigt diesen Eindruck. Zwar habe die Mannschaft nach zwei Aufstiegen in Folge einen harten Realitätsschock auf Landesebene erlebt, doch der Zusammenhalt stimme. „Wir sind mit viel Euphorie und Selbstvertrauen aus zwei Aufstiegen gestartet und dann in eine sportliche Talfahrt geraten. Das macht natürlich etwas mit einer Mannschaft.“ Trotzdem sei das Team gefestigt: „Wir haben eine gute Mischung aus jungen, hungrigen und sehr erfahrenen Spielern. Man merkt einfach, dass es nicht nur Mitspieler, sondern Freunde sind.“

Kapitän mit Gespür für die Mannschaft

In schwierigen Phasen kommt auch dem Kapitän eine besondere Rolle zu. Martin Köhler versucht dabei, die richtige Balance zu finden. „Als Kapitän versuche ich vor jedem Spiel auf die Mannschaft einzuwirken, da wir in guten wie in schlechten Zeiten zusammenstehen müssen“, erklärt er. Dabei gehe er unterschiedlich vor: „Mal geht man gezielt auf einzelne Spieler zu, manchmal versucht man die ganze Truppe zu erreichen – das entscheide ich immer nach Bauchgefühl.“

Training bleibt bewusst unverändert

Auch im Training will Trainer Felix Anton trotz der Bedeutung der Partie nicht alles über den Haufen werfen. „Natürlich versucht man, bestimmte Dinge gezielt zu trainieren“, sagt er. Gerade die äußeren Bedingungen spielen dabei eine Rolle: „Wir wissen, dass uns ein extrem kleiner Kunstrasen erwartet.“ Grundsätzlich bleibe die Struktur jedoch gleich: „Die Abläufe sind immer dieselben – wir schauen vor allem auf uns, denn da haben wir natürlich mehr als genug zu tun.“ Ein wichtiger Punkt sei dabei auch die mentale Komponente. „Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, dass man den Spaß und die Lust am Fußball nicht verliert – das versuche ich über die Trainingsgestaltung zu steuern.“

„Nicht schön spielen – sondern mehr Schaum vor dem Mund“

Der Gegner aus Stadtroda gilt traditionell als unangenehm zu bespielen. Auch diesmal erwartet Neustadt/Orla II eine kampfbetonte Partie. „Stadtroda war schon immer eine sehr schwer und eklig zu bespielende Mannschaft“, sagt Köhler. Besonders die äußeren Bedingungen könnten eine Rolle spielen: „Dazu kommen noch die kleinen Platzverhältnisse.“ Für den Kapitän ist daher klar, worauf es ankommen wird: „Es geht nur über den Kampf und darum, wer den Sieg mehr will. Am Samstag geht es nicht darum, schön zu spielen – sondern wer mehr Schaum vor dem Mund hat und sich als geschlossene Truppe zeigt.“ Auch Anton erwartet ein enges Spiel: „In dieser Liga, mit diesen Vorzeichen und vor allem auf diesem Platz, kann von 0:0 bis 4:4 eigentlich alles passieren.“

Fest steht: Für beide Teams ist es ein Spiel mit enormer Bedeutung im Tabellenkeller der Landesklasse 1. Neustadt/Orla II will den sprichwörtlichen letzten Strohhalm greifen – und hofft, dass ausgerechnet gegen Stadtroda der erlösende Befreiungsschlag gelingt.